Von-der-Leyen-Besuch in Kiew:Die Ukraine und das Momentum der Stärke
von Isabelle Schaefers, Kiew
Ursula von der Leyen reist nach Kiew - schon zum elften Mal seit Kriegsbeginn. Europa versucht sich daran, das Bild einer starken Ukraine zu unterstützen.
Im Rahmen von Gesprächen zur Abstimmung der Rüstungsindustrie ist EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen in Kiew eingetroffen.
15.07.2026 | 0:23 minDie EU-Kommissionspräsidentin ist hier in Kiew ein gern gesehener Gast - steht sie doch seit Beginn des Krieges besonders öffentlichkeitswirksam an der Seite der Ukraine. Auch Anfang des Jahres war sie hier, als die Ukraine einen harten Winter hinter sich hatte, die USA sich immer weiter zurückgezogen hatten und der 90 Milliarden Euro-Kredit der EU durch Ungarn blockiert wurde. Ursula von der Leyen versicherte dennoch unermüdlich die Unterstützung der Ukraine. Und kommt heute unter neuen Vorzeichen wieder.
Ukraine als starker Partner - mehr Druck auf Russland?
Dieses Mal reist sie in ein Land, das deutlich besser dasteht: Es läuft besser auf dem Schlachtfeld, der 90-Milliardenkredit der Europäer ist nach langem Ringen und der Wahl in Ungarn nun freigegeben, und auch die USA stehen wieder näher an der Seite Kiews. Auch beim Nato-Gipfel in Ankara in der vergangenen Woche war es vor allem die Unterstützung der Ukraine, die alle vereinte.
Trump hat den Verbündeten gemischte Signale gesendet. Einig waren sich die Staaten jedoch beim Krieg gegen die Ukraine. So soll das Land bald selbst Patriot-Raketen bauen dürfen.
09.07.2026 | 2:31 minDieses Momentum soll genutzt werden, um mehr Druck auf Russland auszuüben, um klarzumachen, dass es nur einen Weg gibt: Friedensgespräche, ein Ende des Krieges. Um diesen Druck hochzuhalten, hat die Kommissionspräsidentin einen Deal im Gepäck, der mehr leisten soll, als die Ukraine mit Waffen zu unterstützen.
Ukraine ein Sicherheitslieferant für Europa
Die EU-Kommission unterschreibt heute eine Rahmenvereinbarung, deren Ziel es ist, dass Ukraine und die EU-Länder schneller und effizienter zusammen Drohnen bauen. Die Ukraine bringt das Know-how ein, die EU stellt unter anderem sichere Produktionsstätten.
Es soll eine Win-win-Situation entstehen. Die Ukraine bekommt schnell mehr Drohnen und Drohnenabwehr. Die Europäer eignen sich die Fähigkeiten zur Produktion an, ohne selbst viele Drohnen lagern zu müssen, die sowieso schnell technisch wieder überholt wären.
Die ukrainische Hafenstadt Odessa war zuletzt wieder Ziel russischer Angriffe. Auch für die Verteidigung dieser Stadt spielen Drohnen eine wichtige Rolle.
13.07.2026 | 1:39 minDie Idee ist nicht neu. Einige Länder arbeiten bereits mit der Ukraine eng zusammen. Doch zusammen mit der neuen Initiative bringt die EU-Kommission eine klare Botschaft: Die Ukraine ist nicht mehr nur hilfsbedürftig, sondern ein Sicherheitslieferant für Europa.
Heißt auch: Die Ukraine ist ein wichtiger Partner auf Augenhöhe. Es ist das Bild der starken Ukraine, was das Momentum weiter verstärken und den Druck auf Russland erhöhen soll.
Ehrung durch Selenskyj: "Order of Europe" für von der Leyen
Von der Leyen kommt an einem Tag, an dem die Ukraine den Tag der ukrainischen Staatlichkeit feiert - eingeführt kurz vor Ausbruch des Krieges anlässlich der Feierlichkeiten zum 30. Jahrestag der Unabhängigkeit der Ukraine.
Außerdem erhält Ursula von der Leyen den "Order of Europe" - eine Auszeichnung, die der ukrainische Präsident gerade erst ins Leben gerufen hat. Die Auszeichnung soll Persönlichkeiten ehren, die unter anderem den Weg der Ukraine in die EU unterstützen. Ursula von der Leyen sagte in Kiew.
Die Ukraine hat ein starkes militärisches Momentum aufgebaut. Das Blatt wendet sich gerade. Die EU erfüllt ihren Part, mit unserem 90-Milliarden-Euro-Kredit. Heute werde ich in der Ukraine neue Initiativen ankündigen, um die Integration unserer Rüstungsindustrien zu vertiefen.
Ursula von der Leyen, Präsidentin EU-Kommission
Anfang Juli hat Russland die Ukraine massiv mit Drohnen und Raketen angegriffen - auch die Hauptstadt Kiew.
06.07.2026 | 1:36 minZerstörung in Ukraine geht weiter
Der Besuch führt die Kommissionspräsidentin auch vorbei an Orten der Zerstörung. Das sind Eindrücke, die klar machen, dass es längst nicht vorbei ist. Dass bei aller Rhetorik über die Stärke der Ukraine, das Land weiter massiv angegriffen wird.
Und dass derzeit nicht zu erkennen ist, dass Putin sich beeindruckt zeigt und sich in Richtung Friedensverhandlungen aufmacht. Dennoch sieht Europa ein Momentum. Und will die Ukraine gerade jetzt weiter unterstützen.
Isabelle Schaefers ist Korrespondentin im ZDF-Auslandsstudio Brüssel.
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