Gespräche mit USA im Streit um Grönland:Dänen im Weißen Haus: Droht der Showdown in Washington?
Donald Trump will Grönland unter Kontrolle der USA bringen. Heute sind Vertreter Dänemarks und Grönlands im Weißen Haus. Der US-Präsident provoziert vorab. Kommt es zum Showdown?
Politische Vertreter der USA, Dänemark und Grönland verhandeln heute im Weißen Haus über US-Präsident Donald Trumps Gebietsansprüche auf die Arktisinsel.
14.01.2026 | 1:37 minUS-Präsident Donald Trump will die zu Dänemark gehörende Arktisinsel Grönland unter die Kontrolle der Vereinigten Staaten bringen - möglicherweise auch gegen den Willen der Dänen und Grönländer. Kurz vor Gesprächen mit Vertretern Dänemarks und Grönlands wiederholt Trump den US-Anspruch auf die Arktis-Insel: Die Nato solle dafür den Weg ebnen, erklärt Trump - alles andere sei inakzeptabel.
Für die Dänen und Grönländer lässt vor allem die Anwesenheit eines US-Politikers nichts Gutes erwarten. Kommt es schon heute bei einem Treffen in Washington zum Showdown?
Fragen und Antworten zur Lage im Überblick:
Worum geht es bei dem Treffen in Washington?
Der dänische Außenminister Lars Løkke Rasmussen und die für Außenpolitik zuständige grönländische Ministerin Vivian Motzfeldt wollen den Amerikanern klarmachen, dass die USA keinen Anspruch auf Grönland haben und dass die größte Insel der Welt nicht zum Verkauf steht.
Zudem werden sie vermutlich argumentieren, dass sich die strategischen Interessen Trumps auch anders befriedigen lassen können als über einen Anschluss Grönlands an die USA.
Vertreter aus Grönland und Dänemark sind zu Gesprächen nach Washington gereist. Es geht um die amerikanischen Gebietsansprüche auf Grönland. Elmar Theveßen berichtet.
14.01.2026 | 1:14 minDroht ein Eklat wie einst mit Selenskyj?
Ursprünglich war das Gespräch nur mit Außenminister Marco Rubio geplant. Kurzfristig wurde aber mitgeteilt, dass auch US-Vizepräsident JD Vance teilnehmen wird. Für die Gäste ist dies nicht unbedingt ein gutes Zeichen.
Vance gilt im Gegensatz zu Rubio als Hardliner und als deutlich weniger diplomatisch. Er war auch maßgeblich daran beteiligt, dass es vor einem Jahr im Weißen Haus zu einem Eklat mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj kam. Vance hatte Selenskyj damals vor laufenden Kameras Undankbarkeit und Respektlosigkeit vorgeworfen. Wie er gegenüber den Gästen aus Dänemark und Grönland auftritt, wird sich zeigen.
Wie ist die Stimmung unmittelbar vor dem Treffen?
Kurz vor Beginn der Gespräche legte Trump auf Truth Social bei seinen Forderungen nach - und erhöhte so den Druck auf die anreisenden Vertreter Dänemarks und Grönlands: Die Nato-Mitgliedschaft Dänemarks sei kein ausreichender Schutz für Grönland, so der US-Präsident.
Die Vereinigten Staaten brauchen Grönland zum Zweck der nationalen Sicherheit.
Donald Trump, US-Präsident
Es sei elementar für den Aufbau der geplanten Raketenabwehr "Golden Dome". Die Nato solle daher den Weg für eine US-Übernahme der Insel bereiten, so Trump weiter. Grönland müsse "in den Händen der Vereinigten Staaten liegen", so Trump, alles andere sei "inakzeptabel".
Der dänische Außenminister Lars Løkke Rasmussen und die für Außenpolitik zuständige grönländische Ministerin Vivian Motzfeldt bei der Ankunft in Washington.
Quelle: epaWie reagieren Dänemark und Grönland vorab?
Kurz vor einem Krisentreffen im Weißen Haus zum Thema Grönland hat Dänemark angekündigt, seine Militärpräsenz auf der Arktis-Insel ab sofort zu verstärken. Die Armee setze "von heute an" Einheiten zu Übungen auf der Insel ein, erklärt das dänische Außenministerium am Tag des Treffens. Dies geschehe in enger Zusammenarbeit mit Nato-Verbündeten.
Am Rande seiner Reise in die USA spricht sich Außenminister Johann Wadephul für eine stärkere militärische Präsenz auf Grönland aus.
13.01.2026 | 1:05 minWarum will Trump Grönland kontrollieren?
In öffentlichen Äußerungen begründet Trump sein Interesse mit der strategischen Bedeutung der größten Insel der Welt, die zwischen den USA, Russland und Europa liegt und weit in den Polarkreis hineinragt. Das weitgehend autonome, aber zu Dänemark gehörende Grönland mit seinen nur rund 57.000 Einwohnern ist unter anderem wegen seines Rohstoffreichtums und als Basis für die militärische Kontrolle der Arktis interessant.
Zudem könnten sich mit dem Klimawandel zumindest im Sommer neue Schifffahrtsrouten ergeben. Trump verweist zudem auf die zunehmende Präsenz russischer und chinesischer Schiffe in der Region und behauptet, Dänemark sei nicht in der Lage, Grönland ausreichend zu schützen. Die Nato bestätigt die Präsenz Russlands und Chinas in der Region.
Die USA interessieren sich strategisch für Grönland. Wie sehen die Menschen vor Ort das?
12.01.2026 | 5:02 minWie wird die militärische Drohkulisse der USA gesehen?
Dass die Trump-Regierung bislang auch militärischen Zwang nicht ausschließt, um die Kontrolle über Grönland zu erlangen, sorgt in Europa für große Beunruhigung. Als wahrscheinlich gilt aber, dass die Amerikaner dies nur als Drohkulisse einsetzen, um die Insel kaufen zu können.
US-Regierungssprecherin Leavitt unterstrich zuletzt erneut, die USA wollten Grönland kaufen, weil andernfalls China oder Russland die Insel womöglich erwerben oder feindlich übernehmen würden. Es läge "nicht nur im besten Interesse der Vereinigten Staaten, sondern möglicherweise auch im besten Interesse Grönlands, Teil der Vereinigten Staaten zu werden".
Trotz schwieriger Verhältnisse zu Dänemark: Zu den USA gehören will ein Großteil der Grönländer nicht.
09.01.2026 | 2:31 minWas bedeutet der Konflikt für die Nato?
Für die Nato ist die Grönland-Debatte höchst brisant. Einerseits muss das Bündnis um seine Glaubwürdigkeit fürchten, wenn ein führendes Mitglied androht, sich durch Zwang Gebiete eines anderen Nato-Staates einzuverleiben - vor allem auch mit Blick auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und Chinas Ansprüche auf Taiwan.
Andererseits wäre es für die Nato ein Super-GAU, wenn die USA im Streit über ein solches Thema aus dem Bündnis austreten würden, weil die Abschreckung der Nato vor allem auf dem Atomwaffenarsenal und der Stärke der konventionellen Streitkräfte der USA beruht. Was dann passieren würde, ist vollkommen unklar. Sicher ist nur, dass Dänemark nicht den Nato-Bündnisfall ausrufen könnte, weil dazu auch die USA zustimmen müssten.
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