Landtagswahl in Rheinland-Pfalz:Arzt, Bus, Kneipe: Abgehängt auf dem Land?
von Anselm Stern
Krankenhäuser schließen, Dorfkneipen machen dicht, das Leben auf dem Land wird schwieriger. Und doch wollen viele in Rheinland-Pfalz auf keinen Fall woanders leben.
Busse fahren selten, Kneipen verschwinden, Krankenhäuser schließen: Das Leben auf dem Land wird schwieriger. Warum viele trotzdem bleiben – und was das für ihre Zukunft bedeutet.
12.03.2026 | 9:36 minFreiheit auf dem Land - das erlebt Sarah gerade ganz besonders. Sie ist 16 und unterwegs in ihrem eigenen Auto. Wir fahren mit ihr durch ihre Heimat: Weidingen in der Eifel, ganz im Süden von Rheinland-Pfalz. Maximal 45 Kilometer pro Stunde fährt ihr Moped-Auto, und doch bringt es ein neues Lebensgefühl für Sarah.
Ich bin natürlich viel mobiler und flexibler und auch nicht mehr auf die Buswartezeiten angewiesen oder auch nicht mehr auf meine Eltern, die mich ja sonst immer überall hinfahren mussten.
Sarah Fandel
Man braucht einen Moped-Führerschein und viel Geld. Etwa 9.000 Euro und mehr bezahlt man für ein solches Moped-Auto - eine Investition, die sich für die Familie aus Weidingen allerdings schon jetzt sehr lohnt. Sarahs Vater sagt: "Das sind Touren zur Schule, zu den Hobbys, zum Einkaufen, die die Kinder jetzt alleine machen können und das spart uns jede Menge Zeit."
Seit zehn Jahren regiert die SPD mit einer Ampelkoalition Rheinland-Pfalz. Das könnte sich bei der Landtagswahl im März ändern, denn laut Umfragen liegt die CDU aktuell vorne.
21.02.2026 | 2:30 minPer Bus drei Stunden in die nächste Stadt
Sarah kann nun - wann sie will - etwa ins Nachbardorf zu ihrer Freundin Emelie fahren. Die beiden zeigen uns die Bushaltestelle im Ort. Hier muss man viel warten und dann lange fahren, wenn man zum Beispiel in eine etwas größere Stadt möchte. Ins 40 Kilometer entfernte Trier sind es fast drei Stunden mit dem ÖPNV. Und doch: Das Leben auf dem Land ist für Sarah etwas Besonderes - etwas Positives.
"Was ich auch ganz persönlich eigentlich schön finde, ist, dass man ganz viele Leute kennt, auch im Umfeld", sagt sie. "Ich kenne mein ganzes Dorf und jeden Einzelnen davon. Und das ist schon ein schönes Gefühl, auch diese Gemeinschaft im Dorf zu haben."
Zusammenhalt prägt das Leben auf dem Land - auch an der Mosel in Rheinland-Pfalz - tolle Aussichten, Tourismus, Weinbau: Doch auch hier sind die Probleme größer geworden.
In kleinen ländlichen Orten sind viele auf das Auto angewiesen, da Busse oft unzuverlässig fahren. Schließt dann noch die nächste Klinik, entsteht oft das Gefühl, vom Alltag abgehängt zu sein.
11.03.2026 | 2:03 minÄrztin: "Es kann sein, dass derjenige stirbt"
In Zell an der Mosel beschäftigt viele das Krankenhaus, das schließen musste. Die Klinik hatte viele Jahre Miese gemacht - seit Juni 2025 ist nun alles vorbei, nach 150 Jahren Krankenhausgeschichte.
"Die Schließung des Mittelmosel-Klinikums Zell hat große Auswirkungen gehabt, das war auch schon abzusehen", sagt Dr. Gerrit Fischer, Haus- und Notarzt aus Bremm, ganz in der Nähe von Zell. "Wir müssen jetzt für Notfallpatienten länger fahren, sehr viel länger fahren."
Wir sehen jetzt im Grunde eine Verschlechterung der Notfallsituation, nicht nur bei Schlaganfällen, auch bei Herzinfarkten.
Dr. Gerrit Fischer, Arzt aus Bremm
Dr. Fischer und Dr. Martina Hüttl betreiben eine Praxis. Die Ärzte wissen, was die Schließung der Klinik in Zell konkret bedeutet - für ihre Arbeit und die Patienten auf dem Land.
"Ich habe schon selbst mittlerweile mindestens zweimal den Fall gehabt, dass ich jemanden dort innerhalb von vielleicht 20 Minuten untergebracht hätte - nach einer Reanimation, nach einem Herzinfarkt, und musste stattdessen nach Koblenz fahren, was 50 Minuten bis eine Stunde gedauert hat", sagt Hüttl.
Es kann sein, dass derjenige einfach stirbt.
Dr. Martina Hüttl, Ärztin aus Bremm
Leben retten in der Provinz: Notarzt Kai und sein Team geben alles, um Patienten auf dem Land schnell zu helfen. Ein Wettlauf gegen die Zeit und gegen die Entfernungen.
03.03.2026 | 28:35 minDorfkneipen sterben aus
Die medizinische Versorgung - eine gewaltige Herausforderung auf dem Land und Thema auch im Landtagswahlkampf. Noch weiter vorne steht da das Thema Wirtschaft.
Miehlen im Rhein-Lahn-Kreis zwischen Mainz und Koblenz: Hier gab es mal neun Gasthäuser und Kneipen, vor langer Zeit - jetzt sind es noch zwei, bald nur noch eins. Übrig bleibt das Gasthaus "Zur Rose". Inhaber Christian Conradi zeigt uns seine Küche - er kommt aus einer Gastwirt-Familie, gehört zur vierten Generation.
Früher hatten wir noch jeden Tag auf, abends, heute nur noch den Sonntag, unter der Woche ist das halt einfach nicht mehr rentabel.
Christian Conradi, Gasthaus "Zur Rose"
Um sein Gasthaus halten zu können, liefert er sein Essen auch aus, steht dafür jeden Tag um vier Uhr auf, um zu kochen. Von Montag bis Sonntag. Und doch, so sagt er uns, würde er nie weg wollen aus seinem Dorf - wegen der Dorfgemeinschaft, der Natur und der Freiheit, die das Leben auf dem Land eben auch bedeute.
Anselm Stern berichtet aus dem ZDF-Landesstudio in Rheinland-Pfalz.
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