Neuer UN-Job: Wie Baerbock an der eigenen Karriere bastelt

Analyse

Neuer UN-Posten in Aussicht:Wie Baerbock an der eigenen Karriere bastelt

Patricia Wiedemeyer

von Patricia Wiedemeyer

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Annalena Baerbocks neuer UN-Job sorgt für Kritik. Denn Baerbock verdrängt eine Top-Diplomatin und dürfte den Posten auch brauchen, um sich für Größeres zu empfehlen.

Annalena Baerbock spricht bei einer Generalversammlung der UN

Annalena Baerbock winkt ein Job bei der UN. (Symbolbild)

Quelle: dpa

Wer Annalena Baerbock kennt und sie in den vergangenen Jahren auf ihren Reisen als Außenministerin begleitet hat, der weiß, wie sie brennt für die Außenpolitik. Wie gerne sie den Job weiter gemacht hätte. Wie wohl sie sich fühlte im Kreise ihrer Amtskolleginnen und Amtskollegen. Beliebt und anerkannt war sie da übrigens sehr viel mehr als im Inland.

Der neue Job nun in New York, eigentlich nur folgerichtig. Ihre Ansage, sie wolle sich nach dem schlechten Wahlergebnis der Grünen zurückziehen, nicht Fraktionsvorsitzende werden, mehr Zeit mit der Familie verbringen - so richtig glaubwürdig klang das nie.

Kein Platz an der Grünen-Fraktionsspitze

Mit dem Fraktionsvorsitz hat es nicht geklappt. Zu fest sitzen Britta Haßelmann und Katharina Dröge im Sattel, nach ihrem erfolgreichen Verhandeln mit CDU-Chef Friedrich Merz. Sie sind die neuen starken Frauen der Grünen, jetzt erst recht. Für Annalena Baerbock ist da nicht mehr viel Platz.

Franziska Brantner will Parteivorsitzende bleiben, andere Posten haben die Grünen derzeit gar nicht mehr zu vergeben.

Wer Baerbock erlebt hat, der weiß, auf den hinteren Rängen im Bundestag Platz zu nehmen, keine Regierungspartei mehr, noch nicht mal die größte Oppositionspartei zu sein, also in der Bedeutungslosigkeit zu versinken, das ist nun wirklich nicht ihr Ding.

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Baerbocks Job klingt größer, als er ist

Und so ist es nur folgerichtig, dass sie jetzt nach New York geht. Es ist zwar kein wirklich wichtiger Job. Er klingt größer, als er in Wahrheit ist. Doch für Baerbock ist er sicherlich ein Sprungbrett für weitere Jobs auf internationalem Parkett.

Baerbock soll jetzt den Vorsitz der UN-Generalversammlung übernehmen. Der Job ist mehr repräsentativ als effektiv - und auch nur auf ein Jahr begrenzt. Baerbock ist künftig lediglich zuständig für die Angelegenheiten der Versammlung, nicht zu verwechseln mit dem Posten des UN-Generalsekretärs.

Wer kennt schon Dennis Francis?

Die Liste der bisherigen Präsidenten zeigt wenige wirklich bekannte Namen. Wer kennt schon Dennis Francis aus Trinidad oder Csaba Körösi aus Ungarn? Der letzte Westdeutsche auf dem Posten war Rüdiger von Wechmar 1981 und als Vertreter der DDR Peter Florin 1988.

Und doch ist es Baerbocks Chance, sich vor Ort um neue, interessantere Jobs bei der UN zu bewerben. Allerdings gibt es einen Beigeschmack.

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Wen Baerbock verdrängt hat

Eigentlich vorgesehen für den Job war Helga Schmid. Die 64-jährige Diplomatin ist eine hochangesehene Expertin für Außenpolitik. Sie war Generalsekretärin des Europäischen Auswärtigen Dienstes und der OSZE, also auf europäischer Ebene die angesehenste deutsche Diplomatin.

Die Kritik ist daher groß, dass sie jetzt für Baerbock den Weg frei machen muss. Schmid soll jetzt Aufgaben im Rahmen der Münchner Sicherheitskonferenz erhalten, ein schwacher Trost. Politik ist eben ein undankbares Geschäft. Vor allem, wenn es nur noch wenige, interessante Positionen zu vergeben gibt.

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