Epstein: Veröffentlichung der Akten stockt - Clintons im Fokus

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Epstein-Affäre:Veröffentlichung der Dokumente stockt - Streit um Clintons

"ZDF in Rostock": Beatrice Steineke

von Beatrice Steineke, Washington, D.C.

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In der Epstein-Affäre stockt die Veröffentlichung aller Dokumente. Schlagzeilen machen stattdessen Bill und Hillary Clinton. Warum ihnen nun eine Anklage droht.

In diesem vom US-Justizministerium freigegebenen Dokument ist zu sehen, dass die New Yorker Grand Jury Vorladungen zu den Ermittlungen gegen Jeffrey Epstein und Ghislaine Maxwell erlassen hat. Dahinter sind Seiten mit Schwärzungen

In der Epstein-Affäre hätten längst alle Dokumente veröffentlicht werden müssen. Schlagzeilen machen stattdessen die Clintons. Warum ihnen nun eine Anklage droht.

27.01.2026 | 1:16 min

Im Wahlkampf 2024 konnte sich Donald Trump eine Veröffentlichung der Epstein-Dokumente noch vorstellen: "Ich hätte kein Problem damit."

Im Amt wollte er nichts mehr davon wissen, bis er dann - nach massivem öffentlichem Druck - doch den Weg frei machte und einen Gesetzentwurf unterschrieb. Zum 19. Dezember 2025 hätte das US-Justizministerium "alle nicht als geheim eingestuften Aufzeichnungen, Dokumente, Mitteilungen und Ermittlungsmaterialien" im Fall Epstein herausgeben müssen.

Laut Gesetzestext muss Justizministerin Pam Bondi "nicht später als 30 Tage nach Verabschiedung" des Gesetzes "alle nicht als geheim eingestuften Aufzeichnungen, Dokumente, Mitteilungen und Ermittlungsmaterialien, die sich im Besitz des Justizministeriums befinden" veröffentlichen. Dies gilt ebenfalls für Unterlagen der Bundespolizei FBI und der Staatsanwälte.

Das umfasst Dokumente zu dem verurteilten Sexualstraftäter Epstein, der bis zu seinem Tod in einer New Yorker Gefängniszelle 2019 jahrelang Mädchen und junge Frauen missbraucht und an Prominente vermittelt haben soll.

Zudem sollen Akten über seine Komplizin Ghislaine Maxwell öffentlich gemacht werden, die seit ihrer Verurteilung 2022 eine 20-jährige Haftstrafe absitzt. Maxwell hatte im Prozess detailliert über Epsteins Beziehungen zu Größen aus Politik und Gesellschaft berichtet. Vermutet wird allerdings, dass die Akten eine noch größere Verstrickung Prominenter zeigen, womöglich auch von Präsident Trump.

Nicht veröffentlichen muss Justizministerin Bondi laut dem Gesetzestext Informationen, die die Privatsphäre der Missbrauchsopfer einschränken, oder aber Bilder und Videos von Missbrauch. Die Namen und andere Angaben zu den Opfern dürften demnach geschwärzt werden, wie es bisher bereits bei veröffentlichten Dokumenten der Fall war. Ausnehmen kann Bondi zudem Material, das "eine aktive Bundesuntersuchung oder laufende Strafverfolgung gefährden würde".

Quelle: AFP


Anfang Januar schrieb Jay Clayton, Bundesstaatsanwalt Southern Districts of New York, an ein Gericht in New York, 12.285 Dokumente seien veröffentlicht - weniger als ein Prozent insgesamt.

Es gibt mehr als zwei Millionen Dokumente, die potenziell unter das Gesetz fallen und sich in verschiedenen Phasen der Prüfung befinden.

Jay Clayton, Bundesstaatsanwalt Southern District of New York

Weiter steht in dem Schreiben, welches auch Justizministerin Pam Bondi unterzeichnete, 500 Personen würden alle Akten genau prüfen, auch um die "Privatsphäre der Opfer zu schützen". Das könne noch mehrere Wochen dauern.

Während parteiübergreifend die Unterstützer des Epstein-Akten-Transparenz-Gesetzes prüfen, ob sie juristisch den Druck auf das Ministerium erhöhen können, sind Bill und Hillary Clinton in die Schlagzeilen geraten.

Die ZDF-Korrespondentin Claudia Bates ist live aus Waschington zugeschaltet

Der Umgang mit den Epstein-Akten spaltet die Republikaner. Die Veröffentlichung geht schleppend voran, berichtet Claudia Bates aus Washington.

25.12.2025 | 1:25 min

Warum waren Bill und Hillary Clinton zuletzt im Fokus?

Das House Oversight Committee im US-Repräsentantenhaus hatte den Ex-Präsidenten und die ehemalige Außenministerin und Präsidentschaftskandidatin im vergangenen Jahr vorgeladen. Die Clintons sollten vor dem Ausschuss aussagen, der den Fall Epstein untersucht.

Mitte Januar weigerten sie sich endgültig, auszusagen.

Jede Person muss selbst entscheiden, wann sie genug gesehen oder erlebt hat und bereit ist, für dieses Land, seine Prinzipien und seine Menschen zu kämpfen, ungeachtet der Konsequenzen. Für uns ist jetzt dieser Zeitpunkt gekommen.

Erklärung von Bill und Hillary Clinton, 13.01.2026

Bill und Hillary Clinton schrieben einen langen Brief an den Abgeordneten James R. Comer aus Kentucky, den republikanischen Vorsitzenden des Aufsichtsausschusses, in dem sie sich weigerten, vor dem Kongress auszusagen.

Bill und Hillary Clintons Brief an den republikanischen Vorsitzenden des House Oversight Committee, James R. Comer aus Kentucky.

Quelle: AP

In einem Schreiben erklärten sie, die Vorladungen seien politisch motiviert und rechtlich unwirksam. Andere Zeugen seien ebenfalls nicht gezwungen worden, vor dem Ausschuss zu erscheinen. "Wir haben versucht, Ihnen die wenigen Informationen zu geben, die wir haben", so Bill und Hillary Clinton.

Dazu der Vorsitzende des Ausschusses, Republikaner James Comer:

Kein Zeuge, weder ein Ex-Präsident noch ein Privatmann, darf sich vorsätzlich ohne Konsequenzen einer ordnungsgemäßen Vorladung des Kongresses widersetzen.

James Comer, Vorsitzender House Oversight Committee

Weigern sich Zeugen, ihrer Vorladung nachzukommen, missachten sie das Gericht. Es drohen bis zu 100.000 Dollar Strafe oder eine Gefängnisstrafe von maximal einem Jahr.

Epstein Akten

Wenige Tage nach der ersten Veröffentlichung von Epstein-Akten hatte die US-Regierung 8.000 weitere Dokumente veröffentlicht. Der Name von Präsident Trump soll darin öfter auftauchen.

23.12.2025 | 0:22 min

Wie wahrscheinlich ist eine Anklage?

Der erste Schritt zu einer Anklage gegen beide Clintons wurde - auch mit Stimmen von Demokraten - bereits beschlossen. Der Ausschuss stimmte mehrheitlich für Resolutionen, die bald die Abgeordneten im Repräsentantenhaus zu einer Abstimmung zwingen werden.

Für die Demokraten wird es dann heikel. Einige warfen Comer vor, er konzentriere sich nur auf erklärte "Feinde" von Trump. Auf Justizministerin Bondi werde kein Druck ausgeübt, mehr Akten herauszugeben.

Andere demokratische Politiker hatten für Sanktionen für die Weigerung der Clintons gestimmt. Es gehe auch darum, die Autorität des Kongresses zu schützen, hieß es.

  • Der US-Multimillionär Jeffrey Epstein soll jahrelang minderjährige Mädchen und junge Frauen sexuell missbraucht und zur Prostitution angestiftet haben. Der Investmentbanker war bereits 2008 wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger zu 13 Monaten Gefängnis verurteilt worden.
  • Epstein wurde am 10. August 2019 tot in seiner Zelle in einem New Yorker Gefängnis aufgefunden.
  • Eine Reihe von Frauen in den USA erhebt schwere Vorwürfe, denenzufolge Epstein sie auch an Freunde und Bekannte als "Sexsklaven" weiter vermittelt habe. Der britische Prinz Andrew soll einer von ihnen sein, was dieser aber vehement bestreitet.


David Rapallo, Jura-Professor an der Universität Georgetown, saß früher selbst als führender Demokrat im House Oversight Committee.

Obwohl es so aussehe, als würden die Clintons "herausgegriffen werden, während andere, wie beispielsweise der Generalstaatsanwalt, die gesetzlich vorgeschriebenen Informationen nicht vorgelegt haben: Ihre empfundene Ungerechtigkeit ist nicht unbedingt ein legitimer Grund, sich der Erfüllung einer gesetzlichen Verpflichtung zu verweigern".

Department Of Justice To Release Entirety Of The Epstein Files

Mit geleakten E-Mails lässt sich erstmals belegen, wie Jeffrey Epstein auch versuchte, Frauen aus dem deutschsprachigen Raum anzuwerben. Eine von ihnen hat mit dem ZDF gesprochen.

19.12.2025 | 2:50 min

Wie geht es weiter?

Sollte eine Mehrheit im Repräsentantenhaus für Sanktionen gegen Bill und Hillary Clinton stimmen, kann das US-Justizministerium tätig werden.

Mit Spannung war außerdem die Aussage von Ghislaine Maxwell erwartet worden. Wegen Sexhandels mit minderjährigen Mädchen verbüßt Epsteins ehemalige Partnerin eine 20-jährige Gefängnisstrafe. Sie wird vor dem House Oversight Committee im Repräsentantenhaus am 9. Februar unter Eid aussagen - virtuell.

Ihre Aussage wird allerdings wohl eine Formsache bleiben. Ihre Anwälte teilten mit: Sie werde von ihrem Recht Gebrauch machen, keine Fragen zu beantworten - außer der Ausschuss verspreche ihr Immunität. Danach sieht es aktuell nicht aus.

Auch nach ihrem errungenen Sieg, dem Epstein-Akten-Transparenz-Gesetz, geht der Kampf der Betroffenen um eine Aufklärung weiter - ohne zu wissen, wann wieder neue Dokumente ans Licht kommen werden.

Beatrice Steineke ist Korrespondentin im ZDF-Studio Washington, D.C.

Quelle: Mit Material von AP
Über dieses Thema berichtete ZDFheute am 27.01.2026 in dem Beitrag "Veröffentlichung der Epstein Dokumente stockt - Streit um Clintons" um 00:47 Uhr.

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