Verstehen, wie Trump die USA verändert:Der Präsident und die Sache mit den fremden Schuhen
von Katrin Eigendorf, Berlin
Keine vier Wochen bis zu den Midterms: Trump verspricht Entlastung bei hohen Preisen. Die Verantwortung für die Folgen seines Iran-Kriegs sucht er bei anderen.
Guten Morgen aus Berlin,
ich frage mich, auf welcher Seite US-Präsident Donald Trump steht, wenn es um den Krieg Russlands gegen die Ukraine geht. Die Sanktionen gegen Russland, hat er gerade erst bekräftigt, unterstützt er. Und jetzt bekommt diese widersprüchliche Haltung eine ganz neue Dimension: Trump hat jetzt mit Wladimir Putin einen Deal geschlossen. Russland soll die USA und den Weltmarkt mit Millionen Tonnen Diesel versorgen. Dafür lockert Trump bestehende Sanktionen gegen Moskau. Mehr als 300.000 Tonnen sollen umgehend geliefert werden, weitere Millionen Tonnen in den kommenden Wochen und Monaten.
Die politische Brisanz könnte größer kaum sein: Während Russland seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine fortsetzt, macht der amerikanische Präsident Geschäfte mit Putin, um die Spritpreise in den USA zu senken. Und gleichzeitig wirft er der Ukraine vor, mit ihren Angriffen auf russische Raffinerien für steigende Preise verantwortlich zu sein.
Eine sehr durchschaubare Ablenkungsstrategie von eigenen Fehlentscheidungen. Denn es ist Trumps Krieg gegen Iran, der die Preise steigen lässt. Vor den Midterms will Trump unbedingt noch Punkte sammeln - auch wenn das bedeutet, einem angegriffenen Land die Schuld in die Schuhe zu schieben.
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Verstehen, was in den USA passiert: Alles Wichtige zu den Midterms, Trumps Politik und den Folgen für Europa und die Welt – eingeordnet von unseren Korrespondenten. Jetzt abonnieren!Immer wieder spreche ich mit Ukrainern über Trump und die Frage, wie viel Hoffnung sie noch in die USA setzen. Die große Mehrheit sieht im amerikanischen Präsidenten keinen Unterstützer. Zwei Drittel der Menschen dort vertrauen Donald Trump überhaupt nicht mehr, so eine Umfrage des Kiewer Internationalen Instituts für Soziologie (KIIS) vom Juni. Was die Menschen in der Ukraine stattdessen bewegt, wie sie den Krieg erleben und worauf sie noch hoffen, wollen wir diese Woche in unserem Podcast "Der Trump Effekt" wissen. Aber dazu später mehr.
Ich bin Katrin Eigendorf, internationale Sonderkorrespondentin des ZDF. Gemeinsam mit dem Team des auslandsjournals schaue ich hier auf die USA: Was treibt Trumps Politik an, wie verändert sie das Land - und was bedeutet das für die Welt?
USA-News der Woche
Bild der Woche
Die Preise sollen fallen, der Stift fliegt schon mal.
Letzte Woche ging es hier um hohe Lebenshaltungskosten, diese Woche verspricht Trump Entlastung: In Grand Island, Nebraska, präsentiert er ein Dekret gegen hohe Dieselpreise. Nach der Unterschrift wirft er den Stift in die Menge seiner Anhänger.
Es geht um "red diesel": gewöhnlichen Diesel, der etwa für landwirtschaftliche Maschinen steuerfrei verkauft und zur Kennzeichnung rot eingefärbt wird. Bis Jahresende soll er auch im normalen Straßenverkehr erlaubt sein. Das soll vor allem Transportunternehmen entlasten und über günstigere Transporte auch die Lebensmittelpreise senken, verspricht Trump.
Zusätzlichen Diesel schafft das allerdings nicht. Die gestiegenen Preise erklärt das Weiße Haus auch hier mit Russlands Krieg gegen die Ukraine und fehlenden Raffineriekapazitäten, für die es die Energiepolitik der Demokraten verantwortlich macht. Der Iran-Krieg und die Straße von Hormus bleiben unerwähnt.
Wie sehr die hohen Dieselpreise selbst treue Trump-Anhänger belasten, zeigt Claudia Bates diese Woche im auslandsjournal. Für die Republikaner besteht die Gefahr, dass vom Präsidenten enttäuschte Wähler zu Hause bleiben.
07.10.2026 | 6:01 minGrafik der Woche
US-Wahlen ohne Werbespots? Fast schon undenkbar. Unterstützergruppen, sogenannte Super-PACs, dürfen unbegrenzt Spenden einsammeln - auch von Unternehmen. Das Geld fließt etwa in Werbung für oder gegen Kandidaten. Wer finanzstarke Unterstützer hat, kann seine Botschaften besonders oft auf die Bildschirme bringen.
Und der Wahlkampf wird zum Milliardengeschäft: Für den Wahlzyklus 2026 erwartet das Marktforschungsunternehmen AdImpact politische Werbeausgaben von 11,6 Milliarden Dollar. Das wäre ein Rekord - selbst gegenüber bisherigen Präsidentschaftswahljahren.
Unsere Grafik der Woche zeigt, wie viel Demokraten und Republikaner im September für Werbung zu den Kongresswahlen ausgegeben haben - im Vergleich zu den Wahljahren 2022 und 2024. Besonders die Republikaner haben ihre Ausgaben deutlich gesteigert: Im September 2026 gaben sie rund doppelt so viel aus wie im gleichen Monat vor den letzten Midterms 2022. Insgesamt entfielen 60 Prozent der Werbeausgaben auf die Republikaner.
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Auch diese Woche machte das Budget für Wahlwerbung Schlagzeilen. Dabei ging es allerdings um Steuergeld: Die Demokraten werfen Trump Wahlwerbung auf Staatskosten vor und haben Klage eingereicht. In einem der besagten Spots verspricht Trump, Amerika werde niemals ein kommunistisches Land sein. Wer dafür bezahlt, steht gleich dabei: "finanziert von der US-Regierung". Laut Klage wurden für die Werbekampagne 20 Millionen Dollar aus dem Bundeshaushalt umgeschichtet.
Trump kündigte an, die Spots künftig selbst und mit Spendengeldern des Unterstützerkomitees MAGA Inc. zu finanzieren. Ob er bereits ausgegebene Steuergelder zurückzahlen werde? "Das werden wir entscheiden", antwortete er vor Reportern.
Die Midterms erklärt
Unser Podcast diese Woche
In unserer dieswöchigen Podcastfolge haben Elmar Theveßen, Ulf Röller und ich mit Alexander Gertz gesprochen. Der 31-Jährige ist in Deutschland aufgewachsen und bildet heute in der Ukraine Soldaten in taktischer Medizin aus - also darin, Verwundete unter Gefechtsbedingungen zu versorgen. Viele seiner Kameraden kämpfen vor allem, um ihre Familien zu schützen, erzählt er: "Wenn wir das jetzt nicht machen, dann steht der Feind vor der Tür unserer Familien." Das Gespräch hat mich bewegt. Ich freue mich, wenn Sie reinhören.
06.10.2026 | 69:32 min
Der Wahlkampf läuft also auf Hochtouren. Und wir bleiben dran. Nächste Woche melden wir uns an dieser Stelle wieder.
Viele Grüße
Katrin Eigendorf und die auslandsjournal-Redaktion