Ukraine-Präsident bei "Illner":Selenskyj: Deutschland macht mehr als alle anderen
von Torben Schröder
Der ukrainische Präsident Selenskyj betont die enge Verbindung zu Deutschland, lässt wiederholt Distanz zu den USA erkennen - und nennt den Bundeskanzler "Friedrich".
Sehen Sie hier die Sendung "maybrit illner" vom 16. April 2026 in voller Länge.
16.04.2026 | 59:35 minNicht "der Bundeskanzler" oder "Herr Merz" sagt Wolodymyr Selenskyj immer wieder, sondern "Friedrich". Der Präsident der Ukraine betont in der ZDF-Sendung "maybrit illner" die enge Partnerschaft zu Deutschland, zum Regierungschef. Deutschland sei "der größte strategische Partner in Europa" für die Ukraine, sagt Selenskyj.
Um ehrlich zu sein, macht Deutschland tatsächlich mehr als alle anderen.
Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine
Die Bundesrepublik helfe, wie der Präsident auf Illners Nachfrage bekennt, auch mehr als die USA. Hoffnung hat Selenskyj, dass der 90-Milliarden-Euro-Kredit der EU für die Ukraine nun, nach dem anstehenden Regierungswechsel in Ungarn, ausgezahlt wird: "Jetzt haben wir mehr Chancen, das alles zu entsperren."
Deutschland und die Ukraine haben eine noch strategischere Partnerschaft vereinbart. Merz drängt zudem auf die Freigabe des von Ungarn bislang blockierten 90-Milliarden-Kredits.
14.04.2026 | 2:59 minKrieg in Nahost bereitet Sorge
Sorgen bereitet dem Präsidenten die Auseinandersetzung im Nahen Osten: "Wenn der Krieg länger andauert, wird es weniger Waffen für die Ukraine geben. Das ist kritisch, vor allem in der Luftverteidigung." Die Ukraine helfe den von Iran attackierten Golfstaaten, sich zu verteidigen. Es sei kein Krieg nur von Iran, den USA und Israel. "Das ist die Frage aller."
Selenskyj sieht eine Verbindung zur Lage in der Ukraine: "Die Russen haben ganz sicher die Amerikaner angesprochen und darum gebeten, dass sie uns nicht helfen. Dann werden sie im Gegenzug den Iranern nicht helfen, soweit ich weiß."
Ob US-Präsident Donald Trump an Selenskyjs Seite sei, will Illner wissen. "Ich habe das Gefühl, er hat schon von Anfang an gesagt, er bleibt in der Mitte." Trump sende jedoch positivere Signale an Russland als an die Ukraine. Der Fokus der USA liege im Nahen Osten.
Für die Ukraine ist es wichtig, in der EU Mitglied zu sein.
Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine
Hinsichtlich der "Vermittlungsbemühungen der Amerikaner" und der Verhandlungen zwischen Russland und Ukraine sehe man „seit über einem Jahr" keinen Unterschied, so ZDF-Reporterin Alica Jung zum Iran-Krieg.
13.04.2026 | 2:54 min"Wir wünschen uns das sehr. Die Möglichkeit, der Nato beizutreten, ist geringer." Hier stünden vor allem, aber nicht nur die USA im Weg. Ein Zusammenwirken Deutschlands und der Ukraine kündigt der Präsident hinsichtlich der 1,3 Millionen Ukrainer hierzulande, die er gern wieder in der Ukraine begrüßen würde, an: "Die Migrationsdienste beider Länder sollen daran arbeiten. Die Ukraine wird das alleine nicht lösen. Das ist zu schwer."
Frank Sauer: "In Washington ist nichts mehr zu holen"
Als der Krieg vor vier Jahren begonnen hat, hätte die politische Klasse das Thema behandelt wie eine Benefiz-Aktion, sagt Wolfgang Ischinger, Vorsitzender der Münchner Sicherheitskonferenz. Es habe mindestens drei Jahre gedauert, bis begriffen worden sei, dass es um die Selbstbehauptung Europas gehe. Die Ukraine hänge nicht am Tropf Deutschlands.
Wir mit unserer relativ kleinen militärischen Fähigkeit machen eine Partnerschaft mit der mit Abstand kampferprobtesten, modernsten und leistungsfähigsten Armee Europas.
Wolfgang Ischinger, Vorsitzender der Münchner Sicherheitskonferenz
In der Nacht hat Russland die Ukraine erneut mit massiven Angriffen überzogen. Die Ukraine meldet mehr als 360 Drohnen und über 20 Raketen.
16.04.2026 | 1:41 minIn dieser Partnerschaft würden beide Seiten laut der deutsch-ukrainischen Publizistin Marina Weisband (Grüne) anerkennen, dass sie voneinander abhängig sind.
Beide Länder seien hoffentlich Kräfte, die für eine internationale Friedensordnung kämpfen, und auch wirtschaftlich miteinander verbunden. Im Bereich Digitales, Verteidigung und Cybersicherheit entwickele sich die Ukraine schnell. Davon könne Europa profitieren.
Politikwissenschaftler: Ukraine wird Sicherheits-Exporteur
"Es ist in unserem genuinen Interesse, uns mit der Ukraine auszutauschen, von der Ukraine zu lernen", sagt der Politikwissenschaftler Frank Sauer. Weil die Ukraine sich vom Sicherheits-Importeur mehr und mehr zum -Exporteur entwickle, sei eine engere Partnerschaft naheliegend. Das Land sei inzwischen in der Lage, "neue Waffensysteme aus dem Nichts zu schaffen".
Die Interessen sind nicht deckungsgleich, aber es gibt eine große Interessenkongruenz.
Frank Sauer, Politikwissenschaftler
Und blickt Richtung USA: "Wer es nach Grönland noch nicht verstanden hat, sollte es jetzt nach Iran verstanden haben. Wir müssen uns um uns selber kümmern. In Washington ist nichts mehr zu holen."
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