Ukraine blockiert Asowsches Meer:Russisches Besatzungsregime auf der Krim unter Druck
von Christian Mölling und András Rácz
Die Ukraine greift russische Tanker im Asowschen Meer an. Mehr als hundert Schiffe wurden getroffen - ein massives Problem für die Versorgung der Moskauer Besatzer auf der Krim.
Die Ukraine greift seit Wochen die Energie-Infrastruktur der Krim an. Die Behörden auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim haben den Ausnahmezustand ausgerufen.
26.06.2026 | 0:29 minDie Ukraine führt bereits seit zwei Wochen konzentrierte Drohnenangriffe gegen die russische Schifffahrt im Asowschen Meer durch. Sowohl Luft- als auch Seedrohnen greifen vor allem Tanker an, die entweder im Asowschen Meer fahren oder die Kertsch-Meerenge durchqueren.
Nach Angaben des Kommandanten der ukrainischen Unmanned Forces, Robert "Magyar" Brovdi, wurden in den letzten zwei Wochen mehr als 110 mal Schiffe und Boote getroffen. Bei den meisten der angegriffenen Schiffe handelt es sich um kleine und mittelgroße Öltanker, die eine Schlüsselrolle bei der Versorgung der besetzten Halbinsel Krim spielen.
Ukraine-Strategie: Tanker beschädigen statt versenken
Schiffsverfolgungsdaten zufolge ist der Frachtverkehr im Asowschen Meer vollständig zum Erliegen gekommen und auch in der Straße von Kertsch praktisch auf null gesunken. Diese Daten bestätigen die Ankündigung Russlands von letzter Woche, den Seeverkehr im Asowschen Meer einzustellen.
... ist Senior Advisor beim European Policy Centre. Er forscht und publiziert seit über 20 Jahren zu den Themenkomplexen Sicherheit und Verteidigung, Rüstung und Technologie, Stabilisierung und Krisenmanagement. Für ZDFheute analysiert er regelmäßig die militärischen Entwicklungen im Ukraine-Konflikt.
... ist Associate Fellow im Programm Sicherheit und Verteidigung der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) in Berlin. Er forscht und publiziert zu Streitkräften in Osteuropa und Russland und hybrider Kriegsführung.
Ein interessantes Detail ist, dass die Ukraine offenbar nicht in erster Linie darauf abzielt, diese Tanker zu versenken, sondern sie vielmehr zu beschädigen. Drohnenangriffe aus der Luft treffen in der Regel entweder die Brücke oder die Rohrleitungssysteme auf dem Deck der Tanker, während keine Treffer an der Wasserlinie oder groß angelegte, wiederholte Angriffe auf beschädigte Tanker beobachtet werden konnten.
Ebenso treffen Angriffe durch Meeresdrohnen meist die Steuerung der Schiffe, doch auch hier sind keine wiederholten Angriffe zu beobachten.
Nach ukrainischen Attacken sind in Russland Benzin und Diesel knapp. Putin räumt Probleme ein. ZDFheute live analysiert.
29.06.2026 | 26:03 minKiew will offenbar Auslaufen von Öl vermeiden
Der wichtigste Gesichtspunkt ist wahrscheinlich ökologischer Natur: Das Versenken eines voll beladenen Tankers - geschweige denn Dutzender davon - würde eine große Umweltkatastrophe für das Ökosystem des Asowschen Meeres verursachen, was die Ukraine vermeiden will.
Daher beabsichtigt Kiew offenbar, diese Schiffe zu beschädigen und außer Gefecht zu setzen, um so die Treibstoffversorgung der Krim zu behindern - ohne die Tanker jedoch tatsächlich zu versenken.
Die Krim habe für Putin nicht nur einen strategischen, sondern auch einen politischen Wert, betont Militärexperte Gressel.
25.06.2026 | 37:46 minRusslands Küstenflugabwehr machtlos gegen Drohnen
Die russische Flugabwehr ist offensichtlich nicht in der Lage, dieser Herausforderung Herr zu werden. Küstenflugabwehrsysteme sind gegenüber konzentrierten Drohnenangriffen seit langem unterlegen, während der Einsatz von Luftabwehrsystemen auf dem Deck von Frachtschiffen ein kompliziertes und potenziell gefährliches Unterfangen ist.
Daher wurde beobachtet, dass die Besatzungen der Tanker als Notlösung hastig Anti-Drohnen-Käfige und -Netze an verwundbaren Stellen ihrer Schiffe, insbesondere an den Kommandobrücken, anbringen.
"Der Fliegerabwehrschutz der Russen wird dünner", so Militärexperte Gustav Gressel. Dadurch öffneten sich neue Möglichkeiten für die Ukraine.
15.05.2026 | 5:18 minVersorgung russischer Krim-Besatzer immer schwieriger
Die Störung des Öltankerverkehrs verschärft die ohnehin schon gravierenden logistischen Schwierigkeiten auf der Krim-Halbinsel sowie in den besetzten Regionen Cherson und teilweise auch Saporischschja. Der Schienenverkehr ist aufgrund konzentrierter Angriffe auf Brücken bereits seit Wochen stark beeinträchtigt.
Solche Angriffe haben in Verbindung mit gezielten Angriffen auf Tanklastzüge auch die Kraftstofflieferungen auf der Straße lahmgelegt. Und zu all dem kommen nun auch noch jene Schiffe hinzu, die große Mengen an Kraftstoff zur lokalen Verteilung auf die Krim liefern.
Die Ukraine hat erneut eine Ölraffinerie in der russischen Region Samara angegriffen, so das ukrainische Militär.
12.07.2026 | 0:24 minDiese Angriffe bedeuten nicht, dass die Kraftstoffversorgung vollständig unterbrochen würde - zumindest noch nicht. Allerdings kommt es auf der gesamten Krim-Halbinsel zu gravierenden Engpässen, die die Tourismussaison erheblich beeinträchtigen und damit der lokalen Wirtschaft schweren Schaden zufügen.
Auch die Kriegsführung wird zunehmend beeinträchtigt: Während groß angelegte, mechanisierte Angriffe aufgrund der hohen Dichte an ukrainischen Drohnen schon lange verlustreich sind, beklagen russische Einheiten immer wieder, dass sie nicht genügend Treibstoff für die Generatoren erhalten und daher ihre eigenen Drohnen nicht aufladen können.
Die Menschen auf der Krim spüren die Auswirkungen ukrainischer Drohnen-Attacken. Der russisch annektierten Halbinsel fehlt es an Strom und Benzin.
24.06.2026 | 2:36 minHerbstnebel könnte Lage der Krim-Besatzer verbessern
Aufgrund der isolierten Lage der Halbinsel, auf der sich alle logistischen Routen in Reichweite der unbemannten Systeme der Ukraine befinden, ist unklar, ob - und wenn ja, wie - Russland in der Lage sein wird, die Krise vor dem Spätherbst zu lösen.
Dann, mit dem Einzug dichter Herbstnebel und schlechten Wetters, wird die Effizienz von Drohnenangriffen drastisch sinken. Doch die bis dahin verbleibenden drei bis vier Monate werden für die Bevölkerung der Krim höchstwahrscheinlich ziemlich schwer zu ertragen sein.
Zudem kündigte Brovdi an, dass er beabsichtige, die Drohnenangriffe auf den Frachtverkehr auch auf das Schwarze Meer auszuweiten. Sollte dies geschehen, wird dies Moskau noch stärker treffen - und wahrscheinlich auch symmetrische russische Angriffe auf Schiffe auslösen, die ukrainische Häfen anlaufen.
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