Neuer Ministerpräsident: Darum muss sich Schnieder jetzt kümmern

Analyse

Neuer Ministerpräsident Rheinland-Pfalz:Darum muss sich Gordon Schnieder jetzt kümmern

Houben Luisa

von Luisa Houben

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Rheinland-Pfalz hat wieder einen CDU-Ministerpräsidenten: Gordon Schnieder. Auf den CDU-Mann warten große Aufgaben - für die er sich auch Unterstützung aus Bayern geholt hat.

Gordon Schnieder (CDU) spricht mit Parteikollegen vor Beginn der Sondersitzung zur Änderung der Landesverfassung. (Archiv)

Gordon Schnieder (CDU) möchte sich vor allem der Bildung, Wirtschaft und den Kommunen widmen.

Quelle: dpa

Nach CDU-Größen wie Helmut Kohl oder Bernhard Vogel jetzt Gordon Schnieder: Mit ihm zieht nach 35 Jahren wieder ein CDU-Ministerpräsident in die Mainzer Staatskanzlei ein. Eine "ganz, ganz große Verantwortung", sagt er.

Das erfüllt mich mit großer Demut, wenn man rückblickt, wer gerade aus der CDU auf diesem Platz schon gesessen ist.

Gordon Schnieder, neuer Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz

Jahrzehntelang waren seine CDU und ihr jetziger Juniorpartner SPD politische Rivalen. Jetzt müssen sie zusammenarbeiten. Bessere Bildung, moderne Rahmenbedingungen für die Wirtschaft und mehr Geld für die Kommunen - die Menschen erwarten einiges von der neuen Regierung.

Den Grundstein dafür sollten vertrauensvolle Koalitionsgespräche legen. Geradezu geräuschlos verhandelte Schnieder mit seinem Vorgänger Alexander Schweitzer von der SPD. Von Anfang an wollten sie zeigen: Es geht auch anders als im Bund. "Dieses Gezanke macht Vertrauen kaputt", ist Schnieder überzeugt. Das will er hier nicht verspielen. Auch weil die AfD ihr bisher bestes Ergebnis in einem westdeutschen Bundesland einfuhr.

Damit das Vertrauen zwischen den neuen Partnern und ihren Wählern weiter wächst, müssen sie liefern.

Rheinland-Pfalz: CDU und SPD stellen in Mainz den Koalitionsvertrag vor

CDU und SPD haben sich in Rheinland-Pfalz auf die Bildung einer großen Koalition geeinigt. Geplant ist, dass CDU-Politiker Gordon Schnieder Mitte Mai zum Ministerpräsidenten gewählt wird.

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Für bessere Bildung: Verstärkung aus Bayern

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Die neue Regierung will nun vor allem den Übergang von Kita zu Grundschule in den Blick nehmen. Es soll ein verpflichtendes letztes Kita-Jahr geben mit dem Ziel, dass alle Kinder ab der ersten Klasse Deutsch sprechen und verstehen. Lehrkräfte an Grundschulen sollen höher besoldet werden. Gewalt und Mobbing will man mit Ordnungsmaßnahmen, Notfallkonzepten und mehr Personal in den Griff kriegen.

sgs-gökdemir-maaz

"Das Fatale ist, dass dieses Problem nicht erst seit gestern besteht, sondern seit vielen Jahren, man muss sagen seit Jahrzehnten“, sagt der Bildungsforscher Kai Maaz.

29.04.2026 | 3:56 min

Umsetzen soll all diese Pläne überraschend eine CSU-Politikerin: Ute Eiling-Hütig aus Bayern. Schnieder begründet die Personalie so:

Wir holen bewusst bildungspolitische Erfahrung aus einem der erfolgreichsten Bildungssysteme Deutschlands nach Rheinland-Pfalz.

Gordon Schnieder, Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz

Eiling-Hütig: Kinder und Jugendliche "lebensfähig" machen

Die Erwartungen an die promovierte Historikerin sind groß. Lars Lamowski vom Verband für Bildung und Erziehung fordert:

Nach Jahren des relativen bildungspolitischen Stillstandes braucht es nun grundlegende Strukturreformen.

Lars Lamowski, Verband für Bildung und Erziehung

Die im Koalitionsvertrag angekündigten Reformen müssten zeitnah umgesetzt werden.

Eiling-Hütig verriet bei ihrer Vorstellung noch nicht, wo aus ihrer Sicht die Probleme bei der Bildung liegen. Zentral für sie sei, das Beste für die Kinder und Jugendlichen herauszuholen, "sie ausbildungsfähig zu machen, sie lebensfähig zu machen".

Schulkind bei Gleichgewichtsübungen

In wenigen Wochen wählt Rheinland Pfalz einen neuen Landtag. Für viele Wähler ist Bildung das zentrale Thema. Die Parteien setzen in ihren Wahlprogrammen unterschiedliche Schwerpunkte.

03.03.2026 | 2:00 min

Für Biotech bis Weinbau moderne Rahmenbedingungen

Die Tinte auf dem Koalitionsvertrag ist kaum trocken, da muss sich Schnieder um die Biotechnologie-Branche im Land sorgen. Das Mainzer Unternehmen BioNTech hat einen beachtlichen Stellenabbau angekündigt.

Rheinland-Pfalz als Biotech-Standort weiterzuentwickeln, ist nur eine von vielen wirtschaftlichen Herausforderungen. Dazu kommen hohe Energiekosten für die Chemieindustrie oder klimabedingte Herausforderungen für den Weinbau. Branchenübergreifend ist der Wunsch nach weniger Bürokratie und mehr Digitalisierung groß.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund in Rheinland-Pfalz begrüßt, dass CDU und SPD hier investieren wollen. Alles im Koalitionsvertrag aber steht unter Finanzierungsvorbehalt. Die Kassen sind klamm.

Biontech

Biontech plant die Schließung mehrere Standorte, bis zu 2.000 Jobs sind davon betroffen. Darunter auch das Werk in Idar-Oberstein, wo der Abbau eine strukturschwache Region besonders hart trifft.

06.05.2026 | 1:52 min

Klamme Kommunen: Neues Ministerium soll Finanzausgleich regeln

Vor allem den Kommunen im Land fehlt das Geld. Ihre finanzielle Lage ist so angespannt wie nie: Das Defizit der Städte, Kreise und Gemeinden lag 2025 bei rund 1,3 Milliarden Euro.

Grund dafür sind laut Kommunalverbänden die gestiegenen Sozialkosten. Schon im Wahlkampf hatte Schnieder versprochen, auszuhelfen. Nun soll der kommunale Finanzausgleich neu geregelt werden. Zuständig sein wird ein neues Kommunalministerium.

"Entscheidend wird nun sein, dass den Ankündigungen rasch konkrete, für die Kommunen spürbare Maßnahmen folgen," fordern die Kommunalverbände. Erwartet wird von vielen außerdem eine Verwaltungsstrukturreform, die die Arbeit vor Ort effizienter gestaltet.

Bleibt abzuwarten, ob Schnieder und seine schwarz-rote Regierung so vertrauensvoll zusammenarbeiten, wie sie ihre Pläne verhandelt haben. Der Druck jedenfalls ist groß, dass sie diese zügig und spürbar umsetzen.

Luisa Houben ist Reporterin im ZDF-Studio für Rheinland-Pfalz.

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Krankenhäuser schließen, Busse fahren selten, Kneipen verschwinden: Das Leben auf dem Land wird schwieriger. Warum viele trotzdem bleiben - und was das für ihre Zukunft bedeutet.

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Über dieses Thema berichtete das gemeinsame Mittagsmagazin von ARD und ZDF am 18.05.2026 ab 12 Uhr.

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