Vor 45 Jahren wurden die Kronzucker-Kinder in Italien entführt

Drama in Italien :Vor 45 Jahren: Die Kronzucker-Entführung  

von Laura Ozdoba

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1980 sorgte ein spektakulärer Fall für Aufsehen: In der Toskana wurden die Töchter und der Neffe des Journalisten Dieter Kronzucker verschleppt. Heute vor 45 Jahren kamen sie frei.

45 Jahre Befreiung der Kronzucker Kinder

Was als Urlaub begann, nahm für die Kronzuckers ein tragisches Ende. Die Töchter und ihr Cousin wurden entführt. Vor 45 Jahren gelang die Rettung auf illegalem Weg.

30.09.2025 | 10:55 min

25. Juli 1980: Der Journalist Dieter Kronzucker und seine Familie wollten die Sommerferien mit Verwandten in der Idylle der toskanischen Weinberge verbringen. Sie hatten eine Ferienvilla auf einem Bauerngut gemietet, genossen das "Dolce Vita". Die Kinder spielten am Swimmingpool, als der Traumurlaub plötzlich zum Alptraum wurde.

Die Kronzucker-Kinder werden am Pool überfallen

Maskierte Männer überfielen die deutschen Urlauber mit Maschinenpistolen in den Händen, fesselten die Erwachsenen in einer alten Hütte und entführten drei der vier Kinder: die Schwestern Susanne und Sabine Kronzucker und ihren Cousin - Martin Wächtler. Der erinnert sich auch 45 Jahre später gegenüber ZDFheute noch gut an das Erlebte.

Wir wurden mitgenommen, ins Auto gepackt, sind danach durch den Wald gelaufen bis zum nächsten Morgen, bis wir dann in dem Zeltlager ankamen.

Martin Wächtler, Entführungsopfer 

Die Kinder wurden dann in Zelten im dichten Wald gefangen gehalten. Martin wurde angekettet und durfte seine Cousinen nur etwa zwei Stunden am Tag sehen. Essen bekamen die Kinder immerhin genug, zum Frühstück gab es Kekse mit Nutella - jeden Tag.

Dieter Kronzucker ist ein prominenter Journalist

Für die Eltern vergingen mehrere Tage ohne Lebenszeichen von Susanne, Sabine und Martin. Gleichzeitig stieg das Interesse der Öffentlichkeit an dem Fall immens. Es habe einen "großen medialen Hype" gegeben, sagt Christoph Classen vom Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam. So wurden etwa Hubschrauber gechartert, um Luftaufnahmen der Ferienvilla zu machen und über die möglichen Motive der Täter spekuliert.

kronzucker, dieter - leiter der sendereihe "heute journal"

Dieter Kronzucker hat das "heute journal" mitbegründet.

02.01.2018 | 4:29 min

Denn Dieter Kronzucker, der Vater der entführten Schwestern und Martin Wächtlers Onkel, ist zu der Zeit einer der bekanntesten Fernsehjournalisten Deutschlands. Von 1978 an arbeitete er beim ZDF und stand regelmäßig für das "heute-journal" vor der Kamera.

Plötzlich vom Reporter zum Gegenstand einer Reportage zu werden, ist auch nicht gerade das, was wir uns für hier gewünscht haben.

Dieter Kronzucker in einem ersten Interview nach der Entführung

Für die Familie Kronzucker war die Entführung eine Tortur

Unterdessen lief die Fahndung der Behörden auf Hochtouren. Die italienische Polizei vermutete früh, dass sardische Kriminelle hinter der Entführung stecken. Auch deutsche Diplomaten und das Bundeskriminalamt schalteten sich ein.

Offenbar vermuteten die Täter, dass sich in der Villa wohlhabende Menschen aufhielten und planten deren Entführung und Erpressung. Damals ein Geschäftsmodell krimineller Banden aus Sardinien.

Das Schweigen der Entführer lastete schwer auf den Familien. So wendete sich Renate Kronzucker, die Mutter der entführten Mädchen, schließlich im italienischen Fernsehen an die Entführer.

Sie können mein letztes Hemd haben. Sie sollen mir nur meine Kinder geben. 

Renate Kronzucker, Mutter der entführten Mädchen, 1980 im italienischen Fernsehen

Entführer fordern Lösegeld in Millionenhöhe

Nach 19 Tagen gab es endlich eine erste Nachricht der Kinder: Ein Brief, geschrieben von Susanne Kronzucker, adressiert an den damaligen Erzbischof von Florenz. Der Geistliche hatte sich zuvor als Vermittler angeboten. Auch das Lösegeldschreiben ging bei ihm ein.

Die Entführer forderten 2,3 Milliarden Lire, umgerechnet etwa 4,3 Millionen D-Mark (heute rund 2,2 Millionen Euro). Den Familien gelang es, die Summe zusammenzubekommen. Wie, bleibt bis heute unklar.

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Doch es stellte sich ein weiteres Problem: In Italien sind bis heute Lösegeldzahlungen gesetzlich verboten. Also musste das Geld ins Land und zu den Entführern geschmuggelt werden - mithilfe von drei BKA-Beamten, einem Journalisten und Freund Dieter Kronzuckers, sowie einem Priester. Auf diesem Wege erreichte das Geld die Entführer dann doch.

Die Presse stürzt sich auf die freigelassenen Geiseln

Dann endlich kamen die Kinder frei - nach 68 Tagen in Gefangenschaft, am 1. Oktober 1980. Nach der Freilassung der Kinder war das mediale Interesse an dem Fall weiterhin groß. In Boulevard-Zeitungen und Illustrierten erzählten die drei ihre Geschichte.

Die Entführung ist insofern kurios, als es dort Leute getroffen hat, die gar nicht wirklich reich waren.

Dr. Christoph Classen, Historiker

Drei der Täter wurden später verhaftet und von einem Gericht in Florenz zu Haftstrafen von bis zu 27 Jahren verurteilt. Lediglich den Kopf der sardischen Bande konnten die Ermittler nicht fassen.

Martin Wächtler sieht nach vorn

Martin Wächtler hat mit dem Erlebten seinen Frieden gemacht. Heute lebt er mit seiner Frau in der Schweiz, ist Vater von zwei Kindern.

Die Erfahrung an sich ist wirklich nicht schön. Aber andererseits gehört sie zu meinem Leben. Und das ist okay.

Martin Wächtler, Entführungsopfer

Seine Cousinen Susanne und Sabine Kronzucker sprechen nicht mehr öffentlich über die Entführung. Alle drei verbindet, auch heute noch ein spezielles Band, sagt Wächtler.

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