BBC: Senderchef tritt nach Kritik an Doku über Trump zurück

Großbritannien:Vorwürfe wegen Trump-Aussage: BBC-Chef Davie tritt zurück

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Seit Tagen gibt es in Großbritannien Vorwürfe gegen die BBC - wegen des Zusammenschnitts einer Trump-Rede und angeblicher Voreingenommenheit. Senderchef Davie trat nun zurück.

Tim Davie

Doppelter Rücktritt bei der BBC: Senderchef Davie und Nachrichtenchefin Turness gehen.

Quelle: AFP

Die BBC, die weltberühmte öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt Großbritanniens, steckt in einer tiefen Führungskrise: Senderchef Tim Davie ist am Abend ebenso zurückgetreten wie Deborah Turness, die für die BBC-Nachrichten verantwortlich ist.

Hintergrund ist unter anderem die Bearbeitung einer Rede von US-Präsident Donald Trump für die Sendung "Panorama".

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Davie: "Es wurden einige Fehler gemacht"

Er habe entschieden, die BBC nach 20 Jahren zu verlassen, sagte Davie. Diese Entscheidung habe er allein getroffen, er sei dankbar für die Unterstützung, auch in den vergangenen Tagen.

Die aktuelle Debatte sei zwar nicht der einzige Grund, habe aber zu seiner Entscheidung beigetragen. "Es wurden einige Fehler gemacht", und als Generaldirektor müsse er letztendlich die Verantwortung dafür übernehmen, sagte Davie. Die BBC müsse "immer offen, transparent und rechenschaftspflichtig sein".

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BBC wurde Voreingenommenheit vorgeworfen

Michael Prescott, ein ehemaliger externer Berater des Senders, hatte der BBC systematische Verstöße gegen die ihr gesetzlich vorgeschriebene Überparteilichkeit vorgeworfen. Prescott war bis zum Sommer für ein BBC-Kontrollgremium für redaktionelle Standards tätig.

Darauf hatte in der vergangenen Woche eine Kampagne vor allem konservativer und rechter Medien gegen die BBC begonnen, in die sich auch der ehemalige konservative Premierminister Boris Johnson eingeschaltet und Davies Rücktritt gefordert hatte.

Das für die BBC zuständige Ministerium für Kultur, Medien und Sport hatte dem Sender eine Frist bis Montag gesetzt, um zu Prescotts Vorwürfen Stellung zu nehmen. Kulturministerin Lisa Nandy hatte die Vorwürfe rund um die Fernseh-Doku zuvor als "äußerst schwerwiegend" bezeichnet. Zuletzt hatte die Zeitung "Daily Telegraph" über ein internes BBC-Dokument berichtet, das Fehler auflistete. Dabei ging es auch um Trump.

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Vorwurf: Trump-Aussagen für Doku verfälscht

Demnach waren in einer Sendung zwei Teile einer Rede Trumps vom 6. Januar 2021 so geschnitten, dass der Eindruck entstand, er habe zum Sturm auf das Kapitol in Washington aufgerufen. In der Dokumentation wurde Trump mit den Worten an seine Anhänger gezeigt: "Wir werden zum Kapitol hinuntergehen" und dass sie "kämpfen würden wie die Hölle".

In der unbearbeiteten Aufnahme der Rede sagt Trump an einer Stelle: "Wir werden zum Kapitol marschieren und unsere tapferen Senatoren und Abgeordneten im Kongress anfeuern." In einem deutlich späteren Abschnitt der Rede sagt Trump dann mit Blick auf das Wahlergebnis, es sei etwas schiefgelaufen, das könne nicht sein, "und wir kämpfen, kämpfen wie der Teufel". In der BBC-Dokumentation wurden die beiden Sätze direkt aneinandergefügt, sodass der Eindruck entsteht, Trump habe seine Anhänger direkt zum Sturm auf den Sitz des US-Kongresses aufgerufen.

Trump dankt dem "Telegraph" für Aufdeckung

Trump dankte in einem Post auf seiner Online-Plattform Truth Social dem "Telegraph" für die Aufdeckung der seiner Meinung nach "korrupten" Journalisten. "Das sind sehr unehrliche Menschen", die versucht hätten, Einfluss auf die Präsidentschaftswahlen zu nehmen, schrieb Trump. Zu allem Überfluss kämen sie aus einem anderen Land, "das viele als unseren wichtigsten Verbündeten betrachten. Was für eine schreckliche Sache für die Demokratie!"

Die BBC sah sich zudem Vorwürfen ausgesetzt, bei der Berichterstattung über den Krieg zwischen Israel und der Hamas sowie über Trans-Themen die politische Neutralität verletzt zu haben.

Rundfunkanstalt wurde vor 103 Jahren gegründet

Die BBC war vor 103 Jahren gegründet worden und hat - auch wegen der journalistischen Qualität - weltweiten Ruhm erlangt. Wie die Rundfunkanstalt auf die Rücktritte reagiert, blieb zunächst offen.

Marietta Slomka (l.) und Helene Reiner (r.) in "heute journal - der Podcast"

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Quelle: dpa, Reuters, KNA, AFP

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