Krieg in der Ukraine:Wie die Ukraine Putin auf der Krim unter Druck setzt
von Sebastian Ehm
Die Lage auf der Halbinsel wird immer prekärer. Immer wieder gibt es Stromausfälle, das Benzin ist schon seit Längerem knapp. Kiew verfolgt damit ein Ziel.
Ukrainische Angriffe auf Treibstofflager und Nachschubwege verschärfen die Versorgungslage auf der von Russland kontrollierten Krim. Es herrscht Mangel an Benzin, Diesel und Strom.
17.07.2026 | 1:35 minIrina Djomina ist Hausmeisterin in der Stadt Kertsch und sie hat Angst. Angst vor den Angriffen ukrainischer Drohnen, die in den vergangenen Tagen immer zahlreicher wurden. Deswegen hat Irina den Keller umgebaut, um den Bewohnern des von ihr verwalteten Miethauses so etwas wie einen Luftschutzbunker bieten zu können. "Wir haben den ganzen Müll aus den Räumen entfernt, jetzt kann man sich dort wieder aufhalten", sagt sie und deutet auf einen kleinen muffigen Kellerraum. "Man kann sogar seine eigenen Stühle mitnehmen."
Straße von Kertsch: Wichtige Wasserstraße für Russland
Die Stadt Kertsch liegt auf der 2014 völkerrechtswidrig von Russland annektierten Halbinsel Krim und an einer Meerenge, der sogenannten Straße von Kertsch. Diese Meerenge verbindet das Asowsche mit dem Schwarzen Meer und ist eine der wichtigsten Wasserstraßen für die russische Wirtschaft.
Doch die Ukraine hat Kertsch ins Visier genommen. Immer wieder gibt es Angriffe, vor allem auf die Luftverteidigung und das Stromnetz. Die Bevölkerung ist verunsichert. Sergej berichtet, dass der Strom mehrmals am Tag ausfalle, oft habe er weder zuhause noch auf der Arbeit Strom. Mühsam sei das.
Der Streit um die Ablösung des ukrainischen Verteidigungsministers Mychajlo Fedorow sei auch ein Kampf der Jungen gegen die Alten, sagt ZDF-Reporterin Anne Brühl.
16.07.2026 | 1:42 minUkraine greift Tanker an
Seit knapp einem Monat haben die meisten Tankstellen auf der Krim geschlossen. Der Verkauf von Benzin an Privatpersonen wurde größtenteils eingestellt. Der Schwarzmarkt floriert.
Eigentlich sollten extra dafür abgestellte Tanker auf dem Asowschen Meer die Treibstoffknappheit auf der Halbinsel beheben, doch die Ukraine vermeldet, über 140 von ihnen attackiert und beschädigt zu haben. Es scheint, als habe Russland die Lufthoheit über dem Asowschen Meer verloren, was eine schlechte Nachricht für die russische Wirtschaft und das Militär wäre.
Der ukrainische Präsident wolle "eine Art Runderneuerung", so ZDF-Reporterin Anne Brühl. Die "Personalie Fedorow" habe Selenskyj dabei unterschätzt.
16.07.2026 | 6:53 minPutin weiter siegessicher
Kreml-Chef Wladimir Putin gibt sich zwar weiterhin siegesgewiss. Russische Truppen würden auf ganzer Front vorrücken und die Angriffe der Ukraine seien nur kurzfristig ein Problem. Sowieso sei Hilfe für die Krim unterwegs:
Wir arbeiten daran, eine Lieferkette zu schaffen, die für den Feind nur schwer zu erreichen wäre.
Wladimir Putin, Russlands Präsident
Doch wie Putin das bei der derzeit überlegenen ukrainischen Drohnenkriegsführung gelingen will, bleibt vollkommen unklar. Seit Wochen bereitet die Ukraine Moskau mit den Angriffen auf die Öl- und Treibstoffinfrastruktur große Probleme.
Die Krim habe für Putin nicht nur einen strategischen, sondern auch einen politischen Wert, betont Militärexperte Gressel. Eine Gefährdung der Halbinsel setze Putin unter Zugzwang.
25.06.2026 | 37:46 minTreibstoff-Lieferungen riskant
Die Achillesferse für die Versorgung der Krim ist die Brücke von Kertsch. Gebaut von Putin und Symbol seiner völkerrechtswidrigen Annexion. Bereits dreimal hat die Ukraine die einzige Brücke in der Straße von Kertsch schon attackiert und schwer beschädigt.
Treibstoff-Lieferungen mit dem Zug oder mit Tanklastern über die Brücke sind extrem riskant. Ein Drohneneinschlag würde großen Schaden anrichten. Dass die Ukraine die Krim immer mehr ins Visier nimmt, hat einen Grund.
Kiews Angriffe auf die von Russland besetzte Krim seien auch im Alltag der Russen spürbar, meint ZDF-Reporter Carsten Thurau. In der Ukraine fürchte man russische Gegenangriffe.
25.06.2026 | 4:02 minKiew greift systematisch an
Die Krim ist für die Versorgung der südlichen Front für die russische Armee extrem wichtig. Manch schwere Rüstungsgüter wie Artillerie-Granaten oder Panzer können nur per Eisenbahn schnell in die Oblaste Cherson und Saporischschja transportiert werden.
Da es keine Ost-West-Verbindung von Mariupol aus gibt, sind die russischen Streitkräfte auf die Versorgung über die Krim angewiesen, wo sich viele Militärstützpunkte befinden. Das heißt: Fällt die Krim aus, hätte die südliche Front ein Problem. Weil Kiew die russische Luftverteidigung rund um Kertsch derzeit systematisch ausschaltet, rechnen viele mit einem weiteren schweren Angriff auf die Brücke. Es wäre ein schwerer Schlag für Moskaus Streitkräfte und Wladimir Putin persönlich.
Sebastian Ehm berichtet als Reporter über Russland, den Kaukasus und Zentralasien.
Aktuelle Meldungen zu Russlands Angriff auf die Ukraine finden Sie jederzeit in unserem Liveblog: