Syrisches Gericht:Ex-Präsident Assad in Abwesenheit zum Tode verurteilt
Ein syrisches Gericht hat Baschar al-Assad zum Tode verurteilt, unter anderem wegen Mordes und Folter. Assad floh nach seinem Sturz nach Russland, das ihn bislang nicht ausliefert.
Kämpfer der Opposition zerreißen ein riesiges Porträt des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad in Aleppo, Syrien (Archivfoto)
Quelle: epaEin Gericht in Syrien hat den früheren Machthaber Baschar al-Assad in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Die Richter machten Assad in ihrem Urteil vom Dienstag für "Kriegsverbrechen" und "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" während des syrischen Bürgerkriegs verantwortlich.
Assad im Exil in Russland
Es handelt sich um das erste Urteil gegen Assad, der im Dezember 2024 von islamistischen Kämpfern gestürzt wurde und ins Exil in die russische Hauptstadt Moskau floh.
Ein Jahr nach dem Sturz des Assad‑Regimes: Viele Häuser sind noch immer zerstört, die Menschen suchen nach Normalität. Gibt es Hoffnung? Aus Damaskus berichtet Peter Theisen.
05.02.2026 | 10:24 minNeben Assad wurde auch sein Cousin Atef Nadschib zum Tode verurteilt. Nadschib, der vor Gericht anwesend war und bei der Urteilsverkündung in einer Häftlingsuniform in einem Käfig stand, gilt als früherer Chef für Sicherheit in der südlichen Stadt Daraa. Ihm wurden laut Anklage Verbrechen gegen das syrische Volk vorgeworfen, darunter "systematischer Massenmord" und willkürliche Verhaftungen.
Todesurteile gegen weitere Familienmitglieder Assads
In Daraa hatten 2011 die friedlichen Aufstände gegen Assad begonnen, nachdem Jugendliche regierungskritische Graffiti an die Wände ihrer Schule gesprüht hatten und festgenommen worden waren. Daraus entwickelte sich der fast 14-jährige Bürgerkrieg. Nadschib ist eine der wenigen Schlüsselfiguren der Assad-Regierung, die selbst in Syrien vor Gericht steht.
Auch Assads Bruder Mahir al-Assad sowie weitere Vertreter der gestürzten Regierung wurden in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Ihnen wurden vorsätzlicher und geplanter Mord sowie Folter mit Todesfolge zur Last gelegt.
Damaskus: Jubelschreie nach Urteilsverkündung
Vor dem Justizpalast in Damaskus versammelten sich während der Urteilsverkündung Dutzende Menschen. Nach dem Todesurteil gegen Nadschib brachen Jubel und Freudenschreie aus, wie ein dpa-Reporter vor Ort berichtete.
Ein paar Tausend Flüchtlinge aus Syrien sind mittlerweile wieder in ihre Heimat zurückgekehrt. Manche müssen, andere gehen freiwillig, weil sie dort eine bessere Perspektive für sich sehen.
08.08.2026 | 4:35 minEinige Menschen hielten Bilder von Personen hoch, deren Tod Nadschib vorgeworfen wird. Auch in Daraa hat es Augenzeugenberichten zufolge Freudenbekundungen gegeben.
Vollstreckung der Strafen unwahrscheinlich
Die Verfahren sind Teil einer Reihe von Prozessen gegen prominente Vertreter der früheren syrischen Assad-Regierung. Als die Rebellenallianz im Dezember 2024 kurz vor der Hauptstadt Damaskus stand, floh Machthaber Assad mit seiner Familie nach Russland.
Berichten zufolge soll sich sein jüngerer und als brutaler "Schlächter" bekannter Bruder Mahir ebenfalls nach Moskau abgesetzt haben. Bisher scheint eine Vollstreckung der Strafen unwahrscheinlich. Sollten sie jemals gefasst oder ausgeliefert werden, wartet auf sie in Damaskus umgehend der Strafvollzug oder ein neuer Prozess.
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