E-Mails, Chatverläufe, Kontoauszüge:Deutscher KI-Forscher machte dank Epstein Karriere
von Jonas Halbe, Daniel Laufer
Ein deutscher KI-Forscher hat laut ZDF-Recherchen über eine Million Dollar vom Sexualstraftäter Epstein erhalten. Das Geld sei nie an Bedingungen geknüpft gewesen, so der Forscher.
Der deutsche KI-Forscher Joscha Bach soll seine Karriere mit Unterstützung von Jeffrey Epstein aufgebaut haben. Er soll Mittel in Höhe von mehr als einer Million US Dollar erhalten haben.
04.02.2026 | 1:20 minDas Dinner sei toll gewesen, schrieb Ex-US-Finanzminister Larry Summers dem Sexualstraftäter Jeffrey Epstein per E-Mail. "Wer war denn der kleine Mann in meiner Nähe?" Jeffrey Epstein erklärt Summers in dem Austausch von 2014: "Das ist Joscha Bach, mein Mann für Künstliche Intelligenz, den ich aus Berlin mitgebracht habe." Heute ist Bach ein angesehener deutscher KI-Experte, und das dürfte er auch Epstein zu verdanken haben.
Epsteins "Mann für Künstliche Intelligenz"
Tausende E-Mails, Chatverläufe und Kontoauszüge belegen, dass Epstein ein wesentlicher Finanzier des deutschen Wissenschaftlers war. Dokumente, die das ZDF gemeinsam mit dem "Spiegel" und dem "Standard" ausgewertet hat, sind Bestandteil von Akten zum Fall des bereits 2008 wegen der Prostitution einer Minderjährigen verurteilten Epstein. Veröffentlicht hat sie am Freitag das US-Justizministerium.
Epstein stellte demnach für Bach den Kontakt zu einflussreichen Wissenschaftlern her, finanzierte seine Arbeit und ließ ihm von 2013 bis 2019 offenbar mehr als eine Million Dollar zukommen. Auf ZDF-Anfrage bestätigte Bach, dass Epstein seinen "Aufenthalt als Wissenschaftler in den USA maßgeblich ermöglicht" habe.
Im Fall Epstein hat das US-Justizministerium Millionen neue Daten veröffentlicht. E-Mails einflussreicher Männer wie Elon Musk sorgen für Aufsehen.
31.01.2026 | 1:33 minEpstein finanzierte Bachs US-Aufenthalt
Nachdem der Deutsche Joscha Bach Epstein 2013 kennenlernte, half Epstein ihm und seiner Familie, in die USA zu ziehen und in Boston eine Existenz aufzubauen. Andere Wissenschaftler hätten ihm empfohlen, das Angebot anzunehmen, schreibt Bach dem ZDF, und "dass Epstein sich nach der Verbüßung seiner Haftstrafe keiner weiteren Vergehen schuldig gemacht" hätte.
Aus heutiger Sicht denke ich, dass ich meinen ethischen Bedenken stärkeres Gewicht hätte geben sollen.
Joscha Bach, deutscher KI-Forscher über seine Beziehung zu Jeffrey Epstein
Epstein vermittelte Bach 2013 an das Media Lab des renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT). Als Bach dort nur ein geringes Gehalt angeboten wurde, sprang Epstein offenbar ein. Insgesamt soll er Bach für die Arbeit an der Eliteuniversität rund 300.000 Dollar gezahlt haben, so geht es aus einem 2020 vorgelegten MIT-Untersuchungsbericht hervor.
Der Fall Epstein belastet auch das britische Königshaus: Der ehemalige Prinz Andrew hatte wohl auch nach Epsteins Haft Kontakt zu ihm.
04.02.2026 | 2:29 minDeutscher Forscher von Epstein abhängig
Die neu veröffentlichten Akten zeigen, dass Bach de facto von Epstein abhängig war. Wie genau er sich in dieser Zeit mit Epsteins Hilfe über Wasser hielt, verrät ein Blick in die E-Mails, die Bach Epstein schickte: Immer wieder bat der Wissenschaftler in E-Mails um Geld. Und Epstein machte eine Überweisung nach der anderen - mal 25.000, mal 115.000 Dollar. Auch als Bach im April 2018 über Steuerschulden klagte, half Epstein ihm offenbar aus.
Viele Amerikaner, darunter auch Republikaner, kritisieren mangelnde Transparenz in der Aufklärung der Epstein-Affäre.
03.02.2026 | 9:26 minBach bestätigte dem ZDF auf Anfrage, Epstein habe den Aufenthalt seiner vierköpfigen Familie in Boston finanziert. Auch Flüge zu Konferenzen habe Epstein bezahlt.
Diese Finanzierung war an keine Bedingungen geknüpft und ich schuldete nichts im Gegenzug.
Joscha Bach zur finanziellen Unterstützung von Epstein
Seine Forschung habe Epstein nicht beeinflusst. "Aber ich nahm an Treffen mit Wissenschaftlern, Intellektuellen und Politikern teil, zu denen er einlud."
Erstmals lässt sich belegen, wie Epstein auch versuchte, Frauen aus dem deutschsprachigen Raum anzuwerben.
19.12.2025 | 2:50 minNachgewiesener Besuch auf Epsteins Insel
Im November des vergangenen Jahres äußerte sich Bach erstmals ausführlich nach Epsteins Tod öffentlich zur Verbindung zu seinem langjährigen Förderer. In einem Blogbeitrag stellte er Epstein als einen "hochfunktionalen Soziopathen" dar, der seine wissenschaftliche Arbeit gefördert und ihm "kurze legasthenische Nachrichten" geschickt habe. Die nun veröffentlichten Akten zeigen allerdings ein anderes Bild: Das Verhältnis zwischen Epstein und Bach ging offenbar weit darüber hinaus.
Auch privat pflegte Bach offenbar engen Kontakt zu Epstein - wenn er mit seiner Familie etwa nach New York reiste, durften sie wohl in einem von Epsteins Apartments wohnen. 2015 besuchte Bach zudem Epsteins Privatinsel, er wurde von den Amerikanischen Jungferninseln aus per Helikopter für einen Abend auf Little Saint James eingeflogen.
Neu veröffentlichte Aufnahmen geben Einblicke in die karibische Privatinsel von Jeffrey Epstein, wo dieser seine Opfer missbraucht haben soll.
04.12.2025 | 1:02 minDeutscher KI-Forscher: "keinerlei Anzeichen für illegale Aktivitäten" gesehen
Inzwischen ist bekannt, dass Epstein dort den Missbrauch junger Frauen organisiert haben soll. Nachdem auch eine Freundin Bachs Little Saint James besucht hatte, scherzte sie in einer E-Mail an Epstein, die auch Bach erhielt, über "High-Profile-Inselorgien". Auf Anfrage des ZDF teilt Bach dazu mit, er habe "keinerlei Anzeichen für illegale oder fragwürdige Aktivitäten, bei dieser oder irgendeiner anderen Gelegenheit" gesehen.
Epstein erzählte Bach 2017 in einer E-Mail, dass er eine "hübsche" College-Studentin getroffen habe, die er fördern wollte. Sie sei beleidigt gewesen und habe ihm gesagt, dass sie nicht käuflich sei. Bach schrieb ihm darauf: "Deine Beziehungen zu jungen Frauen scheinen nicht auf Augenhöhe zu sein, sondern eher dominant-unterwürfig." Es wirke, schrieb Bach an Epstein weiter, "als ob du dich zu Frauen hingezogen fühlst (so lange sie nicht zu frauenhaft sind), aber du scheinst sie nicht besonders zu mögen".
In der Epstein-Affäre müssten längst alle Dokumente veröffentlicht worden sein. Schlagzeilen machen stattdessen die Clintons.
27.01.2026 | 1:16 minDem ZDF teilt Bach mit:
Ich wurde niemals Zeuge oder hatte irgendeine Kenntnis von ungesetzlichen Handlungen Jeffrey Epsteins nach seiner Verurteilung (2008), und hätte jeglichen Kontakt sofort abgebrochen, wenn das der Fall gewesen wäre.
Joscha Bach, deutscher KI-Forscher
Weiter schrieb er, er habe "keinerlei Kenntnis von den schwerwiegenden Anschuldigungen" gehabt, die gegen Epstein nach seiner erneuten Verhaftung erhoben wurden, und sei "zutiefst schockiert davon".
Die Veröffentlichung der Epstein-Akten geht schleppend, berichtete Claudia Bates im Dezember aus Washington.
25.12.2025 | 1:25 minEpstein-Förderung mit Folgen für deutschen Forscher
Bis zuletzt hielt Joscha Bach Kontakt zu seinem langjährigen Förderer, das zeigen die veröffentlichten Akten. Noch im Februar 2019 stellte Epstein Bach einen Scheck aus, noch im Mai 2019 buchte Epsteins Assistentin Flüge für Bachs Familie für den Sommer. Noch Wochen vor seiner Festnahme wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs empfing Epstein den KI-Forscher in seinem Stadthaus in New York.
Für Bach hat die Veröffentlichung der Epstein-Akten offenbar schon jetzt Folgen. Im Dezember etwa fehlte sein zuvor schon geplanter Vortrag beim Jahrestreffen des "Chaos Computer Clubs" dann im endgültigen Programm - wenn auch aus unklaren Gründen.
Außerdem führte ihn das "Mathematical Consciousness Science Initiative" an der Universität Bamberg bis kürzlich als "Associate Researcher". Nach einer ZDF-Anfrage am Sonntag teilt der Leiter der Bamberger Initiative mit, Bach sei entfernt worden - Geld habe er von der Universität nie erhalten.
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