Schweizer Bergdorf wagt Neustart:Ein Jahr nach Bergsturz: Blatten kämpft sich zurück
von Sandra Susanka
Nach der Katastrophe von Blatten schuften Bewohner und Helfer, um den Ort wieder aufleben zu lassen. Zwischen Unsicherheit, Verlust und Hoffnung wächst der Wille zum Wiederaufbau.
Neun Millionen Kubikmeter Geröll und Eis zerstörten im Schweizer Kanton Wallis ein ganzes Dorf, Hunderte verloren ihr Zuhause. Ein Jahr später bleibt der Schock und zugleich wächst der Wille zum Wiederaufbau.
28.05.2026 | 2:30 minDie sechs Kilometer lange Notstraße nach Blatten ist bis heute die einzige Verbindung zur Außenwelt. Von hier oben wird das ganze Ausmaß sichtbar: ein zerstörtes Dorf, verschüttet unter gewaltigen Massen aus Geröll und Eis. Vor einem Jahr wurde Blatten im Lötschental (Wallis) nahezu ausgelöscht. Eine Schutt- und Eislawine riss mehr als 130 Häuser mit sich, begrub sie unter bis zu 30 Meter hohem Material.
Dass niemand im Ort damals ums Leben kam, grenzt an ein Wunder: Alle 300 Bewohner konnten den Ort rechtzeitig verlassen.
Der kleine Ort Blatten in der Schweiz ringt Ende 2025 noch immer mit den Zerstörungen der gewaltigen Gerölllawine vom Sommer. Viele Einwohner sehen dem kommenden Frühjahr mit gemischten Gefühlen entgegen.
02.12.2025 | 4:38 min"Ich dachte, das hört nie mehr auf"
Regula Kalbermatten hat den Moment miterlebt. Sie wohnte im nahe gelegenen Eisten - und sieht aus dem Fenster, als sich die Natur-Katastrophe ihren Weg bahnt. Zuerst der Gletscher, dann immer größere Blöcke, die auf die Häuser zurasen. Ein gewaltiger Knall. Bäume knicken um wie Zündhölzer. "Ich dachte, das hört nie mehr auf", sagt sie heute.
Die Gefahr ist noch nicht gebannt. Experten rechnen weiterhin mit neuen Abgängen vom Kleinen Nesthorn. Die Hoffnung bleibt dennoch - zumindest zeitweise zurückkehren zu dürfen.
Ende Mai 2025 zerstört ein gewaltiger Bergsturz das Schweizer Lötschental. Wir blicken ein halbes Jahr später auf den Urlaubsort Blatten, der mitten in den Arbeiten für den Neuaufbau steckt.
28.11.2025 | 6:34 minNoch immer droht Gefahr
Auf dem Schuttkegel arbeitet unter Anderem Naturgefahrenspezialist Alban Brigger. Neun Millionen Kubikmeter Material liegen hier - rund ein Drittel davon Eis. Noch immer sackt die Masse leicht nach. Vieles deutet darauf hin, dass das Eis im Inneren erst in den kommenden sieben bis 10 Jahren vollständig schmelzen wird.
Auch der neu entstandene See, der sich hinter den Gesteinsmassen aufgestaut hat, verändert sich: Sein Pegel ist bereits um mehrere Meter gefallen. Häuser in diesem Bereich werden bald abgerissen - sie sind unbewohnbar.
Stürme, Brände, Überschwemmungen - Extremwetter sorgt weltweit für Schäden in Milliardenhöhe. Welche Maßnahmen gegen Wetterextreme helfen, zeigt ZDF-Reporter Peter Aumeier.
29.07.2025 | 1:31 minNeu bauen statt Stillstand
Für viele bedeutet das endgültigen Abschied. Auch für Hotelier Lukas Kalbermatten. Sein Hotel Edelweiss ist zerstört. Doch statt zu warten, hat er neu angefangen: Nur wenige Kilometer entfernt eröffnete er innerhalb von vier Monaten ein neues Hotel. "Ich musste etwas tun", sagt er. "Stillstand war keine Option."
Der Tourismus im gesamten Lötschental hat schwer gelitten. Blatten war Zentrum des Tals - mit Hotels, Ferienwohnungen und über 200 Gästebetten. Alles verloren.
Und doch wächst der Wille zum Neuanfang. Bis 2029 soll ein neues Blatten entstehen - weiter oben am Hang, außerhalb der Gefahrenzone. Nicht als Kopie des alten Dorfs, sondern als Neubeginn.
Felsstürze wie im Kanton Wallis habe es schon immer gegeben, erklärt Geologe Prof. Krautblatter. In den nächsten zehn bis 20 Jahren sei mit weiteren Fällen zu rechnen.
30.05.2025 | 16:40 minNeue Straße als Ader zum Wiederaufbau
Auch Daniel Ritler muss sein Leben neu aufbauen. Der frühere Schäfer konnte nur retten, was er trug - und seinen Laptop. "In 40 Sekunden war alles weg", sagt er. Heute plant er mit seiner Frau ein kleines Hotel im Nachbarort Ferden. Ein neues Kapitel. Der Wiederaufbau hat begonnen, auch infrastrukturell. Eine neue Kantonsstraße ist in Planung, sie soll oberhalb des Schuttkegels verlaufen.
Der Weg zurück wird Jahre dauern. Doch in Blatten ist etwas geblieben: die tiefe Verbundenheit zur Heimat. Und die Dankbarkeit, überlebt zu haben.
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