Syrien: Armee erklärt Einsatz in Aleppo für beendet

Kurden widersprechen Darstellung:Syrien: Armee erklärt Militäreinsatz in Aleppo für beendet

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Das syrische Militär hat Aleppo nach eigenen Angaben vollständig unter Kontrolle gebracht. Laut kurdischen Milizen dauern die Gefechte in der zweitgrößten Stadt des Landes aber an.

Ein syrischer Militärpolizist bewacht das Viertel Sheikh Maqsoud, wo es am Samstag, dem 10. Januar 2026, in der nordsyrischen Stadt Aleppo zu Zusammenstößen zwischen Regierungstruppen und kurdischen Kämpfern gekommen ist.

Syriens Armee hat Aleppo nach eigenen Angaben vollständig unter ihre Kontrolle gebracht. Kurdische Milizen dementieren die Angaben. Bei den Gefechten wurden mindestens 22 Menschen getötet.

10.01.2026 | 0:24 min

Nach tagelangen Kämpfen mit kurdischen Truppen in der syrischen Stadt Aleppo hat die syrische Armee nach eigenen Angaben die gesamte Stadt wieder unter ihre Kontrolle gebracht. Reporter der Nachrichtenagenturen AFP und AP hörten jedoch auch am Samstagnachmittag weiterhin Schüsse im umkämpften Stadtteil Scheich Maksud. Kurdische Kämpfer dementierten zudem die Angaben der Armee.

Truppen der syrischen Übergangsregierung und kurdische Kämpfer lieferten sich seit Dienstag Gefechte in Aleppo. Beide Seiten gaben sich gegenseitig die Schuld an der Gewalteskalation, bei der mindestens 22 Menschen getötet wurden. Nach Angaben von Gouverneur Assam al-Gharib flohen bis Samstag rund 155.000 Bewohner der betroffenen Viertel Scheich Maksud und Aschrafijeh in andere Stadtteile oder aufs Land.

Syrien, Aleppo: Syrische Regierungstruppen übernehmen das Viertel Achrafieh von kurdischen Kämpfern während der anhaltenden Kämpfe, die am Dienstag in einem umkämpften Gebiet der nördlichen Stadt Aleppo ausgebrochen sind.

In Aleppo gibt es seit Tagen Gefechte zwischen Truppen der Übergangsregierung und kurdischen Kämpfern.

09.01.2026 | 0:25 min

Kurden: Angaben der syrischen Armee "völlig falsch"

In einer von der Nachrichtenagentur Sana verbreiteten Erklärung verkündete die Armee am Samstagnachmittag den Abschluss sämtlicher Militäraktionen in Scheich Maksud. Die dort verbliebenen kurdischen Kämpfer würden in die von Kurden kontrollierte Stadt Takaba im Nordosten des Landes "transferiert", hieß es.

Kurdische Kämpfer bezeichneten die Armee-Angaben über eine Einstellung der Kämpfe als "völlig falsch". Die kurdischen Einheiten seien weiterhin dabei, "einen gewaltsamen Angriff" abzuwehren, zitiert die Nachrichtenagentur AFP aus der Erklärung.

Ein Symbolbild der Zerstörung in Syrien

In Syrien ist es auch im Dezember zu Auseinandersetzungen zwischen Regierungstruppen und kurdischen Kämpfern gekommen.

23.12.2025 | 0:26 min

Umkämpfte Stadtviertel überwiegend von Kurden bewohnt

Die Kämpfe in der zweitgrößten Stadt des Landes hatten begonnen, nachdem Bemühungen zur Eingliederung der de facto autonomen Kurden-Verwaltung und ihrer Armee in die neue syrische Übergangsregierung im Sande verlaufen waren. In der Nacht zum Freitag hatte das Verteidigungsministerium eine Waffenruhe verkündet, die Kurden-Kämpfer hatten ein Niederlegen der Waffen jedoch abgelehnt.

Seit dem Sturz des syrischen Langzeit-Machthabers Baschar al-Assad im Dezember 2024 wird das im Nordwesten des Landes gelegene Aleppo weitgehend von der neuen Übergangsregierung kontrolliert. Nur die mehrheitlich von Kurden bewohnten Stadtviertel Scheich Maksud und Aschrafijeh standen zuletzt noch unter der Kontrolle kurdischer Einheiten.

Menschen schwenken syrische Flaggen bei einer Feier zum ersten Jahrestag des Sturzes des ehemaligen Präsidenten Baschar al-Assad in Damaskus, Syrien, am Montag, dem 8. Dezember 2025.

Vor einem Jahr beendete eine Offensive nach fast 14 Jahren Bürgerkrieg die Assad-Herrschaft in Syrien. Doch die Lage ist weiterhin instabil, viele Orte sind stark zerstört.

08.12.2025 | 1:50 min

Streit über Eingliederung kurdischer Institutionen

Gemäß einem im März geschlossenen Abkommen sollten die zivilen und militärischen Institutionen der Kurden eigentlich bis zum Jahresende 2025 in die syrische Zentralregierung und Armee integriert werden. Zudem hatten die kurdischen Kämpfer zugestimmt, sich aus den beiden Stadtvierteln in Aleppo zurückzuziehen. Beides wurde jedoch wegen Meinungsverschiedenheiten nicht umgesetzt.

Seit Assads Sturz hat die Sorge um die Rechte und die Sicherheit von Minderheiten in Syrien zugenommen. Der Regierung in Damaskus mit dem früheren Dschihadisten Ahmed al-Scharaa an der Spitze wird vorgeworfen, Minderheiten wie Alawiten, Drusen und Kurden nicht ausreichend zu schützen.

Quelle: AFP, AP
Über dieses Thema berichtete ZDFheute Xpress in dem Beitrag "Syriens Armee verkündet Kontrolle über Aleppo" am 10.01.2026 um 14:50 Uhr.
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