Fortsetzung der Erfolgsserie:Ku'damm 77: "RAF, Drogentote und gleichzeitig Disco"
Auf "Ku'damm 63" folgt nun "Ku'damm 77", die Familiengeschichte überspringt 14 Jahre. Serien-Erfinderin Annette Hess erzählt, warum sie so schnell in die 70er Jahre wollte.
Wie entsteht der Zauber von "Ku’damm 77"? Die Doku blickt hinter die Kulissen, begleitet das junge Ensemble und zeigt, wie Geschichte lebendig wird.
27.12.2025 | 29:57 minZDFheute: Drei Monate Dreharbeiten liegen hinter dem Ku’damm-Team. Wie lief es mit der Fortsetzung der "Ku'damm-Serie"?
Annette Hess: Ich würde es als Erstes mal ein großes Geschenk nennen, dass eine Geschichte, die ich mir einsam am Schreibtisch ausdenke, zum Leben erweckt wird. Und dass ich diese gemeinsam mit Regisseur Maurice Hübner bis ins Detail gestalten kann, getragen von einem hochgradig motivierten Team und beseelt von einigen der begabtesten Schauspielerinnen und Schauspielern, die wir in Deutschland haben.
... ist eine mehrfach ausgezeichnete Drehbuch- und Romanautorin, u. a. erhielt sie den Grimme-Preis und zweimal den Deutschen Fernsehpreis. Zu ihren großen Erfolgen zählen die Serien "Weissensee", "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" und die "Ku’damm"-Reihe, aus der sie auch die beliebten Musicals mitentwickelte. Auch ihr Romandebüt "Deutsches Haus" wurde erfolgreich als Serie verfilmt.
ZDFheute: Die Geschichte endete bisher mit Ku'damm 63 - jetzt haben Sie einen großen Zeitsprung gemacht ins Jahr 1977. Warum?
A. Hess: Ich brauche für jede Geschichte und jede Staffel eine neue, frische Initialzündung. Einfach nur Schicksale weitererzählen, trägt nicht. Das wird dann soapig. Und mich hat der Gedanke fasziniert, dass Monikas Tochter jetzt so alt ist wie sie in der ersten Staffel: Ist Monika eine andere Mutter als Caterina vor 20 Jahren? Was verändert das in der Familienstruktur, wenn drei Generationen in einem Haus leben?
Alle Folgen von "Ku'damm 77" jetzt im ZDF-Streaming:
Berlin 1977: Die Schöllacks kämpfen um ihre Tanzschule – während alte Geheimnisse und neue Träume die Familie für immer verändern könnten.
27.12.2025 | 45:10 minUnd dann waren die End-Siebziger eine besondere Zeit in Deutschland. Die RAF und Drogentote bestimmten die Schlagzeilen, gleichzeitig kam Disco auf. Wie ein Phönix aus der Asche. Das Schillernde neben dem Grau. Christiane F. begann ihre Drogen-Karriere. Der Bahnhof Zoo ist ja auch nur 200 Meter Luftlinie von der Tanzschule Galant entfernt.
ZDFheute: Es gibt eine junge Generation der Schöllack-Frauen. Was war Ihnen da wichtig bei der Besetzung?
A. Hess: Nina Haun ist eine der besten Casterinnen, die wir haben. Entsprechend großartig war die Vorauswahl für das Casting. Natürlich haben wir zunächst bei Dorli und Friederike auf Ähnlichkeit mit ihren Müttern geachtet.
Aber beim Casting mussten dann auch die Dynamik überzeugen, das Zusammenspiel. Sonja Gerhardt hat mit verschiedenen Kandidatinnen für Dorli Szenen gespielt - bei Carlotta Bähre gab es dann keine Fragen mehr, da sahen wir definitiv Mutter und Tochter vor uns.
Die Dreharbeiten in der Tanzschule Galant sind gestartet – die 4. Staffel der ZDF-Erfolgsserie "Ku'damm" spielt diesmal im Jahr 1977. Mit dabei altbekannte Stars wie Sonja Gerhardt.
01.04.2025 | 2:37 minAuch kann ich mir niemand anderen als Marie Louise Albertine Becker als Tochter von Wolfgang von Boost (August Wittgenstein) und Helga (Maria Ehrich) vorstellen. Sie bringt, wie Carlotta eine wunderbar ungestüme Energie mit, die den Schöllackhaushalt ganz schön aufwirbelt.
ZDFheute: Es sind ja auch ihre ersten großen TV-Rollen.
A. Hess: Ich sitze oft vor Staunen mit offenem Mund da und denke: Was die können. Und wie gut die sind, auch auf ganz unterschiedliche Art und Weise. Carlotta Bähre etwa als Dorli hat eine hoch anspruchsvolle Rolle, ihre Figur geht durch Höhen und Tiefen, durch ein Tal der Tränen. Und das macht sie grandios.
Ku'damm 77 ist die vierte Staffel der Serie - bisher gab es Ku'damm 56, 59, 63
ZDFheute: Was sind die zentralen Themen?
A. Hess: Bei Ku'damm 77 stehen die Frauen im Mittelpunkt. Es geht um deren Selbstbestimmung, ihren Platz in der Gesellschaft, um sich verändernde Rollenbilder. Helgas Tochter Friederike möchte unbedingt Polizistin werden. Ein damals aberwitziger Wunsch. 1977 gab es zwar die ersten Frauen bei der Polizei in Berlin, aber nur vereinzelt. Und natürlich sind die ins Büro gesetzt worden. Sie waren auch keine Beamtinnen.
In 'Ku'damm' geht es um den Kampf um Gleichberechtigung - die wir noch nie hatten und die im Gegenteil gerade einen krassen Rollback erfährt.
ZDFheute: Sie haben in dieser Staffel einen neuen Kamera-Look eingeführt?
A. Hess: Meine ursprüngliche Idee war, die ganze Staffel als "Mockumentary" zu erzählen, also nur durch den Blick eines Dokumentarfilmteams auf die Serien-Familie Schöllack.
Daraus ist jetzt die Figur der Linda Müller geworden, die einen Dokumentarfilm dreht. Ein filmisches Element, das den erzählerischen und visuellen Kosmos enorm bereichert. Gleichzeitig denke ich auch immer ökonomisch, ich muss das Budget einhalten.
Das auf der Fernsehserie basierende Musical "Ku’damm 59", komponiert und produziert von Peter Plate und Ulf Leo Sommer, läuft in Berlin. Mit "Marie läuft Amok" geben die Darsteller schon mal einen Vorgeschmack im moma café.
16.04.2024 | 8:48 minDie Dok-Kamera macht zum Beispiel eine Sequenz möglich, die ich in den vorigen Staffeln am Ende immer aus den Büchern streichen musste: den Grenzübergang von West- nach Ostberlin. Den erleben wir jetzt durch eine versteckte Kamera. Ein kleiner Bildausschnitt bedeutet weniger Aufwand für die Ausstattung und damit weniger Kosten. Gleichzeitig wirkt es authentischer als jede Kulisse.
Das Interview führten Nadia Nasser und Stephanie Paersch aus dem Landesstudio Berlin.
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