Was von der Münchner Sicherheitskonferenz bleibt

Analyse

In Europa "wurde der Schuss gehört":Was von der Münchner Sicherheitskonferenz bleibt

ZDF-Korrespondentin Jutta Sonnewald in Tel Aviv

von Jutta Sonnewald

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Die Ukraine war ein großes Thema auf der Sicherheitskonferenz. Doch geprägt wurde sie vom angespannten transatlantischen Verhältnis und der Frage: Wie kann sich Europa behaupten?

Limousinen stehen vor dem Hotel Bayrischer Hof in dem die Münchner Sicherheitskonferenz statt findet bereit.

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas bezeichnete die US-Kritik an der EU als "unangemessen". Die Münchner Sicherheitskonferenz endete an diesem Sonntag.

15.02.2026 | 2:04 min

Über 1.000 Gäste aus mehr als 115 Ländern haben drei Tage lang auf der Hauptbühne des Münchener Hotels Bayerischer Hof und bei vertraulichen Gesprächen in Hinterzimmern über die aktuellen Kriege und Krisen in der Welt debattiert und ihre teils strapazierten Beziehungen zueinander ausgelotet.

"Under Destruction" lautete das Motto des weltweit führenden Forums zur internationalen Sicherheitspolitik, welches der Bundeskanzler in seiner Grundsatzrede mit schonungslosem und selbstbewusstem Ton gleich zur Eröffnung aufgriff.

Merz: Unser Freiheit ist "nicht mehr einfach so gegeben"

Friedrich Merz sprach von einer "Kluft" zwischen Europa und den USA. Er hielt der US-Regierung eine Abkehr von ihren eigenen Werten vor und beschwor kämpferisch die europäischen Staaten sich aus ihrer "selbstverschuldeten Abhängigkeit" von den USA zu befreien.

"In der Ära der Großmächte ist unsere Freiheit nicht mehr einfach so gegeben. Sie ist gefährdet", warnte Merz in seiner Rede. "Es wird Festigkeit und Willenskraft brauchen, um diese Freiheit zu behaupten. Das wird uns die Bereitschaft zu Aufbruch, Veränderung und, ja, auch zu Opfern abverlangen, und zwar nicht eines Tages, sondern jetzt."

Ein Bild von Merz vor einem Bild von Sicherheitspersonal bei der Münchner Sicherheitskonferenz im Bayerischen Hof

Bundeskanzler Merz bei der Sicherheitskonferenz in München - die Rede und Analyse bei ZDFheute live.

13.02.2026 | 69:30 min

Rubios Botschaft ist unmissverständlich und hart

Diesen Faden griff US-Außenminister Marco Rubio am zweiten Tag der Konferenz auf, als er Europa dazu aufrief, souveräner zu werden und die eigene Verteidigungsfähigkeit aufzubauen. Seine mit Spannung erwartete Rede vor den in München versammelten Spitzen aus Politik, Militär und Wirtschaft war freundlicher und respektvoller als der Frontalangriff des US-Vizepräsidenten J.D. Vance auf die Europäer vor einem Jahr.

Rubio betonte zudem mehrfach den Zusammenhalt zwischen den USA und Europa, doch seine Botschaft war unmissverständlich und in der Sache hart: Die USA wollen zwar gemeinsam den Weg mit ihren europäischen Verbündeten gehen, doch Ton und Takt geben die Amerikaner vor.

Sicherheitsexperte Prof. Tobias Bunde auf der Münchner Sicherheitskonferenz

Während die Europäer "den Westen" als Gemeinschaft liberaler Demokratien verstehen, habe US-Außenminister Rubio eher eine gemeinsame Kultur betont, sagt Sicherheitsexperte Tobias Bunde.

15.02.2026 | 14:17 min

Der US-Chefdiplomat warnte Europa vor unkontrollierter Massenmigration, tat die aktuelle Klimapolitik verächtlich als "Klima-Kult" ab und kritisierte die aus seiner Sicht "dogmatische Vision" des Freihandels, die zur Deindustrialisierung in der westlichen Welt geführt habe. Zur Ukraine - einem der zentralen Themen dieser Konferenz - verlor der US-Außenminister dagegen kein Wort.

Pistorius: Trump-Regierung schadet der Nato

Marco Rubio erntete dennoch stehenden Applaus für seine Rede, die versöhnlicher ausfiel als befürchtet. Bundesaußenminister Johann Wadephul lobte die "Let’s do it again"-Botschaft seines Amtskollegen - ein Aufruf zur Erneuerung der transatlantischen Partnerschaft.

EU-Korrespondent Ulf Röller bei der Münchner Sicherheitskonferenz

Man könne nicht immer nur von Zusammenarbeit reden, aber dann national in Egoismen verfallen, analysiert ZDF-Korrespondent Ulf Röller bei ZDFheute live.

15.02.2026 | 6:49 min

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius dagegen warf der Trump-Regierung vor, der Nato zu schaden. Dabei bezog er sich auf die territorialen Ansprüche auf Grönland und die US-Verhandlungstaktik über einen Frieden in der Ukraine.

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas kritisierte, dass US-Politiker ständig die Europäische Union kritisieren würden. "EU-Bashing" sei derzeit "gerade sehr in Mode", so Kallas am dritten und letzten Tag der Konferenz. Dabei stehe Europa in der Welt "hoch im Kurs" in Sachen Verteidigung, Menschenrechte und Wohlstand. Kallas beklagte, dass die EU bei den Ukraine-Verhandlungen nicht mit am Tisch sitze.

EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas bei der Sicherheitskonferenz in München.

Wie positioniert sich die EU zu den Forderungen der USA? Die Rede der EU-Außenbeauftragten und Analysen bei ZDFheute live.

15.02.2026 | 39:34 min

Selenskyj-Appell für ein geschlossenes Europa

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj nutzte die Bühne in München, um den westlichen Ländern für ihre Unterstützung zu danken, und bat eindringlich um mehr Raketen für die Luftverteidigung. Mit Schaubildern, Grafiken und Videos machte Selenskyj deutlich, wie sehr sein Volk leidet unter den pausenlosen Angriffen Russlands, den Stromausfällen, der Kälte und dem Sterben.

Präsident Selenskyj vor einem Banner der Münchner Sicherheitskonferenz.

Der ukrainische Präsident Selenskyj auf der Münchner Sicherheitskonferenz - seine Rede und Analysen bei ZDFheute live.

14.02.2026 | 88:54 min

Er appellierte an Europas Geschlossenheit und warnte, dass Wladimir Putin, der kein Interesse an einem Frieden habe, die Europäer spalten wolle:

Unsere Einheit ist das, was uns schützt.

Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine

US-Außenminister Marco Rubio ist inzwischen weiter gereist in die Slowakei und nach Ungarn, beides Putin- und Trump-Verbündete mit autokratischen Tendenzen. Das zeigt: Der Trumpismus bleibt eine Gefahr für das Europa des Liberalismus.

Ischinger: Schuss wurde gehört in Europa

Wolfgang Ischinger, der Leiter der Sicherheitskonferenz, findet dennoch, dass Rubio in München eine neue Basis geschaffen habe für neue Gespräche zwischen den USA und Europa. Gegenüber ZDFheute sagte er:

"Ich glaube in der Tat, dass der Schuss gehört wurde, dass man in Europa, nicht nur in der EU, sondern bei den Partnern in London, Ankara und so weiter erkannt hat, dass, wenn wir uns jetzt nicht zusammenrappeln, dann werden wir in dieser machtpolitischen Konfiguration uns immer weniger durchsetzen können."

Seine Bilanz: Die Konferenz war ein Erfolg, jetzt müssten nur noch die passenden Rezepte und ein Aktionsplan folgen.

Über die Münchner Sicherheitskonferenz berichteten mehrere Sendungen, etwa ZDFheute live am 15.02.2026 ab 09:00 Uhr.

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  4.  Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, spricht bei der 62. Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) am 14.02.2026 in München.

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