CDU-Politiker bei "illner":Laschet: "Trump ging es nie um Sicherheit"
von Torben Schröder
Was immer der US-Präsident mit Grönland bezweckt - Europa sollte Lehren daraus ziehen. Es muss verteidigungs- und entscheidungsfähiger werden, sind sich die Diskutanten einig.
Sehen Sie hier die Sendung "maybrit illner" vom 22.01.2026.
22.01.2026 | 60:40 minUS-Präsident Donald Trump ist für Überraschungen gut, und diese scheint eine positive zu sein. Doch wie kam es zur Einigung mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte in der Grönland-Frage?
Die Wirtschaftswissenschaftlerin Stormy-Annika Mildner nennt in der ZDF-Sendung "maybrit illner" drei Gründe: den Zusammenhalt der Europäer, die Reaktion der Finanzmärkte und die Ablehnung einer Annexion Grönlands innerhalb der USA und der Republikaner.
Trumps Griff nach Grönland und seine Ausfälle gegen die Partner erschüttern das westliche Bündnis.
22.01.2026 | 28:39 minKleber: Trump träumt von Expansion
Ob auch die kleine Anzahl Soldaten unter anderem aus Deutschland, die kurzzeitig auf der zu Dänemark gehörenden Insel zugegen waren, eine Rolle gespielt habe? "Nein, ganz sicher nicht", sagt Armin Laschet (CDU). Nur punktuell ist bislang bekannt, worauf sich die Verhandler geeinigt haben.
Ich glaube, Trump ging es nie um die Sicherheit.
Armin Laschet, CDU-Politiker
Laschet erklärt, er stimme Claus Kleber zu. Der ZDF-Journalist sagt, Trump sei einfach verliebt in den Gedanken, die USA zu vergrößern. Positiv sieht Kleber die Rolle von Bundeskanzler Friedrich Merz, der beim Weltwirtschaftsforum in Davos womöglich die stärkste Rede seiner Amtszeit gehalten habe. Aber:
Sie hat nichts daran geändert, dass wir davon abhängig waren, dass Trump von dieser unsinnigen Forderung nach Grönland abgelassen hat.
Claus Kleber, Journalist
Beim Treffen in Brüssel tauschen sich die Staats- und Regierungschefs der EU über Trumps Linie zu Grönland aus. Diskutiert werden Optionen, falls Washington Zusagen nicht einhält.
22.01.2026 | 2:02 minMünkler: International gewinnen die Entschlossenen
Moderatorin Illner spricht von einer "Zeitenwende-Rede" des Kanzlers. Merz müsse, sagt der Politikwissenschaftler Herfried Münkler, Zeit gewinnen, um das Auseinanderbrechen des Nato-Bündnisses zu verhindern - und diese nutzen, um die Entscheidungsfindungen innerhalb Europas zu beschleunigen.
Münklers Zielvorstellung: "Hierarchisierung im Zentrum", dazu eine eigenständige europäische Verteidigungsstruktur samt nuklearer Abschreckung. Aktuell seien auf internationaler Ebene diejenigen die Gewinner, die besonders unverschämt und selbstbewusst auftreten - und die Verlierer diejenigen, die zu lange nachdenken.
Trotz der wieder einkassierten Zolldrohungen von Trump wollen die EU-Staats- und -Regierungschefs zusammenkommen. Es soll um die transatlantischen Beziehungen gehen.
22.01.2026 | 2:24 minLaschet: Mercosur zeigt Europas Schwäche
"Wir müssen in Europa handlungsfähig werden. Wir haben in dieser Woche wieder einmal belegt, wie unfähig wir sind", sagt Laschet mit Blick auf den jüngsten Mercosur-Beschluss des Europaparlaments.
"Dieses Abkommen wäre eine starke Signalwirkung gewesen", pflichtet Mildner bei.
Diese Art von Abkommen ermöglichen uns, unsere Handelspartner zu diversifizieren, Risiken zu minimieren.
Stormy-Annika Mildner, Wirtschaftswissenschaftlerin
Zudem werde der Gedanke eines regelbasierten Handelssystems international gestärkt. "Die USA sind unser wichtigster Exportmarkt, unser zweitwichtigster Importpartner", betont Mildner. Das mache bei der Frage nach Gegenmaßnahmen im Zollstreit vorsichtig, erst recht angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Lage.
Das Mercosur-Abkommen wankt erneut: denn das EU-Parlament hat beschlossen, es vor dem Europäischen Gerichtshof prüfen zu lassen. Der Ratifizierungs-Prozess könnte sich damit um Monate verzögern.
22.01.2026 | 3:12 minDeutschland in Trumps Friedensrat?
Laschet ist skeptisch, ob Deutschland beim von Trump angeregten Friedensrat mitwirken sollte:
Die Bundesregierung hat sich noch nicht offiziell geäußert, aber ich denke, dass man da nicht mitmachen wird.
Armin Laschet, CDU-Politiker
Generell sei Europa bei der Stärkung seiner Verteidigungsfähigkeit auf dem richtigen Weg. "Was wir nicht tun und was wir dringend brauchen, ist wirtschaftliche Stärke", sagt Laschet.
Wir haben so viel getan in den letzten Jahren, das Industrieland Europa zu schwächen.
Armin Laschet, CDU-Politiker
Es brauche wieder Stärke, denn diese bringe Souveränität auch gegenüber den USA. Und es brauche, um selbstbewusst aufzutreten, Gesprächskanäle zu allen relevanten Akteuren - auch nach Russland.
US-Präsident Trump hat den sogenannten Friedensrat gegründet. Welche Ziele verfolgt er damit und welche Strategie steckt dahinter? Dazu ZDF-Korrespondentin Claudia Bates.
22.01.2026 | 0:56 minPagung: Europäische Sicherheitsstruktur schaffen
Die Verhandlungen zwischen den USA und der Ukraine sowie Russland zeigen nach Ansicht der Politikwissenschaftlerin Sarah Pagung, wie versucht wird, Sicherheitsgarantien auf Basis unterschiedlicher Systeme zu kalibrieren.
Das Ziel sei eine europäische Absicherung einer Waffenstillstandslinie in der Ukraine, die wiederum durch die USA rückversichert wird. Zumindest gelte es, den Schutz durch die USA so lange aufrecht zu erhalten, bis eine eigene, europäische Sicherheitsstruktur geschaffen ist.
Mehr zum Thema Trump
Präsident der Ukraine spricht in Davos:Selenskyjs Weckruf an Europa: Warnung vor Selbsttäuschung
Henner Hebestreit, Kiewmit Video3:03Ringen um Eigenständigkeit:Kein "Weiter so" - EU-Gipfel sucht neue Antworten auf Trump
mit Video2:24Kanadischer Premier in Davos:"Nicht dankbar": Diese Davos-Rede verärgerte Trump
mit Video29:47Neue Gespräche und Sicherheitsgarantien:USA, Ukraine und Russland an einem Tisch: Was bedeutet das?
mit Video32:02