Schüsse in Jugendeinrichtung:Sechs Tote in Stade - Motiv vermutlich Sorgerechtsstreit
Durch Schüsse in einer Jugendhilfeeinrichtung im niedersächsischen Stade starben mindestens sechs Menschen. Die Polizei vermutet als Motiv einen Sorgerechtsstreit.
Durch Schüsse sind in einer Mutter-Kind-Einrichtung im niedersächsischen Stade sechs Menschen getötet und mehrere teils schwer verletzt worden. Der mutmaßliche Schütze wurde festgenommen.
29.06.2026 | 1:04 minBei Schüssen in einer Jugendhilfeeinrichtung in Stade in Niedersachsen sind sechs Menschen Menschen getötet worden. Ein Tatverdächtiger wurde festgenommen. Das Motiv für die Tat war vermutlich ein Sorgerechtsstreit, wie die Lüneburger Polizeipräsidentin Kathrin Schuol auf einer Pressekonferenz sagte.
Sechs Menschen wurde bei einem Angriff in Stade getötet. In einer Pressekonferenz nennen die Ermittler erste Details. Wer war der mutmaßliche Täter? Und wer die Opfer? Was bisher bekannt ist.
29.06.2026 | 19:11 minSehen Sie hier die Pressekonferenz in voller Länge.
Alle Todesopfer Mitarbeitende der Jugendeinrichtung
Beim Verdächtigen handelt es sich demnach um einen in Deutschland geborenen, 45-jährigen Mann mit türkischen Wurzeln aus dem Raum Hannover. Er sei am Montag im Zusammenhang mit einer "Sorgerechtssache" in der Einrichtung gewesen, in der seine dreimonatige Tochter und die Kindsmutter untergebracht gewesen seien, sagte Schuol. Bei allen Todesopfern handele es sich um Mitarbeitende der Jugendeinrichtung.
Gegen den Mann lägen polizeiliche Erkenntnisse vor, unter anderem aus dem Bereich der Bedrohung, führte Schuol aus. Sie betonte aber, er habe bislang nicht als "absolut gewalttätig" im polizeilichen System gegolten. Woher der Tatverdächtige die Waffe hatte und ob mehrere Waffen eingesetzt wurden, ist der Polizei zufolge noch unklar. Er habe keine Erlaubnis zum Führen einer Waffe gehabt.
ZDF-Reporterin Svenja Bergerhoff berichtet über die Tat in Stade.
29.06.2026 | 1:11 minTochter des Verdächtigen und ihre Mutter unverletzt
Das Kind des Verdächtigen und die Kindsmutter blieben unverletzt, wie Schuol weiter sagte. Der mutmaßliche Schütze wurde kurz nach der Tat festgenommen. Er war in einem von einer Frau gesteuerten Auto auf der Flucht, als er von Polizisten gefasst wurde. Auch die mutmaßliche Fahrerin wurde festgenommen. Die Staatsanwaltschaft Stade will am Dienstag über die Beantragung von Haftbefehlen entscheiden.
Die Polizei richtete ein Hinweisportal ein. Über eine Website können Zeuginnen und Zeugen Hinweise sowie Fotos oder Videos direkt an die Ermittlerinnen und Ermittler übermitteln, wie die Polizei mitteilte. "Jeder Hinweis kann für die laufenden Ermittlungen von Bedeutung sein", hieß es.
Niedersachsens Innenministerin: "Extrem kaltblütige Gewalttat"
Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens (SPD) sprach von einer "extrem kaltblütigen Gewalttat". Es sei ein "entsetzlicher Tag für Stade und für ganz Niedersachsen". Sechs Menschen seien "auf brutale Weise aus dem Leben gerissen" worden, erklärte sie. Das verursachte Leid sei "schwer zu begreifen und noch schwerer in Worte zu fassen".
Meine Gedanken sind bei den Opfern, bei ihren Familien und Freunden und all denen, die diese brutale Tat heute miterleben mussten.
Daniela Behrens, Innenministerin von Niedersachsen
Die Gewalttat werde Stade lange beschäftigen "und sie wird auch Spuren hinterlassen. Nicht nur bei denen, die betroffen sind oder einen geliebten Menschen verloren haben."
Steinmeier: "Ich bin tief erschüttert"
Die Tat löste bundesweit Entsetzen aus. "Ich bin tief erschüttert über das Ausmaß der Gewalt in einem Raum, der Schutz geben soll", erklärte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Berlin. "Meine Anteilnahme gilt den Angehörigen der Toten und Verletzten, die so viel Schmerz ertragen müssen." Sein Dank gehe an alle Einsatzkräfte und Ärzte.
Als "erschütternd" bezeichnete auch Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) das Geschehen. Die Tat mache "die gesamte Landesregierung tief betroffen", erklärte er in Hannover. Zugleich bat er darum, "jetzt keine voreiligen Schlüsse zu ziehen und den Ermittlungen den nötigen Raum zu geben". Es sei "die Zeit für Trauer, Anteilnahme und sachliche Ermittlungsarbeit und nicht für Spekulationen und Verunsicherung".
Merz "erschüttert bis ins Mark"
Bundeskanzler Friedrich Merz hat nach den tödlichen Schüssen in einer Jugendhilfeeinrichtung im niedersächsischen Stade sein Mitgefühl ausgedrückt. "Die Nachricht aus Stade erschüttert bis ins Mark", schrieb der CDU-Politiker auf der Plattform X.
Viele Menschen, "die helfen und schützen wollten", hätten ihr Leben verloren oder seien verletzt worden."Mein Mitgefühl gilt den Opfern und ihren Angehörigen", schrieb Merz weiter. Zudem dankte er den Polizistinnen und Polizisten "für ihren schnellen Einsatz".