Bundesaußenminister bei "illner":Wadephul: Rubios Angebot zur Zusammenarbeit annehmen
von Florence-Anne Kälble
Europa sei bereit, mehr Verantwortung zu übernehmen und das partnerschaftliche Verhältnis zu den USA zu halten, erklärte Johann Wadephul in der ZDF-Sendung "maybrit illner".
Sehen Sie hier die Sendung "maybrit illner" vom 19. Februar 2026 in voller Länge.
19.02.2026 | 64:55 minBundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) hat nachdrücklich für die Annahme des Angebots seines amerikanischen Amtskollegen Marco Rubio zur weiteren Zusammenarbeit mit den Europäern plädiert.
Mit Blick auf die viel diskutierte Rede Rubios auf der Münchner Sicherheitskonferenz sagte Wadephul am Donnerstag in der ZDF-Sendung "maybrit illner", er wisse aus vielen persönlichen Gesprächen, dass Rubio wolle, dass das "transatlantische Band" bestehen bleibe und Europa und die Vereinigten Staaten erfolgreich zusammenarbeiten könnten.
Ich finde, dieses Angebot sollten wir annehmen.
Johann Wadephul, Bundesaußenminister
US-Außenminister Rubio hat Europa auf der Münchner Sicherheitskonferenz zur gemeinsamen Aufrüstung aufgefordert. "Wir wollen starke Verbündete, die sich selbst verteidigen können", so Rubio.
14.02.2026 | 1:47 minWadephul: Geschlossenheit hinterlässt Eindruck in den USA
Dass er ebenso wie Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) nach der Rede Rubios stehend klatschte, verteidigte Wadephul nachdrücklich. Er klatsche grundsätzlich aus Überzeugung, betonte er.
In der Rede Rubios seien Elemente drin gewesen, "die für uns wichtig sind". Er wolle sich "ganz bewusst nicht daran beteiligen, dass wir immer nur das Trennende sehen", sondern "die positiven Elemente aufnehmen", betonte Wadephul.
Die "klare europäische Geschlossenheit" etwa in der Grönland- und der Zollfrage hätte in Washington "Eindruck hinterlassen". Zwischen Europa und den USA gebe es "nach wie vor ein partnerschaftliches Verhältnis", in dem die Europäer "ganz selbstbewusst bereit sind", ihre Rolle zu definieren, indem sie mehr Verantwortung übernähmen.
Generalinspekteur der Bundeswehr warnt Europäer vor gegenseitiger Aufrechnung der Ukraine-Hilfe
Der Generalinspekteur der Bundeswehr, Carsten Breuer, hat an die Europäer appelliert, die von ihnen geleistete Hilfe für die Ukraine nicht gegenseitig aufzurechnen.
Es gehe nicht darum, dass man sich in Europa untereinander vergleiche, sondern darum, "die Ukraine mit dem zu unterstützen, was sie braucht, was notwendig ist, damit sie sich selbst und damit eben auch die Sicherheit in Europa gegen Russland verteidigen kann", sagte Breuer bei "maybrit illner".
Dazu müsse "jeder alles an Anstrengung mit hineinlegen", so Breuer. Ihm stehe es nicht zu, zu sagen, "es ist dort zu wenig oder es ist dort zu wenig". Der Ukraine müsse alles zur Verfügung gestellt werden. Das seien inzwischen auch finanzielle Mittel.
Die Verteidigungsindustrie in der Ukraine ist deutlich aufgewachsen und hat enorme Kapazitäten.
Carsten Breuer, Generalinspekteur der Bundeswehr
Auch da sei eine entsprechende Unterstützung angesagt und könne "auch zielführend sein", so Breuer.
EVP-Chef Weber mahnt Verlässlichkeit der USA an
Manfred Weber (CSU), Fraktions- und Parteivorsitzender der Europäischen Volkspartei (EVP), kritisierte, dass es den USA an Verlässlichkeit mangele. Beispielhaft führte er die in Aussicht gestellten Zölle, die Präsident Donald Trump aufgrund von Solidaritätsbekunden für Grönland und Dänemark ins Spiel brachte, an.
Dass die EU für die Ukraine 90 Milliarden Euro zur Verfügung stellen werde, wertete Weber als starkes Signal. Auch den Invest in nationale Armeen begrüßte der Europa-Politiker. Weiterhin forderte er, dass "die EU groß denken muss".
Europa braucht eine eigene und von den USA unabhängige Sicherheitsstrategie. Das sagte Bundeskanzler Merz bei seiner Eröffnungsrede auf der Münchner Sicherheitskonferenz.
13.02.2026 | 0:27 minGrünen-Politikerin Weisband übt scharfe Kritik an Trump und Putin
Florence Gaub, Politikwissenschaftlerin, Militärstrategin, Forschungsdirektorin der Nato-Militärakademie in Rom, gab zu bedenken, dass bereits Barack Obama von Europa gefordert hatte, mehr für die Verteidigung auszugeben.
Wir hatten immer das Gefühl, wir könnten das ignorieren, aber seit 2022 ist das anders.
Florence Gaub, Forschungsdirektorin der Nato-Militärakademie in Rom
Marina Weisband, Publizistin und Grünen-Politikerin erklärte:
Die USA haben einen massiven Shift vom Völkerrecht zum Recht des Stärkeren vollzogen.
Marina Weisband, Publizistin und Grünen-Politikerin
Sie hoffe, dass das, was Bundeskanzler Friedrich Merz bei der Münchner Sicherheitskonferenz gesagt habe, auch Folgen nach sich ziehe. Sie gab zu bedenken, dass Trump "korrupt sei bis ins Mark" und betonte, dass der russische Präsident Wladimir Putin nicht mit Panzern kommen werde, "da reicht Facebook" zur Meinungsmanipulation mit Bots.
Wie ist die Rede von US-Außenminister Marco Rubio einzuordnen? ZDF-Korrespondent Ulf Röller berichtet von der Münchner Sicherheitskonferenz.
14.02.2026 | 1:19 minJournalist Pleitgen: Neue Weltordnung – ohne die EU?
Frederik Pleitgen, Auslandskorrespondent beim US-Nachrichtensender CNN, fand, dass Rubio bei der Münchner Sicherheitskonferenz zwar Europa die Hand entgegengestreckt habe, aber nur unter der Prämisse, den USA auf ihrer Linie zu folgen. Er fügte hinzu, dass die USA tief gespalten seien, aber dennoch viele Demokraten und Republikaner das transatlantische Verhältnis sehr schätzten.
Bei der MAGA-Bewegung löst das eher Achselzucken und ein Amerika first aus.
Frederik Pleitgen, CNN-Auslandskorrespondent
Dennoch merkte er an, dass die alte Werteordnung nicht mehr existiere und daher die Frage im Raum stehe, ob neben China und Russland die EU dazu gehören oder weggetreten werde.
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