Ahrtal-Flutkatastrophe: Schnieder bittet um Entschuldigung

Fünf Jahre nach Ahrtal-Flutkatastrophe:"Der Staat hat versagt": Schnieder bittet um Entschuldigung

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Staatliches Versagen und Fehlbarkeit: Ministerpräsident Gordon Schnieder hat die Menschen im Ahrtal fünf Jahre nach der Flutkatastrophe um Entschuldigung gebeten.

 Gordon Schnieder (CDU), Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, spricht bei der zentralen Gedenkveranstaltung zum fünften Jahrestag der Flutkatastrophe im Ahrtal auf dem Marktplatz von Bad Neuenahr-Ahrweiler.

Gordon Schnieder, Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, hat bei den Menschen im Ahrtal um Entschuldigung gebeten. Der Staat habe damals versagt.

14.07.2026 | 1:16 min

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU) hat die Menschen im Ahrtal fünf Jahre nach der Flutkatastrophe um Entschuldigung gebeten. "Ich sage Ihnen: Menschen sind fehlbar. Organisationen und Institutionen sind fehlbar", sprach Schnieder die Menschen im Ahrtal bei der zentralen Gedenkveranstaltung am Abend direkt an.

"Es war Fehlbarkeit, die dazu führte, dass das Ahrtal nicht auf diese Katastrophe vorbereitet war. Es war Fehlbarkeit, die dazu führte, dass so viele Menschen gestorben sind. Es war Fehlbarkeit, dass das Leid in dieser Schicksalsnacht nicht abgemildert wurde", sagte Schnieder.

Es sei das Versprechen und die Zusage des Staates, seine Bürgerinnen und Bürger zu schützen.

Dieses Versprechen wurde nicht eingehalten. Der Staat hat in dieser Frage und in dieser Nacht versagt. Dafür bitte ich als Ministerpräsident um Entschuldigung.

Gordon Schnieder, Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz

Auch fünf Jahre nach der Flutkatastrophe laufen die Wiederaufbauarbeiten auf Hochtouren - noch immer gibt es viel zu tun.

Bei der verheerenden Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen vor fünf Jahren kamen insgesamt 185 Menschen ums Leben.

14.07.2026 | 1:44 min

Entschuldigung hat "sehr große Bedeutung für Menschen im Ahrtal"

Die Menschen im Publikum zollten Schnieder nach der Entschuldigung Beifall. Die Leiterin des ZDF-Landesstudios Rheinland-Pfalz, Christel Haas, wies der Entschuldigung "eine sehr große Bedeutung für die Menschen hier im Ahrtal" zu. Diese Entschuldigung von der Landesregierung hätten die Menschen im Ahrtal seit fünf Jahren gefordert - für die Versäumnisse und Fehler, die in der Flutnacht passiert sind.

"Denn die hat es tatsächlich gegeben", sagt Haas. Warnketten hätten nicht funktioniert, "der Katastrophenalarm wurde viel zu spät ausgelöst", zählt Haas auf. "Es hätten also Menschen noch überleben können, die in den Fluten gestorben sind."

Viel hat sich in den letzten fünf Jahren getan. Wie läuft der Wiederaufbau insgesamt? ZDF-Reporterin Christel Haas berichtet vor Ort.

Die Leiterin des ZDF-Landesstudios Rheinland-Pfalz, Christel Haas, berichtet von der zentralen Gedenkveranstaltung im Ahrtal.

14.07.2026 | 1:19 min

Während der Flutkatastrophe war Schnieder noch nicht im Amt. Damals regierte in Rheinland-Pfalz eine Ampel-Koalition, angeführt von Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD). Dreyer hatte eine Entschuldigung stets abgelehnt. Ihr Nachfolger Alexander Schweitzer (SPD) gab zwar Fehler auf politischer Ebene zu, lehnte eine Bitte um Entschuldigung aber ebenfalls ab.

Merz: Flut erinnert an Verwundbarkeit des Menschen

Nach den Worten von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat die Flut die Verwundbarkeit des Menschen gezeigt. "Sie hier im Ahrtal teilen miteinander Erfahrungen, die unvorstellbar sind für die meisten Menschen in unserem Land, und die auch für mich unvorstellbar sind", sagte Merz auf der Gedenkveranstaltung. Der Kanzler betonte, die Katastrophe habe Einfluss genommen auf zahlreiche Maßnahmen und Gesetze, um Deutschland besser auf Naturkatastrophen vorzubereiten.

Kein Mensch, keine Stadt, keine Region darf und soll in unserem Land allein bleiben mit der Furcht vor Katastrophen und Naturgewalten, mit der Furcht vor den Folgen des Klimawandels, die wir erleben.

Friedrich Merz (CDU), Bundeskanzler

Landrätin Cornelia Weigand im Interview zu fünf Jahre nach der Flut im Ahrtal.

Insgesamt 33 Milliarden Euro stellten Bund und Länder als Sondervermögen für den Wiederaufbau bereit. Doch erst ein Fünftel der Mittel wurde ausgezahlt.

14.07.2026 | 1:58 min

Steinmeier und Wüst fordern in Gedenkstunde mehr Klimaschutz

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hatte in einer Gedenkstunde im nordhrein-westfälischen Landtag zuvor mehr Anstrengungen gegen den Klimawandel gefordert. Der Klimaschutz dürfe im Industrieland Deutschland nicht aus den Augen verloren werden. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) nannte mehr Anstrengungen für den Klimaschutz "die große Lehre auch aus der Hochwasserkatastrophe vor fünf Jahren".

christel-haas

Vor fünf Jahren starben 185 Menschen, als unter anderem im Ahrtal Flüsse und Bäche über die Ufer traten. "Man hat die Lehren aus der Flut gezogen", so ZDF-Reporterin Christel Haas.

14.07.2026 | 2:52 min

Infrastruktur zerstört, Schulen verwüstet, Straßen überspült

Bei der Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen kamen 2021 insgesamt 185 Menschen ums Leben. Nach Starkregen kam es in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli zu einer verheerenden Sturzflut. Dabei starben 136 Menschen in Rheinland-Pfalz, 49 in Nordrhein-Westfalen. Als die Flut kam, riss sie Autos, Häuser und Leben mit sich. Es folgte für viele Menschen eine harte Zeit voll Trauer, Frust und erzwungenen Neuanfängen. Viele Menschen haben nach der Katastrophe noch mit psychischen Folgen zu kämpfen.

Die Infrastruktur einer ganzen Region wurde zerstört - zehntausende Häuser beschädigt, Schulen verwüstet, Brücken zerstört, Straßen überspült. Auch fünf Jahre nach der Flutkatastrophe ist der Wiederaufbau im Ahrtal in vielen Bereichen noch nicht abgeschlossen. Von rund 30 schwerbeschädigten oder zerstörten Brücken im klassifizierten Straßennetz wurden 14 wiederhergestellt, weitere neun werden aktuell geplant oder gebaut, wie das Mainzer Bauministerium informiert. 

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Quelle: dpa, EPD, KNA
Über das Thema berichtete das ZDF in verschiedenen Sendungen, unter anderem in der heute-Sendung am 14.07.2026 ab 19 Uhr und im Beitrag "Ministerpräsident Schnieder bittet um Entschuldigung" am 14.07.2026 um 20:19 Uhr.

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