US-Friedensplan: Selenskyj lehnt Gebietsabtretungen ab

Kiew lehnt Gebietsabtretungen weiter ab:Selenskyj: Werden USA überarbeiteten Plan übermitteln

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Während Washington auf Kompromisse drängt, bekräftigt Kiew seine rote Linie: Präsident Selenskyj lehnt Gebietsverluste weiter ab und will den USA einen eigenen Friedensplan senden.

Nach russischen Angriffen auf Kiew sind große Teile der Stadt ohne Strom. Aufgenommen am 10.10.2025.

Eine überarbeitete Version des US-Friedensplans will Kiew heute an Washington übermitteln. Gleichzeitig leidet das Land zunehmend an den stundenlangen Stromausfällen infolge russischer Angriffe.

09.12.2025 | 3:28 min

Eine überarbeitete Version des US-"Friedensplans" für ein Ende des Ukraine-Kriegs soll nach Angaben der Staatsführung in Kiew am heutigen Dienstag an Washington übermittelt werden - und deutlich veränderte Züge tragen. Der von der US-Regierung ausgearbeitete Friedensplan sei inzwischen von 28 auf 20 Punkte gekürzt worden, teilte Präsident Wolodymyr Selenskyj ukrainischen Journalisten mit.

Die offen Ukraine-feindlichen Positionen wurden herausgenommen.

Wolodymyr Selenskyj, ukrainischer Präsident

Gebietsabtretungen an Russland, ein besonders heikler Punkt in den Gesprächen über eine mögliche Friedenslösung, schließt Selenskyj weiter strikt aus. "Wir haben nach dem Gesetz keinerlei Recht dazu - weder nach dem Gesetz der Ukraine, noch unserer Verfassung oder dem Völkerrecht, wenn wir ehrlich sind", wurde er von der Agentur Interfax zitiert. Russland beharrt indes weiter auf der Abtretung von Territorien im Osten der Ukraine.

Mehrere Flaggen der Europäischen Union in Brüssel

Nach den Gesprächen zwischen Russland und den USA zur Ukraine fühlt sich Europa übergangen. Dabei haben sie selbst Chancen verstreichen lassen, mehr Druck auf Putin auszuüben.

09.12.2025 | 2:22 min

Selenskyj in London und Brüssel

Nach Gesprächen über den aktuellen Stand der Friedensbemühungen, die er am Montag in London mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), dem britischen Premierminister Keir Starmer und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron führte, flog Selenskyj direkt nach Brüssel weiter.

Dort informierte er Nato-Generalsekretär Mark Rutte, den Präsidenten des Europäischen Rates, António Costa, und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen über den Stand der Gespräche mit den USA zu einer möglichen Friedenslösung.

 London: Wolodymyr Selenskyj (l-r), Präsident der Ukraine, der britische Premierminister Keir Starmer, der französische Präsident Emmanuel Macron und der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz reagieren nach einem Treffen vor der Tür der 10 Downing Street.

Präsident Selenskyj hat in London mit Starmer, Macron und Merz über den Plan für ein Ende des Krieges in der Ukraine beraten. Russland hatte seine Angriffe zuletzt verstärkt.

08.12.2025 | 2:26 min

"Unsere Positionen sind in allen Fragen aufeinander abgestimmt. Wir handeln koordiniert und konstruktiv", teilte Selenskyj nach den Gesprächen mit den Spitzen von EU und Nato auf der Online-Plattform X mit.

ZDF-Korrespondentin: Sorge bei Europäern gestiegen

Bei den Europäern sei die Sorge und Skepsis mit Blick auf die US-geführten Verhandlungen massiv gestiegen, sagte ZDF-Korrespondentin Isabelle Schaefers in Brüssel. "Die Europäer versuchen jetzt mit aller Macht, zumindest noch eine kleine Rolle in den Verhandlungen zu behalten."

Schaltgespräch zwischen der Moderatorin Mariette Slomka und Isabelle Schaefers

Sehen Sie hier die Einschätzung von ZDF-Korrespondentin Isabelle Schaefers in voller Länge.

08.12.2025 | 1:33 min

Am deutlichsten brachte Bundeskanzler Friedrich Merz die Dinge auf den Punkt: "Ich bin skeptisch gegenüber einigen Details, die wir in Dokumenten sehen, die von der US-Seite kommen", sagte der CDU-Politiker. Er fügte hinzu: "Darüber müssen wir sprechen." Die kommenden Tage könnten sich als entscheidend "für uns alle" erweisen, so der Kanzler.

Merz bekräftigte - wie Starmer und Macron - die Entschlossenheit bei der Unterstützung Kiews. Daran könne kein Zweifel aufkommen. Merz fügte hinzu:

Wir alle wissen: Das Schicksal dieses Landes ist das Schicksal Europas.

Friedrich Merz, Bundeskanzler

Dieses vom ukrainischen staatlichen Katastrophenschutzdienst am 7. Dezember 2025 veröffentlichte Foto zeigt Feuerwehrleute bei Löscharbeiten nach einem russischen Drohnen- und Raketenangriff auf Industrie- und Energieinfrastrukturen in der Region Poltawa während der russischen Invasion in der Ukraine.

Die russischen Angriffe auf das Energienetz der Ukraine nehmen weiter zu. In Kiew haben Bewohner teils nur wenige Stunden am Tag Strom und Wasser.

08.12.2025 | 1:29 min

Vorangegangen waren mehrtägige Verhandlungen zwischen Unterhändlern Kiews und der USA über eine neue Fassung des von US-Präsident Donald Trump vorgelegten Friedensplans. Dessen ursprüngliche Version war vielfach als "russische Wunschliste" kritisiert worden.

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Russland greift die Ukraine an
:Aktuelles zum Krieg in der Ukraine

Seit Februar 2022 führt Russland einen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Kiew hat eine Gegenoffensive gestartet, die Kämpfe dauern an. News und Hintergründe im Ticker.
Rettungskräfte räumen am 21.11.2025 die Trümmer eines Wohnhauses in Ternopil weg, das bei einem russischen Angriff schwer beschädigt wurde.
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Quelle: dpa, AFP, ZDF
Über dieses Thema berichtete das ZDF heute journal update am 09.12.2025 um 00:16 Uhr und das gemeinsame Morgenmagazin von ARD und ZDF ab 05:30 Uhr.

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