Experte: Datenzentren werden "im großen Maße" im All existieren

Interview

Experte über Musk-Pläne im Weltraum:Datenzentren werden "im großen Maße" im All existieren

|

Rechenzentren, die aus dem Weltall Künstliche Intelligenz speisen - so lautet Elon Musks jüngste Vision. Wie realistisch ist die Idee? Was steckt dahinter? Ein Experte ordnet ein.

Viele miteinander verbundene Satelliten im Weltall mit der Erde im Hintergrund

Datenmengen wachsen rasant, Rechenzentren stoßen an ihre Grenzen. Eine Idee: Server im All. ZDFheute live erklärt die Vor- und Nachteile.

05.02.2026 | 11:41 min

Nach seinen angekündigten Missionen zum Mars macht Techmilliardär Elon Musk erneut Schlagzeilen mit großen Plänen fürs Weltall: Der US-Unternehmer kündigte an, seine Raumfahrtfirma SpaceX mit seinem KI-Entwickler xAI zu fusionieren.

Gemeinsam sollen die Unternehmen unter anderem Rechenzentren im All bauen, um günstig Datenleistung etwa für Künstliche Intelligenz zu liefern. Ein realistisches Projekt oder bloßes Luftschloss? Dazu gibt Hermann Ludwig Moeller, Direktor des European Space Policy Institute in Wien, eine Einschätzung bei ZDFheute live.

Elon Musk auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos

Tech-Milliardär Elon Musk fusioniert sein Raumfahrtunternehmen SpaceX mit seinem KI-Entwickler xAI. Gemeinsam sollen die Unternehmen unter anderem Rechenzentren im All bauen, wie Musk ankündigte.

03.02.2026 | 0:37 min

Sehen Sie das Interview oben im Video in voller Länge oder lesen Sie es hier in Auszügen. Das sagt Moeller darüber ...

... was sich Musk von Rechenzentren im All erhofft

Hinter der Idee von Elon Musk stecke ein Problem, das den zunehmenden Einsatz von Künstlicher Intelligenz und dafür benötigter Rechenleistung auf der Erde betreffe: der immer größer werdende Wasser- und Stromverbrauch.

Wir reden hier heute schon von circa zwei Prozent des Weltenergiebedarfs, der für Datenzentren notwendig ist.

Hermann Ludwig Möller, Direktor des European Space Policy Institute in Wien

Prognose: deutlich steigend. Die Bestrebungen von Musk würden außerdem einen Wasserverbrauch in der Größenordnung einer Millionenstadt bedeuten, erklärte Moeller. "Das sind also Größenordnungen, die erheblich sind, und nicht unbedingt und alleine auf der Erde zu lösen sind."

Beispielbild eines Hochspannungsmasten

Ob Deutschland in Zukunft ein wichtiger Wirtschaftsstandort bleibt, wird sich auch an der Steckdose entscheiden. Warum das so ist, analysiert ZDF-Wirtschaftsexperte Frank Bethmann.

11.01.2026 | 1:32 min

Im Weltall sei es anders als auf der Erde möglich, die Sonnenenergie permanent zu nutzen, indem die Satelliten auf ihrer Laufbahn immer in Richtung Sonne ausgerichtet würden. Im Prinzip gebe es dort also unbegrenzt Energie.

... ob es 2028 tatsächlich Rechenzentren im All geben wird

Bei Musk müsse man grundsätzlich unterscheiden, welche Narrative er nutzt, um den Markt zu beeinflussen, und was tatsächlich machbar ist, so Moeller. "Aber ähnlich wie bei den Raketen, ähnlich wie bei den Marsmissionen von Elon Musk" steckten dahinter nicht nur finanzielle Überlegungen, sondern auch eine "Ingenieurskunst", die bisher Resultate liefere, so der Experte.

Der Mond.

Laut einem Medienbericht plant die US-Raumfahrtbehörde Nasa bis 2030 einen Atomreaktor auf dem Mond zu bauen. Was das bedeuten würde.

05.08.2025 | 23:23 min

Musks Zeitplan sei aber nicht realistisch - "das wird einige Zeit brauchen". Musk hatte in einem Blogbeitrag geschrieben, schon in zwei bis drei Jahren wären Rechenzentren im All die günstigste Möglichkeit, Rechenleistung für KI zu erzeugen. Moeller gab sich jedoch zuversichtlich, dass in diesem Zeitraum "erste Systeme" realisiert werden könnten.

Die größte Herausforderung sei der Transport ins All. "Dazu braucht man Raketen, und es ist kein Zufall, dass Elon Musk und SpaceX heute die größte Rakete bauen."

Eine weitere Voraussetzung sei die Finanzierbarkeit. Das sei aber "eher eine Frage der Skalierung, der Größe", so Moeller - also kein unüberwindbares Hindernis.

Und ich denke, Datenzentren werden auch im großen Maße im Weltall existieren. Also wir sollten uns nicht nur vom Unmittelbaren leiten lassen.

Hermann Ludwig Moeller, Direktor des European Space Policy Institute in Wien

... ob es stärkere Regularien für Firmen im Weltall braucht

In der Raumfahrt engagierten sich zunehmend private Unternehmen mit "einem sehr, sehr großen Kapitalwirtschaftsinteresse", sagte Moeller zu der Frage, ob die internationalen Regeln für das Weltall bei Projekten wie von Musk noch ausreichten. Ein großes Thema sei sicherlich die Sorge vor Weltraumschrott, wenn tatsächlich über eine Million Satelliten durch den Orbit fliegen.

Diese Größenordnung sei zwar nicht in Kürze zu erwarten:

Es wird heute nicht und übermorgen wahrscheinlich auch noch nicht ein Millionensystem geben.

Hermann Ludwig Moeller, Direktor des European Space Policy Institute in Wien

Dennoch werde wesentlich sein, wie man diese Systeme in Zukunft betreibt. Bemühungen, um Regularien und Rechte festzulegen, liefen bereits. Darüber hinaus gehe er davon aus, dass auch die Unternehmen ein Interesse daran haben, ihre Investitionen im Weltall "zu schützen und so zu betreiben, dass sie sicher sind". Das werde eine "delikate Balance", so Moeller.

Ein Satellit kreist im Weltall um die Erde.

Europa will im Weltall unabhängiger von den USA und SpaceX werden. Wie kann das gelingen? Darüber sprachen Astronaut Maurer und ESA-Direktor Aschbacher in einer früheren Sendung von ZDFheute live.

01.04.2025 | 20:06 min

... ob Europa auch Energie aus dem All braucht

Technische Innovationen zielten heute generell darauf ab, Räume, die bisher nicht genutzt werden, zu besetzen. Europa sei dabei "noch etwas zu langsam", mahnte er. Es fehle an Firmen, die die digitale Ökonomie vorantreiben.

Aber wenn wir von digitaler Souveränität sprechen, dann führt sicher kein Weg daran vorbei, das zu entwickeln - am Boden, auf der Erde, und eben auch im Weltraum.

Hermann Ludwig Moeller, Direktor des European Space Policy Institute in Wien

Das Interview führte ZDFheute live-Moderatorin Jessica Zahedi. Autorin der Zusammenfassung ist Anja Engelke.

Über dieses Thema berichtete ZDFheute live in der Sendung "Rechenzentrum im All: Genial oder Irrsinn?" am 05.02.2026 ab 14:09 Uhr.

Mehr zum Weltall

  1. 18.11.2025, Bremen: Mitarbeiter arbeiten an einer Intertankstruktur der Oberstufe einer Trägerrakete vom Typ Ariane 6 im Werk der ArianeGroup.

    Blick in ASTRIS-Projekt der ArianeGroup:Warum eine Raumfahrt-Firma nun auf Militäraufträge setzt

    von Alexander Poel und David Römhild
    mit Video0:23

  2. Frankreich, Kourou: Eine europäischen Vega C Rakete startet um etwa 22.20 Uhr deutscher Zeit vom europäischen Weltraumbahnhof in Kourou in Französisch-Guayana

    Wehrhaft im Weltall:Deutschland rüstet sich gegen Angriffe im All

    von Jutta Sonnewald und Elias Altmann
    mit Video1:51

  3. Auf dem Bild ist ein kleiner Roboter zu sehen, der auf vier Rollen fährt.

    Robotik in der Raumfahrt:Nachhaltigere Missionen dank "Lego im Weltall"?

    von David Römhild
    mit Video2:51

  4. Computeranimiertes Bild eines eiförmigen Himmelskörpers im All, der zum größten Teil dunkel ist, nur ein kleines Stück an der Seite ist erhellt.

    Haumea - rotierendes Ei im Kuipergürtel:Wie ein seltsamer Zwergplanet der Schwerkraft trotzt

    von Andreas Singler
    mit Video44:17

Mehr zu Elon Musk

  1. Donald Trump, Melania Knauss (heute Trump), Jeffrey Epstein, Ghislaine Maxwell im Mar-A-Lago im Jahr 2000.

    Neue Auswertungen:Epstein-Akten: Was darin über Trump, Musk und Co. steht

    von Oliver Klein
    mit Video9:26

  2. Elon Musk

    Streit um Starlink-Internet:Musk droht mit Ryanair-Kauf

    von Dennis Berger
    mit Video0:23

  3. Grok Chatbot Typical

    Maßnahmen gegen KI-Nacktbilder:Machtprobe gegen Musk: X und Grok beugen sich Druck

    von Britta Jäger
    mit Video0:23

  4. Elon Musk am 22.03.2022 in Bandenburg

    "Forbes"-Magazin:Musk kommt der Billion immer näher

    mit Video0:28