Weitere Dokumente veröffentlicht:Epstein-Überlebende: "Es ist noch nicht vorbei"
von Beatrice Steineke, Washington, D.C.
Viele Stellen in den neu veröffentlichten Unterlagen zum Fall Epstein wurden geschwärzt. Für die Überlebenden werden erneut die Opfer bloßgestellt und nicht die Täter.
Eine E-Mail, die in der Veröffentlichung der Jeffrey-Epstein-Akten durch das US-Justizministerium enthalten war, zeigt eine Kontaktverbotsverfügung aus dem Jahr 2009 in Palm Beach, Florida.
Quelle: APIhr Name bleibt unbekannt. Ein schwarzer Balken schützt ihre Identität. Wann genau sie in den machtvollen Zirkel des Multimillionärs Jeffrey Epstein geriet, bleibt ebenfalls offen. Ghislaine Maxwell, die langjährige Epstein Vertraute, habe sie zu einer Party in New York eingeladen. Dort traf sie auf Epstein und Donald Trump.
Laut den am Freitag vom US-Justizministerium veröffentlichten Unterlagen habe sie später von Trump eine Führung bekommen - in dessen Domizil Mar-a-Lago in Florida. Nichts sei zwischen ihr und Trump passiert. Doch Maxwell habe ihr Dinge gesagt - wie:
Ich glaube, er [Trump] mag dich. Du hast aber Glück. Das ist toll.
Ghislaine Maxwell, Epstein Vertraute
Sie habe Maxwell als eine äußerst gefährliche Person wahrgenommen. Damals sei sie ungefähr 22 Jahre alt gewesen. So steht es in einem Protokoll aus dem Jahr 2021. Diese Geschichte ist erst der Beginn, der erste Blick in mehr als drei Millionen Seiten, die am Freitag veröffentlicht wurden. Insgesamt "mehr als 2.000 Videos und 180.000 Bilder", so der stellvertretende Justizminister Todd Blanche.
In der Epstein-Affäre müssten längst alle Dokumente veröffentlicht worden sein. Schlagzeilen machen stattdessen die Clintons. Warum ihnen nun eine Anklage droht.
27.01.2026 | 1:16 minDurchsicht aller Datensätze wird dauern
In einem anderen Dokument des FBI wird die Geschichte von "Jane Doe" (Pseudonym) erzählt. Als 13-Jährige sei sie von Donald Trump und Jeffrey Epstein vergewaltigt worden. Ihr Fall wurde tatsächlich bereits vor Jahren bekannt. Anonym klagte sie gegen Trump, zog 2016 jedoch alle Anschuldigungen zurück.
Bislang sind es Teile eines Puzzles, einzelne Bausteine einer Geschichte, die sich nach und nach zusammensetzen werden. Bei Millionen Seiten lässt sich jetzt schwer einschätzen, wie viele brisante Details in den neuen Datensätzen stecken.
Unter anderem der heutige Handelsminister Howard Lutnick, Bill Gates, Elon Musk oder auch eine ehemalige Beraterin von Ex-Präsident Obama pflegten wohl länger eine engere Beziehung zu Epstein als sie behaupteten.
Die US-Demokraten haben dem Justizministerium vorgeworfen, aus den Epstein-Akten eine Datei entfernt zu haben. Darauf soll US-Präsident Trump gemeinsam mit Jeffrey Epstein zu sehen gewesen sein.
21.12.2025 | 0:17 minUS-Justizministerium verteidigt Veröffentlichung nach Frist
Das Justizministerium verteidigte am Freitag die verspätete Veröffentlichung. Laut dem von US-Präsident Donald Trump unterzeichneten Epstein-Akten-Transparenz-Gesetz war die Frist bereits am 19. Dezember 2025 abgelaufen.
Laut Gesetzestext muss Justizministerin Pam Bondi "nicht später als 30 Tage nach Verabschiedung" des Gesetzes "alle nicht als geheim eingestuften Aufzeichnungen, Dokumente, Mitteilungen und Ermittlungsmaterialien, die sich im Besitz des Justizministeriums befinden" veröffentlichen. Dies gilt ebenfalls für Unterlagen der Bundespolizei FBI und der Staatsanwälte.
Das umfasst Dokumente zu dem verurteilten Sexualstraftäter Epstein, der bis zu seinem Tod in einer New Yorker Gefängniszelle 2019 jahrelang Mädchen und junge Frauen missbraucht und an Prominente vermittelt haben soll.
Zudem sollen Akten über seine Komplizin Ghislaine Maxwell öffentlich gemacht werden, die seit ihrer Verurteilung 2022 eine 20-jährige Haftstrafe absitzt. Maxwell hatte im Prozess detailliert über Epsteins Beziehungen zu Größen aus Politik und Gesellschaft berichtet. Vermutet wird allerdings, dass die Akten eine noch größere Verstrickung Prominenter zeigen, womöglich auch von Präsident Trump.
Nicht veröffentlichen muss Justizministerin Bondi laut dem Gesetzestext Informationen, die die Privatsphäre der Missbrauchsopfer einschränken, oder aber Bilder und Videos von Missbrauch. Die Namen und andere Angaben zu den Opfern dürften demnach geschwärzt werden, wie es bisher bereits bei veröffentlichten Dokumenten der Fall war. Ausnehmen kann Bondi zudem Material, das "eine aktive Bundesuntersuchung oder laufende Strafverfolgung gefährden würde".
Quelle: AFP
Immer wieder begründete das Ministerium Verzögerungen mit der Fülle an Daten, neu entdeckten Unterlagen und dem Anspruch, die Identitäten der Opfer schützen zu wollen und ihre Namen unkenntlich zu machen.
Die Demokraten hatten der US-Regierung bereits Gesetzesbruch vorgeworfen, da Mitte Januar weniger als ein Prozent aller Unterlagen veröffentlicht waren.
Epstein-Affäre: Mehr als drei Millionen Seiten, darunter insgesamt 2.000 Videos und 180.000 Bilder, veröffentlichte das US-Justizministerium am Freitag.
Quelle: AFPEs gibt dieses Mantra, dass das Justizministerium Donald Trump schützen soll. Das ist nicht wahr. Das war nie der Fall.
Todd Blanche, stellvertretender US-Justizminister
In der Epstein-Affäre müssten längst alle Dokumente veröffentlicht worden sein. Schlagzeilen machen stattdessen die Clintons. Warum ihnen nun eine Anklage droht.
27.01.2026 | 1:16 minDemokrat Khanna: Neue Datensätze müssten wichtige Namen enthalten
Sind nun alle Unterlagen veröffentlicht? Noch ist das fraglich. Der demokratische Abgeordnete Ro Khanna trat immer wieder öffentlich mit Betroffenen auf und ist einer der Initiatoren des Epstein-Akten-Transparenz-Gesetzes. Im US-Sender "MS NOW" erklärte er, besonders hoffe er auf die Protokolle von Befragungen von Opfern, die über die Jahre von Regierungsbeamten geführt wurden.
Dort haben die Überlebenden erwähnt, wer die anderen reichen und mächtigen Männer sind, die sie missbraucht oder vergewaltigt haben.
Ro Khanna, demokratischer Abgeordneter im US-Repräsentantenhaus
X-Post von Ro Khanna
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Die Nichtveröffentlichung dieser Akten schütze nur die mächtigen Personen, die daran beteiligt waren, und untergrabe das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Institutionen.
Auch sollten weitere Unterlagen der Staatsanwaltschaft in den neuen Datensätzen zu finden sein. Nach wie vor sei offen, warum bestimmte Personen im Zusammenhang mit dem Fall Epstein nie angeklagt wurden.
Mit geleakten E-Mails lässt sich erstmals belegen, wie Jeffrey Epstein auch versuchte, Frauen aus dem deutschsprachigen Raum anzuwerben. Eine von ihnen hat mit dem ZDF gesprochen.
19.12.2025 | 2:50 minEpstein-Betroffene: Opfer bloßgestellt
Die Namen von mehreren Opfern seien in den neuen Dokumenten ungeschwärzt nachzulesen, beklagen Überlebende in einem gemeinsamen Statement. Insgesamt 17 Frauen schreiben:
Wieder einmal werden die Namen und persönlichen Daten der Überlebenden veröffentlicht, während die Männer, die uns missbraucht haben, im Verborgenen bleiben und geschützt werden.
Statement von Epstein-Überlebenden, 30.01.2026
Noch immer kenne die Öffentlichkeit nicht die ganze Wahrheit, etwa wer beteiligt gewesen sei und wer seit Jahren geschützt werde. Sie fordern Antworten von Justizministerin Pam Bondi - etwa wenn sie am 11. Februar vor dem Justizausschuss im Repräsentantenhaus aussagen wird.
Am Freitag überließ Bondi die Bühne ihrem Stellvertreter. Doch auch nach der Veröffentlichung von Millionen Daten wird die Epstein-Affäre für Donald Trump und die US-Regierung nicht verschwinden. Das Signal der Überlebenden ist mehr als deutlich:
Es ist noch nicht vorbei.
Statement von Epstein-Betroffenen, 30.01.2026
Beatrice Steineke ist Korrespondentin im ZDF-Studio Washington, D.C.
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