Ukraine-Krieg:Drohnenkampagne schwächt russische Logistik
von Christian Mölling und András Rácz
Russland macht die Ukraine für den Zwischenfall im Kernkraftwerk Saporischschja verantwortlich. Unterdessen behindern ukrainische Drohnenangriffe russische Nachschubwege.
Soldaten des ukrainischen Verteidigungsministeriums stellen an einem ungenannten Ort in der Ukraine Drohnen gegen Russland auf. (28.05.2026)
Quelle: dpaAm 31. Mai teilte Russland der Internationalen Atomenergie-Behörde (IAEO) mit, dass eine angeblich ukrainische Drohne eines der Turbinengebäude des Kernkraftwerks Saporischschja getroffen habe. Nach Angaben Russlands handele es sich um eine faseroptisch gesteuerte Drohne, sodass ein versehentlicher Treffer ausgeschlossen sei.
Die IAEO, deren Spezialisten im Kernkraftwerk waren, bestätigte am 1. Juni, dass die Schäden am Gebäude mit den Folgen eines Drohnenangriffs übereinstimmen, machte jedoch keine Zuordnung. Gleichzeitig erklärte die Behörde, dass die Strahlenwerte normal geblieben seien.
Nach einem möglichen Drohneneinschlag fordert die Internationale Atomenergiebehörde Zugang zum russisch besetzten AKW Saporischschja. Russland macht die Ukraine für den Vorfall verantwortlich.
31.05.2026 | 0:21 minMöglicher Hintergrund: Nukleare Erpressung
Es erscheint wenig wahrscheinlich, dass die Ukraine die Integrität einer Nuklearanlage gefährden würde, da möglicher radioaktiver Niederschlag Gebiete verseuchen würde, die von Ukrainern bewohnt werden.
Ein Angriff, der der Ukraine angelastet wird, würde hingegen gut zu Russlands verstärkter Strategie der nuklearen Erpressung passen, die weitgehend im Einklang mit den beiden im Mai abgehaltenen Nuklearübungen steht.
... ist Senior Advisor beim European Policy Centre. Er forscht und publiziert seit über 20 Jahren zu den Themenkomplexen Sicherheit und Verteidigung, Rüstung und Technologie, Stabilisierung und Krisenmanagement. Für ZDFheute analysiert er regelmäßig die militärischen Entwicklungen im Ukraine-Konflikt.
... ist Associate Fellow im Programm Sicherheit und Verteidigung der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) in Berlin. Er forscht und publiziert zu Streitkräften in Osteuropa und Russland und hybrider Kriegsführung.
Ukraine setzt russischer Logistik an der Südfront stark zu
Im Laufe der Woche hielt sich die Ukraine sowohl mit ihren Mittel- als auch mit ihren Langstrecken-Drohnenangriffen gegen Russland zurück. Ukrainische Mittelstrecken-Drohnen sind bereits in der Lage, die gesamten besetzten Regionen Cherson und Saporischschja zu erreichen.
Vor den Toren Moskaus inszeniert Russland ein neues Sicherheitsforum als Gegenentwurf zu westlichen Formaten. Gleichzeitig verschärfen Atommanöver und ukrainische Drohnenschläge die Lage weiter.
27.05.2026 | 6:10 minDie Angriffe konzentrieren sich zunehmend auf die Autobahn Donezk-Mariupol-Krim, wo russische Militärlogistik ins Visier genommen wird. Bis zum 31. Mai konnten bereits mehr als hundert Treffer auf Militärtransportfahrzeuge und Tanklastwagen visuell bestätigt werden.
Immer stärkere Versorgungsprobleme in besetzten Regionen
Russland verfügt offenbar weder über Luftabwehr noch über Abfangdrohnen, um diese Angriffe abzuwehren. Dies führt sowohl in den besetzten Regionen als auch auf der Krim zu immer gravierenderen Versorgungsproblemen.
Die Krim-Halbinsel leidet unter Treibstoffknappheit, die nicht nur durch die ukrainischen Treffer verursacht wird, sondern auch dadurch, dass die Ukraine zuvor erfolgreich die Eisenbahnfähren angegriffen hat, mit denen Russland Tankwagen auf die Halbinsel transportierte. Ende Mai wurden auf der Krim Treibstoffmarken eingeführt, Einzelpersonen konnten nur sehr geringe Mengen an Treibstoff kaufen, nämlich 20 Liter pro Person.
Russland hat die Ukraine vergangene Nacht erneut mit schweren Angriffen überzogen. Neben Drohnen und Raketen kamen dabei auch Hyperschall-Waffen zum Einsatz.
02.06.2026 | 1:10 minAn der Front bei Saporischschja rückten die ukrainischen Streitkräfte weiter in Richtung Stepove vor - das bestätigen auch russische Militärblogger. Beide Seiten führen die Vorstöße auf die Versorgungsprobleme der russischen Truppen zurück, die durch ukrainische Drohnenangriffe mit mittlerer Reichweite verursacht wurden.
Russische Erfolge an der Ostfront
Unterdessen rückten russische Streitkräfte in und um Kostiantynivka vor. Es gelang ihnen, von Südwesten her, aus Richtung Berestok und Illinivka, tiefer in die Stadt vorzudringen.
Weiter südlich, nahe der Grenze zu den Regionen Donezk und Dnipropetrowsk, gelang den russischen Streitkräften ein taktischer Durchbruch, und sie eroberten die zerstörten Dörfer Tolstoi, Novokhatske und den größten Teil von Zelenyi Hai.
Russland hat die Ukraine vergangene Nacht erneut mit schweren Angriffen überzogen. Dabei kamen neben Drohnen und Raketen auch Hyperschall-Waffen zum Einsatz.
02.06.2026 | 1:23 minUkraine zerstört russische Aufklärungsflugzeuge
Im Laufe der Woche trafen ukrainische Langstrecken-Drohnen mehrere russische Ölanlagen, darunter das Ölterminal Tuapse am Schwarzen Meer.
In der Nacht vom 29. auf den 30. Mai wurde ein bemerkenswerter Angriff auf den Militärflughafen Taganrog durchgeführt, bei dem zwei seltene russische Tupolev Tu-142-Marinepatrouillenflugzeuge (eine Umrüstung der Tu-95-Bomber) zerstört wurden.
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