"Offener Machtkampf" in Kiew: Was hinter Fedorows Ablösung steckt

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"Offener Machtkampf" in der Ukraine:Was hinter der Ablösung des Verteidigungsministers steckt

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Erst im Januar übernahm Mychajlo Fedorow das Amt des Verteidigungsministers. Nun will Präsident Selenskyj den Posten neu besetzen. Was hinter dem Machtkampf in Kiew steckt.

Auf dem Bild ist Egon Ramms zu sehen.

Bei der Führung der ukrainischen Armee seien zwei Generationen aufeinandergetroffen. Welche Folgen das hat, erklärt Ex-Nato-General Ramms bei ZDFheute live.

16.07.2026 | 24:46 min

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj will das Amt des Verteidigungsministers im Zuge eines Regierungsumbaus neu besetzen. Erst im Januar hatte Mychajlo Fedorow den Posten übernommen. Gegen die Ablösung des in der Ukraine beliebten 35-Jährigen gingen in Kiew Hunderte Menschen auf die Straße.

Der Widerstand gegen seine Entscheidung habe den Präsidenten überrascht, berichtet ZDF-Reporterin Anne Brühl. Er habe nicht mit einem "offenen Machtkampf" gerechnet. "Selenskyj steckt in einem ernsten Dilemma."

Was hinter dem Konflikt steckt und welche Folgen der Machtkampf in Kiew haben könnte - ein Überblick:

Wieso will Selenskyj Fedorows Rücktritt?

Präsident Selenskyjs Entscheidung geht ein Konflikt zwischen Fedorow und dem Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte, Olexander Syrskyj, voraus. Der in Russland ausgebildete General sei ein "Soldat alter Moskauer Schule", der mit dem 35-jährigen Fedorow auf einen an "modernen Waffen und dergleichen mehr orientierten Verteidigungsminister" treffe, erklärt Ex-Nato-General Egon Ramms bei ZDFheute live.

Das kann keine gute Symbiose sein.

Egon Ramms, ehemaliger Nato-General

In der Ukraine sei die Rede von einem Kampf zwischen Jung und Alt, ordnet ZDF-Reporterin Brühl ein. Für die Ukraine sei der Streit zwischen dem Minister und dem Oberbefehlshaber "fatal". Infolge des Machtkampfes habe sich Selenskyj offen auf die Seite Syrskyjs gestellt.

Auf dem Bild ist Anne Brühl zu sehen.

Der ukrainische Präsident wolle "eine Art Runderneuerung", so ZDF-Reporterin Anne Brühl. Die "Personalie Fedorow" habe Selenskyj dabei unterschätzt.

16.07.2026 | 6:53 min

Warum protestieren so viele Ukrainer gegen die Entlassung?

Bevor der in der Ukraine populäre Fedorow Verteidigungsminister wurde, war er für die digitale Entwicklung des Landes zuständig. Er stehe für die "neue digitale Zukunft - auch militärtechnisch", erklärt Brühl.

Nach der Einschätzung von Ex-Nato General Ramms hat Federow zudem einen "sehr großen Anteil an den Erfolgen der Ukrainer im letzten halben Jahr". So sei es der Ukraine etwa durch den Einsatz von Drohnen gelungen, den russischen Vormarsch zu verhindern. Fedorow habe auch den Fokus auf Angriffe gegen Russlands Logistik gelegt.

Ukrainians protest against the dismissal of Ukrainian Defence Minister Mykhailo Fedorov in downtown Lviv, Western Ukraine, 16 July 2026, amid the ongoing Russian invasion. Protesters in Kyiv and other Ukrainian cities call for Fedorov to be kept on as defence minister in the government changes process in Ukraine. The protesters hold placards reading like 'Fedorov is the defence minister', 'Don't mess with what works', 'Hands off Fedorov', 'Bring Fedorov back', and others.

Mitten im russischen Angriffskrieg hat Präsident Selenskyj erneut seine Regierung umgebildet. Vor allem der Rücktritt des beliebten Verteidigungsministers sorgt für Kritik.

16.07.2026 | 1:55 min

Was steckt hinter Fedorows Vorwürfen?

Nach seiner Entlassung warf Fedorow Syrskyj vor, Reformen im Militär zu blockieren. Zudem, so Fedorow, habe der General Selenskyj vor die Wahl gestellt, sich zwischen den beiden Personalien zu entscheiden. Der Oberbefehlshaber wies die Vorwürfe zurück.

Was genau hinter Fedorows Vorwürfen stecke, bleibe "nebulös", so Brühl. Fedorow habe die Vorstellungen einer modernen Armee, die sich auf einen modernen Krieg vorbereitet. Er habe einiges umstellen wollen "und hat dabei von Syrskyj auch ein bisschen die Realität an der Front zu spüren bekommen".

Tausende Ukrainer protestierten gegen die Entscheidung Selenskyjs, Verteidigungsminister Fedorow nach nur sechs Monaten im Amt zu entlassen.

Der ukrainische Präsident Selensky will den erst vor einem halben Jahr ernannten Außenminister Fedorow entlassen. Das löste Proteste im Land aus.

16.07.2026 | 1:46 min

Welche Folgen könnte der Machtkampf für Selenskyj haben?

Der Präsident muss einen neuen Verteidigungsminister vorschlagen, der vom Parlament bestätigt werden muss. "Das hat er heute nicht geschafft, er musste einen Kandidaten zurückziehen", so Brühl. Selenskyj müsse nun verhindern, "dass für mehrere Wochen das Amt des Verteidigungsministers unbesetzt ist".

Also das ist im Moment eine sehr, sehr schwierige Lage, in die sich Selenskyj da hineinmanövriert hat.

Anne Brühl, ZDF-Reporterin

Jewhenij Chmara, der den Geheimdienst SBU seit Januar geschäftsführend leitet, soll nun das Amt des Verteidigungsministers zunächst kommissarisch übernehmen, teilte Selenskyj mit.

Ukrainer versammeln sich, um die Entscheidung von Präsident Selenskyj zu verurteilen, Verteidigungsminister Fedorow nach sechs Monaten im Amt zu entlassen.

In der Ukraine protestieren Demonstranten gegen die mögliche Entlassung des Verteidigungsministers Federow, Hunderte allein in Kiew. Grund für den Wechsel soll eine Regierungsumbildung sein.

16.07.2026 | 3:42 min

Wie geht es mit Fedorow weiter?

Fedorow lehnte bereits ein Angebot des Präsidenten ab, künftig als Berater zu arbeiten. "Viele halten es auch nicht für ausgeschlossen, dass er am Ende vielleicht doch dann wieder Fedorow installieren muss", ordnet Brühl mit Blick auf die Entscheidung Selenskyjs ein.

Also das ist wirklich ein offener Machtkampf, muss man sagen, und der hat im Grunde hier auf allen Seiten nur Verlierer.

Anne Brühl, ZDF-Reporterin

Wie könnte sich der Konflikt auf den Krieg auswirken?

Direkte Auswirkungen des Konflikts auf die Verteidigungsfähigkeit der Ukraine gebe es "im Augenblick noch nicht, zumindest noch nicht so dramatisch", sagt Ramms.

Aber ich kann es auch nicht ausschließen.

Egon Ramms, ehemaliger Nato-General

Entscheidend sei dabei die Frage, hinter welcher Personalie die Streitkräfte stehen. "Ich könnte mir gut vorstellen, dass zumindest die jüngeren Soldaten in der Ukraine, die ja auch im letzten halben Jahr von der Kriegsführung profitiert haben, sich sehr wohl hinter den Verteidigungsminister stellen", so der frühere Nato-General. Das könne in der militärischen Führung "eine durchaus schwierige Situation auslösen".

Die Interviews führte ZDFheute-live-Moderator Christian Hoch, zusammengefasst hat die Sendung ZDFheute-Redakteur Niklas Landmann.

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Quelle: ZDF
Über dieses Thema berichtete ZDFheute live am 16.07.2026 ab 19:30 Uhr.

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