Kinder im Visier von Online-Sadisten :"Das Smartphone ist das ultimative Tatmittel"
von Alexandra Hardorf und Christiane Schwarz
"White Tiger" aus Hamburg ist nur ein Täter des weltweiten Netzwerks 764. Kinder können mit wenigen Klicks Opfer von Cybergroomern auf Plattformen wie Instagram oder Roblox werden.
In Hamburg entdecken FBI-Ermittler einen Jugendlichen, der gezielt andere Jugendliche manipuliert. Sie informieren deutsche Behörden und stoßen auf ein Sadistennetzwerk. Folge 1 der dreiteiligen "Spur"-Doku "White Tiger und das Sadisten-Netzwerk 764".
29.04.2026 | 29:07 minIn Hamburg steht ein 20-Jähriger vor Gericht, dem die Anklage insgesamt 204 Straftaten vorwirft, darunter gefährliche Körperverletzung in mittelbarer Täterschaft, sexueller Missbrauch von Kindern, das Herstellen von Kinderpornografie bis hin zum Mord. Der Beschuldigte "White Tiger" ist kein Einzeltäter, sondern Teil eines weltweit agierenden Netzwerks namens 764.
"Die meisten von ihnen leben extrem onlinezentriert. Teilweise so stark, dass sie weitgehend vom sogenannten realen Leben isoliert sind", berichtet Matthew Kriner, Experte für digitalen Extremismus. Die Täter seien in Gruppen organisiert. Sie teilten Methoden untereinander mit dem Ziel, maximalen Schaden an den Schwächsten der Gesellschaft anzurichten - schutzlosen Kindern.
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29.04.2026 | 0:28 minTäter und Opfer im Alter von elf Jahren
Die Opfer müssen unter anderem Selbstverletzungen oder Tierquälerei filmen und den Tätern zur Verfügung stellen, berichten Ermittler. Je grausamer die Inhalte seien, die Groomer von ihren Opfern erpressen und online teilen, desto angesehener seien sie innerhalb des Netzwerkes. "Das Smartphone ist das ultimative Tatmittel", analysiert Psychologin Julia von Weiler.
Rund um die Anklage gegen White Tiger standen Ermittler vor besonderen Herausforderungen, das Netzwerk 764 zu erfassen: "Es waren Täter ab elf Jahren, die entsprechend sich auch sehr schwache Opfer suchten, häufig in einer psychisch noch instabilen Phase ihres Lebens", berichtet Jan Hieber, Leiter des LKA Hamburg.
Und auch diese Opfer waren ab dem Alter von elf Jahren. Das ist uns bisher so noch nicht untergekommen.
Jan Hieber, Leiter des LKA Hamburg
Die Gefahr ist direkt im Kinderzimmer, ohne dass Eltern sie erkennen: Täter nutzen Games, Chats und soziale Netzwerke, um Kinder in Abhängigkeit zu ziehen - Folge 2 der "Spur"-Doku "White Tiger und das Sadisten-Netzwerk 764".
24.04.2026 | 30:49 minTäter sind schnell, Eltern oft überfordert
Im Fall von "White Tiger", wie sich der Hamburger Angeklagte selbst online nannte, hatte wohl die Corona-Pandemie einen erheblichen Einfluss. Der Vater des Beschuldigten berichtete in der Presse, dass sein Sohn von morgens bis abends online gewesen sein soll.
Eltern ahnen oft nicht, was auf den Geräten ihrer Kinder vor sich geht. Viele sind überfordert damit, alle Online-Aktivitäten zu überwachen. Die Spur-Recherche zeigt: Täter arbeiten in Stunden, nicht Tagen. Jay aus Gig Harbor soll in nur einer Nacht von "White Tiger" und einem von ihm manipulierten Mädchen in den Suizid getrieben worden sein. Während Täter die Algorithmen verstanden haben, ergreifen die meisten Plattformen nur zögerlich Schutzmaßnahmen.
- Nicht nur überwachen, sondern im Dialog bleiben - Kinder müssen wissen, dass sie vertrauensvoll berichten können
- Interesse zeigen und verstehen, welche Plattformen für welche Altersgruppen geeignet sind
- Anregung an Schulen - Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen intensiver stärken
Hilfe bei Suizidgedanken
Es gibt Hilfe, auch in scheinbar ausweglosen Situationen. "Ich weiß nicht mehr weiter", "Ich kann nicht mehr": Wenn Ihre Gedanken darum kreisen, sich das Leben zu nehmen, versuchen Sie unbedingt, mit jemandem darüber zu sprechen - egal, ob Familie, Freunde oder Menschen, die sich auf diese Themen spezialisiert haben.
Schnelle Hilfe: Telefonseelsorge (0800 111 0 111), Nummer gegen Kummer (116 111), im Notfall Polizei (110) oder Rettungsdienst (112) anrufen!
Die Gesellschaft für Suizidprävention führt eine Übersicht der Angebote auf ihrer Webseite www.suizidprophylaxe.de.
Lass Dir helfen - Freunde fürs Leben ist ein Verein, der Jugendliche und junge Erwachsene über die Themen Suizid und seelische Gesundheit aufklärt.
Info-Telefon der Deutschen Depressionshilfe (0800 33 44 533) - im Netz unter: www.deutsche-depressionshilfe.de
Erst Aufmerksamkeit, dann Erpressung
Roblox, TikTok, Instagram: "Täter und Täterinnen gehen immer dorthin, wo sich Kinder und Jugendliche bewegen. Weil das Räume sind, in denen sie wahnsinnig gut Kontakt aufnehmen können mit Kindern und Jugendlichen", berichtet Psychologin und Kinderschutzexpertin Julia von Weiler. Auf Social-Media-Plattformen werden Kinder angesprochen und dann gezielt auf private Kanäle auf Discord oder Telegram eingeladen.
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02.04.2026 | 2:28 minWenn die Opfer ihrem Gegenüber vertrauen, wird das erste Erpressungsmaterial eingefordert. Ein Nacktfoto, ein persönliches Geheimnis. Die Drohung dahinter: Wenn du nicht mitmachst, teilen wir das mit deiner Klasse, deinen Eltern, deinen Followern. Die meisten Opfer schweigen aus Scham und machen mit - oder sie wechseln sogar die Seite und ziehen andere Jugendliche mit.
So ein Gewaltnetzwerk etabliert sich und wächst. Eine Art Schneeball oder Schneebälle werden irgendwann zu einer Lawine.
Julia von Weiler, Psychologin und Kinderschutzexpertin
Denn je mehr Opfer es gibt, desto mehr Anerkennung erfahren Groomer in Netzwerken wie 764.
Im Online-Netzwerk 764 setzen die Täter ihre Opfer sadistischen Quälereien aus. Sie drängen sie dazu, weitere Opfer zu rekrutieren, sich selbst und andere zu schädigen - Folge 3 der "Spur"-Doku "White Tiger und das Sadisten-Netzwerk 764".
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