Rückkehr nach Syrien: Was Syrer in Deutschland davon halten

Rückkehr von Geflüchteten:Wer zurück nach Syrien will - und wer nicht

von Jakob Rhein

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In Deutschland leben mehr als 900.000 Syrer. Die Zahl derer, die freiwillig in ihr Heimatland zurückgehen, wächst zwar. Doch für viele kommt eine Rückkehr aktuell nicht in Frage.

Syrer in Deutschland

Mit dem Bürgerkrieg kamen viele Syrer nach Deutschland. Seit dem Ende des Assad-Regimes denken manche über eine Rückkehr nach. Wir begleiten einen Arzt, der eine schwere Entscheidung treffen musste.

08.07.2026 | 1:49 min

Drei Jahre ist es her: Damals kam Ghiyath Abdul Rahman mit großen Hoffnungen nach Deutschland. In seiner Heimat Syrien konnte der Frauenarzt nicht bleiben - aus Angst vor Verfolgung durch das Assad-Regime. Er entschied sich zur Flucht, von Libyen aus über das Mittelmeer nach Europa.

Seine Frau und seine drei Kinder wollte Ghiyath Abdul Rahman schnellstmöglich zu sich nach Deutschland holen: "Ich wollte hier leben, meinen Beitrag leisten und produktiv sein. Ich wollte als Arzt arbeiten", erzählt er rückblickend. Doch dann kam alles anders.

Keine Arbeitserlaubnis als Arzt, kein Familiennachzug

Denn: Der Familiennachzug wurde ausgesetzt, in seinem Beruf als Arzt konnte er nicht arbeiten. Erst wegen seines Status als Asylbewerber - später, weil er nicht die nötigen Sprachkenntnisse hatte. Vor Kurzem dann wurde sein Asylantrag abgelehnt.

So entwickelt sich die Beschäftigung von Syrerinnen und Syrern

ZDFheute Infografik

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Ghiyath Abdul Rahmans Traum von einem besseren und sicheren Leben für sich und seine Familie zerplatzte. Also entschied er sich vor wenigen Wochen für eine freiwillige Rückkehr nach Syrien - vor allem wegen seiner drei Kinder und seines schwerkranken Vaters:

Wenn meinen Kindern oder meinem Vater etwas passiert, oder er stirbt. Ich würde mir das niemals verzeihen. Ich fühle mich verantwortlich.

Ghiyath Abdul Rahman, syrischer Arzt

Mittlerweile ist Ghiyath Abdul Rahman zurück in Syrien. Am 15. Juli ist er aus Deutschland ausgereist.

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Seit dem Machtwechsel in Syrien vor eineinhalb Jahren sind die Anerkennungsquoten für syrische Asylbewerber deutlich gesunken. Gleichzeitig steigt die Zahl derer, die sich genau wie Ghiyath Abdul Rahman dazu entscheiden, freiwillig zurückzugehen - oder es sich zumindest vorstellen können.

Das merken sie auch bei der Zentralen Rückkehrberatung Nordbayern in Nürnberg. Dort informieren und beraten sie Menschen, die über eine freiwillige Rückkehr in ihr Heimatland nachdenken. "Mittlerweile sind Syrer die größte Gruppe an Menschen, die zu uns in die Beratung kommen", sagt Katharina Hefner, stellvertretende Leiterin der Beratungsstelle.

Syrien-Rückkehr nach Assads Sturz

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Zahlen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) zufolge sind im vergangenen Jahr insgesamt 16.576 Menschen freiwillig in ihr Heimatland zurückgegangen, davon 3.678 nach Syrien. Tatsächlich dürfte die Zahl aber höher liegen. Denn die Statistik enthält nur die Menschen, deren Rückkehr finanziell gefördert wurde. Die Bundesregierung ging in einer Antwort auf eine "Kleine Anfrage" der AfD zum Stichtag 31. Oktober 2025 von insgesamt rund 6.500 ausgereisten Syrern aus.

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Deutschland zahlt Reisekosten und Startgeld für Rückkehrer

Deutschland bietet Syrern, die das Land freiwillig verlassen, eine finanzielle Unterstützung:

  • Die Reisekosten werden bezahlt, dazu gibt es 1.000 Euro für Erwachsene als eine Art Starthilfe in der Heimat.
  • Unter 18-Jährige erhalten 500 Euro.
  • Familien erhalten maximal 4.000 Euro.
  • Unter Umständen werden auch medizinische Unterstützungsleistungen übernommen (maximal 2.000 Euro für bis zu drei Monate nach Ankunft).

Andere Länder zahlen zum Teil deutlich höhere Rückkehrprämien. In Dänemark bekommen Syrer, die freiwillig zurückgehen, umgerechnet bis zu 27.000 Euro.

Überlegungen, die Förderung in Deutschland zu erhöhen, gab es zuletzt auch in Teilen der Union. Das CSU-geführte Bundesinnenministerium teilt auf ZDF-Anfrage aber schriftlich mit: "Bezüglich einer Erhöhung der Förderung gibt es keinerlei Festlegungen oder Entscheidungen".

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Bei der Zentralen Rückkehrberatung Nordbayern bezweifeln sie, dass eine höhere finanzielle Unterstützung automatisch zu mehr Rückkehrern führt. Die Prämie werde zwar "dankend angenommen", sagt Katharina Hefner: "Aber es ist nicht der Grund, warum sich Menschen überhaupt dazu entscheiden, nach Syrien zu gehen." Ihrer Beobachtung nach spiele eine größere Rolle, wie gut man in Deutschland integriert sei.

Rückkehr auch eine Frage der Integration

Für die, die sich in Deutschland wohlfühlen, die Sprache beherrschen, ist eine Rückkehr oft weniger attraktiv. Das sieht auch Mohsen al Ramadan so. Er selbst war sieben, als er mit seiner Familie aus Syrien nach Deutschland floh.

Mittlerweile ist er 18, hat einen Aufenthaltsstatus und geht in München zur Schule. Eine Rückkehr nach Syrien kommt für ihn gerade nicht in Frage:

Ich bin hier aufgewachsen in Deutschland. Mir liegt auch ein bisschen was an Deutschland und ich möchte die Chancen nutzen, die mir Deutschland gibt.

Mohsen al Ramadan, floh mit sieben Jahren aus Syrien

In Syrien sehe er für sich erst einmal keine Perspektive. Anders sehe das bei seinen Eltern aus. Sein Vater sei bereits nach Syrien zurückgegangen - und auch seine Mutter sei hier in Deutschland viel weniger verwurzelt als er selbst: "Meine Mutter kennt hier nicht so viele Leute", sagt al Ramadan.

Deswegen wünsche er ihr, dass auch sie irgendwann zurück zu ihrer Familie und ihren Freunden nach Syrien gehen könne: "Ich will nicht, dass sie einsam stirbt".

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Jakob Rhein ist Reporter im ZDF-Studio München.

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Über dieses Thema berichtete "heute in deutschland" am 08.07.2026 ab 14:00.

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