Merz-Rede zur Krise mit den USA:Es reicht - aber nicht für den Bruch
von Andreas Kynast
In einer Grundsatzrede beendet Kanzler Merz den Versuch, Trumps Amerika durch Schmeichelei zu beeinflussen. Aber Abschreiben kann und will er die USA nicht.
Drei Tage lang liegt die Aufmerksamkeit auf der Münchner Sicherheitskonferenz. Bundeskanzler Merz fand bei seiner Eröffnungsrede mahnende Worte.
13.02.2026 | 2:17 minEs ist noch keinen Monat her, da stand der deutsche Außenminister in Washington vor einem Wald aus Mikrofonen und hatte nicht nur "keinen Zweifel", sondern "überhaupt keinen Zweifel".
Johann Wadephul war gerade aus einem Treffen mit seinem Kollegen Marco Rubio gekommen und brachte eine Kunst zur Vollendung, in der sich die Bundesregierung ein Jahr lang geübt hat: Schönfärberei.
Die USA? Voll und ganz an der Seite Europas. Die Regierung von Donald Trump? Voll und ganz darauf gerichtet, Recht und Freiheit in der westlichen Welt zu verteidigen. Zweifel? Nicht nur keine, sondern "überhaupt keine Zweifel".
Bei der Sicherheitskonferenz mahnte Kanzler Merz, dass Europa unabhängiger von den USA werden muss. Inwiefern die EU das bereits schafft, analysiert ZDF-Korrespondent Ulf Röller.
13.02.2026 | 1:12 minMerz sieht tiefen Graben zu den USA
Man muss davon ausgehen, dass Wadephuls schon fast verzweifeltes Vortäuschen von Normalität mit Friedrich Merz abgesprochen war. Und man muss davon ausgehen, dass ab sofort nicht nur der Außenminister, sondern alle Mitglieder der Bundesregierung endlich die Wahrheit über den "tiefen Graben" sagen, der sich laut Merz zwischen Europa und den USA aufgetan hat.
Merz steht im Festsaal des Hotels Bayerischer Hof, jeder Platz ist belegt, die Münchner Sicherheitskonferenz beginnt. Der Kanzler hält seine Rede auf Deutsch, aber damit ihn die US-Regierung auch ganz sicher versteht, wiederholt er die wichtigste Passage auf Englisch. "Liebe Freunde", sagt Merz, "der Nato anzugehören, ist nicht nur für Europa ein Wettbewerbsvorteil, sondern auch für die USA".
Selbst Sie stoßen an die Grenzen der eigenen Macht, wenn Sie etwa im Alleingang unterwegs sind.
Friedrich Merz, Bundeskanzler
Mit Blick auf China fügt Merz hinzu: "Der Führungsanspruch der USA ist angefochten, vielleicht schon verspielt."
Gelassen bei seiner Ankunft, deutlich in seiner Rede: Friedrich Merz bei der Münchner Sicherheitskonferenz.
Quelle: ddpApplaus für Kritik an US-Regierung
Der Kanzler ist freundlicher, als es US-Vizepräsident Vance war, der vor genau einem Jahr am selben Rednerpult seine Serie von Ohrfeigen verteilt hatte. Aber was er sich gemeinsam mit seinen Beratern zurechtgelegt hat, ist als Antwort zu verstehen. Als Merz sagt: "Der Kulturkampf der MAGA-Bewegung ist nicht unserer", gibt es zum ersten Mal Szenenapplaus. Und gleich ein zweites Mal, als er sagt: "Wir glauben nicht an Zölle und Protektionismus, sondern an freien Handel."
Im Publikum sitzen die Minister Wadephul, Pistorius und Klingbeil und nicken. Jedem ist klar: So wie es war, geht es nicht weiter.
Eine Welt, in der nur Macht zählt, wäre ein finsterer Ort.
Friedrich Merz, Bundeskanzler
Aber schon ein paar Redeminuten später, als Merz bestätigt, mit Frankreichs Präsident Macron über eine europäische Zusammenarbeit bei der nuklearen Abschreckung der Nato gesprochen zu haben, müssen seine Koalitionspartner ein Pokerface aufsetzen. Die SPD will den US-Nuklearschirm nicht in Frage stellen - auch nicht durch das Reden über andere, theoretische Möglichkeiten.
"Es kommt auf Deutschland an", sagt Militärexperte Mölling betont auf der Münchner Sicherheitskonferenz.
13.02.2026 | 8:06 minAbhängigkeiten sollen verringert werden
Zum Bruch mit den USA will es auch Merz nicht kommen lassen. Aber wenn die Partnerschaft eine Zukunft haben soll, dann müsse sie neu begründet werden.
Wir müssen diesseits und jenseits des Atlantiks zu dem Schluss kommen: Zusammen sind wir stärker.
Friedrich Merz, Bundeskanzler
Um die Abhängigkeit von den USA, aber auch von China zu verringern, kündigt Merz an, neue Partnerschaften zu suchen. Eine "Schlüsselrolle" sollen Kanada, Japan, die Türkei, Indien und Brasilien spielen. Auch mit Südafrika, die Golfstaaten "und anderen" wolle Deutschland enger zusammenrücken.
Ein "tiefer Graben" zwischen Europa und USA zeigt sich auf der Münchner Sicherheitskonferenz, sagt ZDF-Korrespondent Ulf Röller.
13.02.2026 | 0:58 minLob von demokratischem Gouverneur
Und was antworten die USA? Kommt drauf an, welche. Für das Trump-kritische Amerika lobt Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom die Rede. Sie habe ihn gefreut und "im Ton sehr beeindruckt", sagt Newsom dem ZDF.
Von der anderen Seite, der Regierung, ist noch keine Reaktion bekannt. Aus einem Treffen zwischen Merz und Rubio am Nachmittag dringen nur die behandelten Themen nach außen (Ukraine, Naher Osten, China), aber keine Details. Die Münchner Sicherheitskonferenz wird noch eine Nacht warten müssen. Auf Punkt eins der Tagesordnung am Samstag: "Festsaal, Hauptbühne, 9.00 Uhr: Rede von US-Außenminister Marco Rubio".
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