Neue Regel für U-Ausschüsse: Verfassungsänderung trifft AfD

Neue Regel für Untersuchungsausschüsse:Verfassungsänderung trifft die rheinland-pfälzische AfD

Houben Luisa

von Luisa Houben

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Der Landtag in Rheinland-Pfalz hat auf Initiative von CDU, SPD und Grünen die Hürde für Untersuchungsausschüsse angehoben. So kann die AfD künftig nicht allein einen einsetzen.

Rheinland-Pfalz, Mainz, Landtag

Der rheinland-pfälzische Landtag ändert die Verfassung - die Zahl der Stimmen für die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses wird erhöht. (Archivbild)

Quelle: ddp

Zusammen mit den Grünen haben die künftigen Regierungspartner SPD und CDU in Rheinland-Pfalz die Landesverfassung geändert – noch vor Beginn der nächsten Legislaturperiode.

Ihr Ziel: Der AfD soll es künftig nicht möglich sein, allein Untersuchungsausschüsse einzusetzen. Diese gelten als "schärfstes Schwert" der Opposition.

Ein scharfes Schwert muss man schützen, damit es nicht stumpf wird und man muss es sichern, damit es nicht missbraucht wird. Beides wollen wir machen.

Michael Hüttner, stellvertretender SPD-Fraktionsvorsitzender

Ihre Sorge war, dass die AfD U-Ausschüsse bewusst nutzen könne, um die Parlamentsarbeit zu blockieren oder lahmzulegen. Im Wahlkampf hatte die Partei mehrere Ausschüsse angekündigt – zur Beurlaubung von Beamten oder Corona-Politik.

Es besteht die Gefahr eines bewusst in Kauf genommenen Dauerzustands politischer Überlastung mit dem Ziel, das Parlament an seine Grenzen zu bringen und ihm Raum für andere wichtige Aufgaben zu nehmen.

Marcus Klein, parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Fraktion

Deswegen wollten CDU, SPD und Grüne eine "Neujustierung" der Landesverfassung.

 Jan Bollinger (AfD), Spitzenkandidat seiner Partei für die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz, steht im SWR-Wahlstudio. Am Sonntag hat in Rheinland-Pfalz die Landtagswahl stattgefunden.

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Neujustierung heißt: Statt wie bisher ein Fünftel braucht es nun ein Viertel der Abgeordneten, um einen U-Ausschuss einzusetzen. So ist es auch im Bundestag und anderen Landtagen.

Die AfD, die demnächst ein Fünftel der Abgeordneten stellt, spricht von einer gezielten Entmachtung der Opposition. CDU, SPD und Grüne würden wollen, dass "der ein oder andere Skandal unter der Decke bleibe", so der parlamentarische Geschäftsführer der AfD, Damian Lohr, gegenüber ZDFheute.

Rheinland-Pfalz, Landtagswahl, Sitzverteilung

Rheinland-Pfalz, Landtagswahl, Sitzverteilung

Quelle: Forschungsgruppe Wahlen

Außerdem sei fragwürdig, dass die Abstimmung noch im alten Landtag erfolgte. Die Abgeordneten kamen dafür extra noch zweimal zusammen.

Eine derart kurzfristige und grundlegende Änderung zentraler Oppositionsrechte ist eine politisch motivierte Machtsicherung.

Damian Lohr, parlamentarischer Geschäftsführer der AfD-Fraktion

Politikwissenschaftlerin: “Gefundenes Fressen für AfD”

Die Eile von CDU, SPD und Grünen rührt wohl daher, dass es möglich gewesen wäre, dass die AfD schon in der konstituierenden Sitzung des neuen Landtags U-Ausschüsse auf den Weg bringt. Sie hatte bei der Wahl im März ihr bestes Ergebnis in einem westdeutschen Bundesland eingefahren.

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"Ja, man hätte die Verfassungsänderung schon früher auf den Weg bringen können", sagt der Grünen-Politiker Carl-Bernhard von Heusinger. Das ändere aber nichts daran, dass sie richtig sei, um die Funktionsfähigkeit des Parlaments zu sichern.

Die AfD erklärt, sie habe nicht vorgehabt, mehrere U-Ausschüsse einzusetzen und hätte sie "sensibel" nutzen wollen. In einer Kampagne bezeichnet sie die Initiatoren der Verfassungsänderung als "Totengräber der Demokratie" und kündigte eine Normenkontrollklage an.

Aus ihrer Sicht sei es nicht zulässig, dass sich die Verfassungsänderung explizit gegen die AfD richte. "Und da stellen wir uns schon die Frage, wie das mit dem Demokratieprinzip und Rechtsstaatsprinzip vereinbar ist", sagte Lohr ZDFheute.

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Für die Politikwissenschaftlerin Anna-Sophie Heinze ist die Landesverfassungsänderung ein "gefundenes Fressen für die AfD". Andererseits sei zu bedenken:

Dass die AfD es sowieso immer schafft, sich als Opfer zu inszenieren seit vielen Jahren und dass diese Verfassungsänderung darauf beruht, dass sie in der Vergangenheit oftmals Oppositionsinstrumente ausgenutzt hat.

Prof. Anna-Sophie Heinze, Politikwissenschaftlerin

U-Ausschuss in Sachsen: "beispielslose Anforderung von Akten"

Wie viel Aufwand ein Corona-Untersuchungs-Ausschuss bedeuten kann, zeigt sich in Sachsen. Dort läuft auf Antrag der AfD-Fraktion ein U-Ausschuss, der 96 Fragen beantworten soll.

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Was die Bearbeitung bedeutet, schildert der Beauftragte der sächsischen Staatsregierung, Frank-Peter Wieth, ZDFheute. Seine Behörde hat die Aufgabe, alle nötigen Unterlagen zur Verfügung zu stellen:

Zwischenzeitlich waren circa 1.000 Mitarbeitende damit beschäftigt. Bis dato wurden drei Millionen Schriftstücke übermittelt, darunter Bürgeranfragen, Gerichtsakten oder sämtliche im Rahmen von Corona-Richtlinien entstanden Dokumente. Viele fehlten aber noch.

Die Anforderung des Sächsischen Untersuchungsausschusses ist enorm umfassend und stellt eine in der Bundesrepublik Deutschland bisher beispielslose Anforderung von Akten von Seiten eines Untersuchungsausschusses dar.

Frank-Peter Wieth, Beauftragter der Staatsregierung Sachsen

Dazu kommt: Es wäre wohl unmöglich für die Mitglieder des U-Ausschusses, alle angefragten Unterlagen auszuwerten.

Verspielen CDU, SPD und Grüne Vertrauen?

Die Grünen in Mainz wechseln nun selbst von der Regierung in die Opposition und betonen, es sei weiterhin möglich, U-Ausschüsse einzusetzen. Dafür bräuchte es nun aber eine Zusammenarbeit von AfD und Grünen, was letztere ausschließen - oder Stimmen von Abgeordneten der Regierung.

Ein Untersuchungsausschuss in den nächsten fünf Jahren ist damit deutlich unwahrscheinlicher geworden.

Es gehe hier vor allem darum, wie Vertrauen in die demokratischen Parteien und Institutionen verspielt wird, sagt Politikwissenschaftlerin Heinze: "Wählende der AfD fühlen sich absolut bestärkt in ihrem Opfermodus und so werden CDU, SPD und Grüne niemanden mehr zurückgewinnen."

Luisa Houben berichtet aus dem ZDF-Landesstudio in Rheinland-Pfalz.

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Über dieses Thema berichtete heute in Deutschland am 06.05.2026 ab 14 Uhr.

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