Experte zu Politbarometer: Regierung muss "neue Melodie" anstimmen

Experte ordnet ZDF-Politbarometer ein:Korte: Regierung muss "neue Melodie" anstimmen

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Die Reformen der Regierung kommen bei den Menschen nicht gut an. Das zeigt das neue ZDF-Politbarometer. Politikwissenschaftler Korte erklärt, wie die Koalition das ändern könnte.

Archiv: Pressekonferenz zu den Ergebnissen des Koalitionsausschusses in Berlin

Eine Mehrheit glaubt laut ZDF-Politbarometer nicht, dass die Reformen der Bundesregierung in die richtige Richtung gehen. Die Abgeordneten "sehen sich existenziell bedroht von diesen Umfragen", sagt Karl-Rudolf Korte.

17.07.2026 | 5:30 min

Die Umfragewerte der Regierung sind schlecht, die Bürger sind von dem vorgestellten Reformpaket nicht überzeugt. Das zeigt das neue ZDF-Politbarometer, das am Freitag veröffentlicht wurde. Unter anderem denkt nur ein Drittel, dass die Reformen in die richtige Richtung gehen - noch weniger Menschen, nämlich nur zwölf Prozent, finden die Belastungen, die sich aus den Reformen ergeben, gerecht verteilt.

Warum ist die Ablehnung gegenüber den Vorstößen der Regierung so groß? Politikwissenschaftler Karl-Rudolf Korte ordnet die Umfrageergebnisse ein.

Sehen Sie das Interview mit Karl-Rudolf Korte oben in voller Länge oder lesen Sie es hier in Auszügen.

Korte: Aus politischer Mehrheit muss gesellschaftliche Mehrheit werden

"Wir sehen ja, die Reformanstrengungen laufen über ein neues Politikmanagement", sagt Korte. Es sehe so aus, als ob die "Prozesse in Gang kommen". Aber:

Das kommt bei den Bürgern im Moment überhaupt noch nicht an.

Politikwissenschaftler Karl-Rudolf Korte

Der "Wendepunkt im Politikmanagement" übertrage sich also nicht auf die Glaubwürdigkeit der Regierung. Um das zu ändern, müsse die Regierung mehr Anstrengungen unternehmen, um aus der Mehrheit innerhalb der schwarz-roten Koalition "auch eine gesellschaftliche Mehrheit zu machen", sagt der Politikwissenschaftler.

Die Koalitionsspitzen um Bundeskanzler Merz geben nach der Sitzung des Koalitionsausschusses eine Pressekonferenz.

Nicht nur das Reformpaket von Schwarz-Rot wird überwiegend kritisch gesehen. Auch insgesamt bleibt die Unzufriedenheit mit Bundesregierung und Kanzler groß.

17.07.2026 | 6:02 min

Die Politiker müssten die Reformvorhaben so übersetzen, "dass es nicht nur um Sparen und Verteilen geht, sondern um Gerechtigkeitsfragen, um Zukunftssicherheit". Sie müssten erwähnen, "was alles schon gelingt, was sich verändert", was "sozial und gerecht" daran sei und "wem es auch nützt". Dann könnten sich die Bürger auch vorstellen, "dass sich der Gesamtprozess verbessert".

Diese Art der Kommunikation sei allerdings "Teil eines Führungsprozesses" - ansonsten sieht Korte keine Veränderung in den Umfragewerten, weil der Frustrationslevel in der Bevölkerung sehr hoch sei, "dass sich so wenig auch verändert."

Wer also diese neue und veränderte Melodie anstimmt, wird auch eine gesellschaftliche Mehrheit formen können.

Politikwissenschaftler Karl-Rudolf Korte

Karl-Rudolf Korte ist emeritierter Professor für Politikwissenschaft der Universität Duisburg-Essen, Fachgebiet "Politisches System der Bundesrepublik Deutschland“. 2006 gründete er die NRW School of Governance. Er ist zudem Experte für Wahlanalysen. (Quelle: ZDF)


Kann die Regierungskoalition weiter bestehen?

"Die Regierung hat sich sehr stabil in die Sommerpause verabschiedet, völlig unterschiedlich zu letztem Jahr", sagt Experte Korte. Er gehe davon aus, dass diese Koalition, das "Sicherheitsbündnis", das sie letztlich sei, tragen könne und die Reformvorschläge durchbringen könnte. "Also die Stabilität sehe ich nicht gefährdet", sagt der Politikwissenschaftler. Aber:

Die Abgeordneten im Einzelnen sehen sich existenziell bedroht von diesen Umfragen.

Politikwissenschaftler Karl-Rudolf Korte

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Korte: Regierung sollte hybride Bedrohung deutlicher aufzeigen

Das ZDF-Politbarometer zeigt neben der innenpolitischen Unzufriedenheit der Menschen auch, dass die Bereitschaft zur Militärhilfe für die Ukraine in der deutschen Bevölkerung leicht sinkt. 34 Prozent der Befragten sagen, die europäischen Staaten sollten die Ukraine militärisch weniger unterstützen (32 Prozent geben bei der Frage "stärker" an, 29 Prozent "so wie bisher"). Wie kommt das?

Reformen der Bundesregierung gehen |eher in die richtige Richtung:
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Politikexperte Korte ordnet zunächst ein, dass die Zustimmungswerte zur Militärhilfe im Vergleich zu vor der "Zeitenwende-Rede" immer noch hoch seien. Die "Zurückhaltungskultur" der Deutschen sei aufgebrochen worden - "wir waren ja Pazifismusweltmeister". Aber:

Es bröckelt, weil auch die Bedrohung einem nicht mehr so groß vorkommt, weil wir uns an Bedrohung offenbar auch gewöhnen.

Politikwissenschaftler Karl-Rudolf Korte

Daher müsse Bundeskanzler Friedrich Merz das "Verteidigungsvorhaben, das Abschreckungsvorhaben" plausibler erklären. Es komme darauf an, "grade hybride Angriffe viel transparenter zu machen, damit wir uns klar werden, was wir an Bedrohungsszenarien noch weiter vor uns haben".

Das Interview führte Moderatorin Mirjam Meinhardt im ZDF-Mittagsmagazin, ausgewertet hat es Annika Heffter.

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Quelle: ZDF
Über dieses Thema berichtete das ZDF-Mittagsmagazin am 17.07.2026 ab 12 Uhr.

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