Freeclimber kraxelt 500-Meter-Wolkenkratzer hoch - ohne Seil

Taiwan:Ohne Seil: Freeclimber kraxelt 500-Meter-Wolkenkratzer hoch

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Anderthalb Stunden an der Fassade aufwärts ohne Absicherung: Der Extremkletterer Alex Honnold kraxelt in Taiwan einen 508 Meter hohen Wolkenkratzer hoch.

Alex Honnold klettert das Taipei 101 Gebäude hoch

Der Kletterer Alex Honnold hat es geschafft, den Wolkenkratzer "Taipei 101" in der Hauptstadt Taiwans im Free-Solo zu erklimmen. Er benötigte etwa eineinhalb Stunden.

25.01.2026 | 0:50 min

"Ich bin total gehypt, unglaublich", freut sich Alex Honnold, nachdem er oben angekommen ist in 508 Metern Höhe. Der US-Freeclimber hat sich einen Lebenstraum erfüllt: Er ist den Wolkenkratzer Taipeh 101 in Taiwan hochgeklettert - ohne Seil, ohne Netz oder sonstige Absicherung.

"Die größte Herausforderung für mich war es, ruhig zu bleiben", sagt der Extremkletterer etwas später: "Ich war ein wenig nervöser, als ich vom Boden losgeklettert bin."

"Wir müssen den Kindern Hallo sagen"

Um 9:12 Uhr Ortszeit begann Honnold seine waghalsige Aktion - live übertragen in die ganze Welt vom Streamingdienst Netflix. Anderthalb Stunden brauchte er für den spektakulären Aufstieg entlang der Fassade des pagodenartig gebauten Wolkenkratzers. Um sich fokussieren zu können, hörte er bei der Kletteraktion über weite Strecken Musik - von der US-Metal-Band Tool.

Der US-amerikanische Extremkletterer Alex Honnold erklimmt am 25. Januar 2026 das Hochhaus Taipei 101 in Taipeh ohne Seile oder Sicherungsausrüstung.

Metal im Ohr zum Fokussieren: Extremkletterer Alex Honnold an der Fassade des Taipei 101.

Quelle: AFP

Mit einer innigen Umarmung empfing ihn oben Ehefrau Sanni McCandless Honnold: "Wir müssen den Kids noch Hallo sagen", meinte sie nach einem gemeinsamen Selfie. Auf der 60. Etage des 101-stöckigen Gebäudes waren sich beide bereits begegnet - sie drinnen mit dem Daumen nach oben, er außen an der Fassade. Auch sonst verfolgten Schaulustige den Aufstieg hinter den Glasfassaden der Bürofenster. Viele filmten die Momente mit dem Smartphone, andere hielten Plakate mit Durchhalteparolen hoch.

Kritik an Spektakel und Live-Übertragung

Massive Kritik hatte im Vorfeld die Live-Übertragung hervorgerufen. Schon im Trailer hatte Netflix Spannung damit erzeugt, dass es bei dem waghalsigen Spektakel letztlich um Leben und Tod ging. Der deutsche Medien- und Sportwissenschaftler Thomas Horky sagte dem Schweizer Rundfunksender SRF:

Menschen dabei zuzusehen, wie sie sich in eine Todesrisiko-Situation begeben, halte ich persönlich für ethisch nicht vertretbar.

Thomas Horky, Medien- und Sportwissenschaftler

Honnold selbst hatte vor der Kletteraktion gesagt:

Wenn du fällst, stirbst du.

Alex Honnold, Freeclimber

Die Kritik an seinem Wolkenkratzer-Projekt könne er "total verstehen". Aber wenn andere Freeclimber die Möglichkeit bekämen, das zu klettern, würden sie es auch tun. Für ihn war es ein Lebenstraum.

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Zweieinhalb Monate Vorbereitung

Seit mindestens zwölf Jahren schwebte der Gedanke bereits im Kopf des Extremsportlers. Die intensive Vorbereitung auf den Taipeh 101 dauerte schließlich rund zweieinhalb Monate, mehrere Tage übte er den Aufstieg zudem mit Seil.

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Er war nicht der erste, der den Wolkenkratzer erklommen hat. Der Franzose Alain Robert bestieg das Gebäude 2004 im Rahmen der Eröffnung des Taipeh 101 - allerdings mit Seil. Honnold wiederholte die Aktion erstmals ohne jegliche Sicherung.

Honnold erlangte über die Freikletter-Szene hinaus große Bekanntheit durch den Film "Free Solo". Die Produktion gewann 2019 den Oscar als bester Dokumentarfilm. Gezeigt wird, wie Honnold die 915-Meter-Wand des El Capitan im Yosemite-Nationalpark bezwingt. Insgesamt klettert der Extremsportler bereits seit rund 30 Jahren.

Quelle: dpa
Über dieses Thema berichtete ZDFheute in dem Beitrag "Honnold erklimmt Wolkenkratzer Taipei 101" am 25.01.2026 um 17:17 Uhr.
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