Syrien nach Assad - die schwere Rückkehr

Zwischen Konflikten und Wiederaufbau:Syrien nach Assad - die schwere Rückkehr

Peter Theisen

von Peter Theisen

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Mehr als ein Jahr ist es her, dass Syriens Diktator Assad gestürzt wurde. Während im Nordosten der Konflikt mit den Kurden schwelt, sucht der Rest des Landes Wege zur Normalität.

Syria Clashes

Nach dem Sturz des Assad‑Regimes hoffen viele Menschen auf einen Neustart. Doch zerstörte Städte und Mangel an Lebensnotwendigem prägen den Alltag. Aus Damaskus berichtet Peter Theisen.

27.01.2026 | 4:44 min

Nach dem Überqueren der Grenze vom Libanon nach Syrien ist man erst einmal erstaunt. Der Verkehr wird dünner, die gut ausgebaute Straße runter nach Damaskus ist gut in Schuss, von Kriegsschäden ist zunächst nicht viel zu sehen.

Man passiert Dörfer, die idyllisch an Berghängen kleben. Damaskus selbst präsentiert sich als eine Mischung aus stolzen, herrschaftlichen Bürgerhäusern und sozialistisch geprägter Tristesse. Arm, aber nicht elend.

Assad ließ Stadtteil komplett zerstören

Um letzteres zu erleben, muss man schon ein Stück rausfahren, zum Beispiel nach Dschubar. 300.000 Menschen lebten hier mal - jetzt stehen nur noch die Gerippe der Gebäude. Der ehemalige syrische Machthaber Baschar al-Assad, der 2024 gestürzt wurde, ließ den Stadtteil nach und nach komplett zerstören, weil hier viele Anhänger der Opposition vermutet wurden.

Als alle weg waren, ließ Assads Bruder noch die Stahlträger aus den Ruinen reißen und verkaufte sie mit großem Gewinn. Kein Wunder, dass Außenminister Johann Wadephul (CDU) hier seinen berühmten umstrittenen Satz sagte.

Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) spricht während einer gemeinsamen Pressekonferenz im Auswärtigen Amt mit der Außenministerin des Vereinigten Königreichs.

Außenminister Wadephul hält an seinen Aussagen zur Lage in Syrien fest. Er bezweifelte eine freiwillige Rückkehr vieler Flüchtlinge. Dafür erntete er Kritik aus den eigenen Reihen.

20.11.2025 | 0:26 min

Ein bisschen Gemüse in einer Steinwüste

In absehbarer Zeit scheint hier wirklich kein menschenwürdiges Leben möglich zu sein, meint man beim Laufen durch Dschubar. Bis plötzlich zwei Männer auf einem Moped entgegenkommen. Abu Baschar und sein Sohn. Sie seien sofort nach dem Sturz Assads hierher zurückgekehrt. Gerne wollen sie zeigen, wie sie leben.

Nach ein paar Kurven durch die Steinwüste kommen wir an. Schutt wurde beiseitegeräumt, um ein bisschen Gemüse anzupflanzen - das einzige Grün weit und breit. Die Außenwände stehen, ein kleiner Innenhof, eine winzige Küche. Wäre es nicht so kalt, man könnte sich fast wohlfühlen, schnell wird den Gästen Tee serviert.

Menschen schwenken syrische Flaggen bei einer Feier zum ersten Jahrestag des Sturzes des ehemaligen Präsidenten Baschar al-Assad in Damaskus, Syrien, am Montag, dem 8. Dezember 2025.

Vor einem Jahr beendete eine Offensive nach fast 14 Jahren Bürgerkrieg die Assad-Herrschaft in Syrien. Doch die Lage ist weiterhin instabil, viele Orte sind stark zerstört.

08.12.2025 | 1:50 min

Der Blick nach oben in den strahlend blauen kalten Himmel. Nur ein Raum ist überdacht, da schläft die ganze Familie, sechs Personen. Trotzdem wollen sie hier bleiben, hier brauchen sie keine Miete bezahlen. Die war in ihrem Fluchtort bei Idlib für sie unbezahlbar geworden.

Abu Baschar verdient ein bisschen Geld mit kleineren Handwerksarbeiten in Damaskus. Es reicht gerade so fürs Überleben. Trotz allem wirkt die Familie fast fröhlich. Man sei wieder frei - das sei das Wichtigste.

Positive Äußerungen zu Syriens Übergangsregierung

Weiter geht es Richtung Homs, kurzer Halt an einer Raststätte. Der Gastraum ist voll, vielleicht ein guter Querschnitt der syrischen Bevölkerung. Araber in Stammestracht, deren Frauen wir nicht filmen dürfen. Ein Ehepaar, er ist Händler, hat damit gar kein Problem. Die Frau gibt gerne Auskunft.

Zwei kleine Jungen vor Trümmern von Häusern in Syrien, daneben großes gelbes a

Ein Jahr nach Assads Sturz: ZDF-Korrespondentin Golineh Atai reist durchs Land, trifft Menschen, die auf einen Neuanfang hoffen. Sie fragt: Wann wird Frieden möglich sein?

04.12.2025 | 32:00 min

In Europa gebe es Befürchtungen, dass unter dem Übergangspräsidenten Ahmed Al-Scharaa, ehemaliger Islamisten-Chef, die Frauen bald zu leiden hätten. Das glaube sie nicht, sagt sie, bisher werde man unter der neuen Regierung sehr gut behandelt. Ob sie nicht denke, dass sie demnächst den Hijab, das Kopftuch, in der Öffentlichkeit tragen müsse? "Nein", meint sie, "ganz bestimmt nicht".

Auch die anderen Gäste äußern sich durchweg positiv über die Übergangsregierung. Vorher habe es Terror, Einschüchterung, Unfreiheit gegeben. Nun sei alles auf dem Weg zum Guten. Vielleicht auch nur eine Zufallsaufnahme.

Ein Stück Freiheit - hart errungen

Aber auch als Reporter fühlt man sich nicht unwohl in Syrien. Sicher gibt es immer wieder Checkpoints, an denen bewaffnete Männer ohne Uniform stehen. Das wirkt irritierend, doch sie behandeln uns höflich. Und niemand stört uns bei der journalistischen Arbeit. Das ist in vielen anderen arabischen Ländern anders. Ein Stück Freiheit, hart errungen.

Angesichts der vielen Konflikte im Land - mit Kurden, Alawiten, Drusen, Christen - wirkt alles noch sehr fragil. Die Übergangsregierung in Damaskus will Syrien einen.

ZDF-Reporter Peter Theisen in Damskus

Im Kurdengebiet seien Tausende Menschen auf der Flucht, dem neuerlichen Waffenstillstand sei nicht ohne Weiteres zu trauen, berichtet ZDF-Reporter Peter Theisen aus Damaskus.

20.01.2026 | 6:41 min

Doch kann man Präsident Ahmed al-Scharaa, dem ehemaligen Führer der islamistischen Al-Nusra-Front, wirklich vertrauen? Sind seine staatsmännischen Gesten, seine auf Versöhnung abzielenden Worte reine Strategie, um sich die Macht im Land zu sichern? Oder hat er sich wirklich gewandelt vom Terroristen zum Demokraten? Vor allem von ihm hängt nun ab, ob Syrien der Aufbruch in eine bessere Zukunft gelingt.

Über das Thema berichtete das ZDF in mehreren Sendungen, zuletzt im Mittagsmagazin in dem Beitrag "Mima-Reporter: Syrien nach Assad" am 27.01.2026 um 15:55 Uhr.
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  3. Auf diesem am 19. Dezember 2025 veröffentlichten Foto der US-Armee, aufgenommen an einem nicht genannten Ort am 18. Dezember 2025, bereiten US-Luftwaffensoldaten das Verladen von GBU-31-Munitionssystemen auf F-15E-„Strike Eagle“-Jets im Verantwortungsbereich des US-Zentralkommandos zur Unterstützung der Operation „Hawkeye Strike“ vor. US-Streitkräfte griffen am Freitag mehr als 70 Ziele der Terrormiliz „Islamischer Staat“ in Syrien an. Präsident Donald Trump bezeichnete dies als „sehr ernste Vergeltung“ für einen Angriff, bei dem am vergangenen Wochenende drei US-Amerikaner getötet worden waren.

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