Halbjahresbilanz von Rückversicherer:Naturkatastrophen: Geringere Schäden - aber nur "Atempause"
Stürme, Erdbeben, Fluten: Naturkatastrophen haben im ersten Halbjahr geringere Schäden angerichtet als in den Vorjahren. Die Versicherungsbranche spricht von einer "Atempause".
Naturkatastrophen verursachten im ersten Halbjahr 2026 Schäden von 112 Milliarden Dollar, davon waren 44 Milliarden versichert. Laut Münchener Rück liegt das unter dem Schnitt der letzten Jahre.
30.07.2026 | 0:33 minNaturkatastrophen haben in diesem Jahr nach Angaben der Versicherungsbranche bisher geringere Schäden angerichtet als in den vergangenen Jahren. Der Rückversicherer Munich Re spricht in seiner Bilanz des ersten Halbjahres aber nur von einer "Atempause" und verweist auf die Folgen steigender Temperaturen.
In den ersten sechs Monaten zerstörten Naturkatastrophen nach Daten des Rückversicherers weltweit Werte von 112 Milliarden Dollar. Nur 44 Milliarden davon waren versichert. Das lag klar unter dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre, in denen 136 Milliarden Dollar an Werten vernichtet wurden und Versicherer und Rückversicherer 66 Milliarden zahlen mussten.
Nach einem Tornado im US-Bundesstaat Wisconsin vor wenigen Tagen war die Zerstörung groß: Mehr als 30.000 Menschen waren ohne Strom.
28.07.2026 | 0:36 min"Eher günstige Umstände" im ersten Halbjahr
Im ersten Halbjahr hätten "eher günstige Umstände" dazu geführt, dass nicht höhere Schäden verursacht wurden, erläutert der Chef-Klimaforscher der Münchener Rück, Tobias Grimm. Die Hälfte der versicherten Schäden entfiel allein auf schwere Unwetter in den USA, wo quasi traditionell hohe Schäden anfallen. "Wir hatten teilweise deutlich mehr solch schwerer Unwetterzellen, es gab auch deutlich überdurchschnittlich viele Tornados", so Grimm. "Aber diese trafen Gebiete, in denen es wenig versicherte Werte und damit geringe Sachschäden gab."
Zerstörerischste Naturkatastrophe des ersten Halbjahres war das Doppel-Erdbeben in Venezuela am 24. Juni mit mehreren tausend Toten. Nach ersten Schätzungen könnte sich der Gesamtschaden auf etwa 30 Milliarden Dollar summieren, davon waren aber weniger als eine Milliarde versichert.
In Venezuela wurden nach dem Erdbeben 2.000 Tote gemeldet.
01.07.2026 | 0:20 minHitze "unsichtbare Gefahr"
Das "stärkste Klimasignal" im ersten Halbjahr war extreme Hitze, erklärt Grimm weiter. Hitzewellen an sich machen sich direkt in den Büchern der Versicherer und Rückversicherer kaum bemerkbar. "Hitze ist eine unsichtbare Gefahr", sagt der Experte. In Deutschland gebe es heute im Schnitt 13 bis 14 Hitzetage mit Temperaturen von mehr als 30 Grad - in den 1950er Jahren waren es drei. Studien zufolge sinke die Produktivität jenseits der 30-Grad-Marke mit jedem weiteren Grad um drei Prozent.
Naturkatastrophen haben 2025 Schäden in Milliardenhöhe angerichtet. In Deutschland sind es nicht die "Großkatastrophen" die für die größte Schadenssumme verantwortlich sind.
13.01.2026 | 2:48 min"El-Niño" heizt zusätzlich auf
Indirekt kann Hitze aber teure Folgen haben, in Form von Starkregen, aber auch von Dürren und Waldbränden und sinkenden Pegeln, die die Schifffahrt auf Flüssen beeinträchtigen: "Die Welt ist wärmer geworden. Das führt einerseits zu heftigeren Niederschlägen, weil wärmere Luft mehr Feuchtigkeit aufnimmt", erklärt der Klimaforscher den Mechanismus. "Andererseits trocknen durch die zunehmende Sonneneinstrahlung die Böden schneller aus, weil mehr Wasser verdunstet. Das westliche Mittelmeer ist zurzeit vier bis fünf Grad zu warm."
Mit Waldbränden sei künftig auch in Mitteleuropa verstärkt zu rechnen, so Grimm:
Es sind Menschen und Regionen betroffen, die bisher noch nicht daran denken.
Tobias Grimm, Klimaforscher der Münchener Rück
Dass 2026 kühler werden könnte, ist nach Einschätzung des Wissenschaftlers nicht zu erwarten. "Es gibt viele Anzeichen dafür, dass 2026 und vor allem das nächste Jahr besonders warme Jahre sein werden." Das liegt unter anderem an "El Niño", der zyklischen Erwärmung der Meerestemperaturen im Pazifik. In Australien, Mittelamerika und im Südwesten Afrikas drohten vermehrte Trockenheit und Waldbrände. Im Nordatlantik könnte es zwar weniger Hurrikane geben, doch dafür höhere Taifun-Aktivität im Nordpazifik.
Alle zwei bis sieben Jahre tritt im Pazifik das Klimaphänomen El Niño auf – mit teils verheerenden Folgen. Was genau dabei passiert, erklärt ZDF-Meteorologe Özden Terli.
06.05.2026 | 1:06 minMehr Prävention angemahnt
Insgesamt mahnt der zuständige Münchener-Rück-Vorstand Thomas Blunck: "Der Klimawandel und der Wertezuwachs gehen weiter und erhöhen das Risiko höherer Verluste in der Zukunft." Die Schäden ließen sich nur minimieren, indem Menschen und Unternehmen sich nicht mehr in Hochrisiko-Gebieten ansiedelten und mehr in den Schutz vor Naturkatastrophen investiert werde.
"Prävention lohnt sich: Jeder Euro Vorsorge erspart zehnmal mehr an künftigen Schäden", sagt auch Geowissenschaftler Grimm. Das reiche von der besseren Abdichtung des Kellers bis zur aufwendigen Hochwasser-Verbauung in den Alpen.
Die Munich Re beobachtet und dokumentiert seit den 1970er Jahren die globalen Naturkatastrophen, um die von Stürmen, Überschwemmungen, Erdbeben und anderen Risiken verursachten Risiken berechnen zu können.
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