Trumps neue Weltordnung?:Baerbock bei Illner: "Charta der UN ist kein Wunschkonzert"
von Torben Schröder
Die UN sollten sich mit großer Mehrheit hinter ihre eigene Charta stellen, sagt Annalena Baerbock. Dass dies US-Präsident Trump beeindrucken würde, wird stark in Zweifel gezogen.
Sehen Sie hier die Sendung maybrit illner vom 15. Januar 2026.
15.01.2026 | 68:07 minEtablieren die USA gerade eine neue Weltordnung, die doch eigentlich bei den Vereinten Nationen (UN) verankert sein soll? Annalena Baerbock (Grüne), Präsidentin der UN-Vollversammlung, hält in der ZDF-Sendung "maybrit illner" dagegen.
Die Charta der Vereinten Nationen ist kein Wunschkonzert.
Annalena Baerbock, Präsidentin der UN-Vollversammlung
Das Recht des Stärkeren führe nur ins Desaster für alle, daher seien einst Grundregeln verankert worden. Eine davon laute, dass kein noch so großes Land einfach ein anderes seinem Willen unterwerfen könne.
Die Staatenmehrheit in der UN-Generalversammlung könne und solle nun deutlich machen, dass sie für die Charta und das Völkerrecht einstehe. Andernfalls sei kein Land auf der Welt mehr sicher, betont Baerbock.
Donald Trumps zweites erstes Amtsjahr geht zu Ende. Seine Außenpolitik nennt er die „Donroe-Doktrin“, will den Einfluss der USA im Westen vergrößern.
14.01.2026 | 6:27 minBaerbock: Europa muss Bündnisse schmieden
"Es braucht nun eine geschlossene Haltung von der großen Mehrheit, die hinter der Charta der Vereinten Nationen steht", sagt Baerbock. Aktuell gebe es auch Chancen für neue Kooperationen, beispielsweise zwischen Europa und Afrika.
Da sollte Europa jetzt nicht schlafen und einfach zuschauen, wie andere aktiv werden, sondern diese breiten Bündnisse mitschmieden.
Annalena Baerbock, Präsidentin der UN-Vollversammlung
"Was sie geschildert hat, das stimmt alles und ist gut gemeint, aber es funktioniert in der Praxis nicht und hat keinen Einfluss", sagt die Journalistin Melanie Amann (Funke) zu Baerbocks Ausführungen. Die UN hätten sichtbar an Einfluss verloren. Also freie Fahrt für US-Präsident Donald Trump?
Vor knapp einem Jahr wurde Donald Trump zum zweiten Mal vereidigt – und versprach ein „goldenes Zeitalter für die USA“. Wie hat sich seitdem das Verhältnis zwischen den USA und Europa verändert?
15.01.2026 | 4:33 minUS-Sicherheitexperte: USA sind eine liberale Demokratie
Der Sicherheitsexperte Peter Rough, Mitglied der US-amerikanischen Republikaner, sieht bei Trump eine interessengeleitete Außenpolitik. Das heiße aber nicht, dass sie moralisch verdorben sei.
Die USA ist traditionell eine liberale Demokratie. Wir haben eine Ordnung geschaffen, die das reflektiert. Das bedeutet, dass jene Länder, die sich unwohl in dieser Ordnung fühlen, meistens nicht gerade lupenreine Demokratien sind.
Peter Rough, US-Sicherheitsexperte
Damit könne Europa ja etwas anfangen. Rough beruhigt: Die transatlantischen, wirtschaftlichen Verflechtungen seien für beide Seiten essenziell. Das wisse auch Trump. Und gegen die Drohgebärde der USA gegenüber Dänemark gebe es erhebliche inneramerikanische Gegenwehr.
Neue Handelsrouten, Wirtschaftszweige und Rohstoffe. Militärpräsenz ist der Schlüssel, um Macht in der Arktis zu sichern, was nicht nur die USA und Europa, sondern auch China und Russland wollen.
15.01.2026 | 2:34 minWie umgehen mit Trumps Anspruch auf Grönland?
Trump gehe es bei Grönland nicht um wirtschaftliche oder sicherheitspolitische Interessen, sondern darum, das Territorium der USA zu erweitern, sagt der Militärexperte Carlo Masala. Die USA tun so, als wäre sie nicht mehr Teil der Nato. Die Strategie Deutschlands und Europas im Umgang mit den USA sei an ihre Grenzen gestoßen.
Omid Nouripour (Grüne) sagt mit Blick auf Grönland, es sei "im Sinne des Rechts zwingend dasselbe", wenn die USA und Russland das Völkerrecht brechen. Doch es gehe auch um Politik und um Abhängigkeiten, die sich gegenüber den USA nicht in derselben Geschwindigkeit abbauen ließen wie gegenüber Russland.
Es müsse "einen Preis geben" für die US-Ambitionen auf Grönland. Europa rede viel zu viel davon, was es nicht könne. Dänemark tue gut daran, klarzustellen, dass es Grönland nicht hergeben will, sagt Nouripour.
Sicherheit, Digitalisierung und Wirtschaft: Mirko Drotschmann analysiert die wachsende Abhängigkeit Deutschlands von den USA seit Donald Trumps erneuter Amtszeit.
15.01.2026 | 13:27 minRöttgen: Wir gehen Trump auf den Leim
Norbert Röttgen (CDU) hält es, wie er sagt, für ausgeschlossen, dass Dänemark Grönland an die USA verkaufen werde. Aber was passiere dann? "Ein bisschen gehen wir Donald Trump auf den Leim", sagt der Außenpolitiker.
Denn dem US-Präsidenten blieben sonst kaum Möglichkeiten in seinem Bestreben, die USA von der Landmasse her so groß zu machen wie nie zuvor.
Trump hat keine magische Kraft mit seinen Worten.
Norbert Röttgen, CDU-Politiker
Röttgen betont: "Ich habe für all dieses Gerede, Beistand gegen die USA oder Krieg, null Verständnis." Es gelte, eine Eskalation, die für uns nur Elend bedeuten könne, unbedingt zu verhindern. Es brauche, nachdem die USA sich als Schutzmacht zurückgezogen haben, einen eigenen, europäischen "Willen zur Macht".
Mehr zu den Vereinten Nationen
Dringlichkeitssitzung ohne Ergebnis:UN-Sicherheitsrat: Ein zahnloser Tiger?
von Daniel Heymann und Charlotte Greiplmit Video1:46"Antiamerikanisch" und "nutzlos":USA ziehen sich aus 66 internationalen Organisationen zurück
mit Video0:20Flüchtlingshilfswerk der UN:Das UNHCR wird 75 - und hat keinen Grund zu feiern
mit Video0:29- Interview
Designierte UN-Präsidentin:Was bringen die UN noch, Frau Baerbock?
mit Video7:46