PPWR: Warum kleine Unternehmen nicht mehr ins EU-Ausland liefern

Neue Verpackungsverordnung PPWR:Warum viele Unternehmen nicht mehr ins EU-Ausland liefern

von Helge Hoffmeister

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Eine neue EU-Verordnung soll Verpackungsmüll reduzieren. Die an sich gute Idee belastet vor allem kleine Unternehmen, die ihre Waren in andere EU-Staaten versenden.

Verpackung

Die neue EU-Verpackungsverordnung soll Müll reduzieren. Für kleine Versandhändler bringt sie aber hohe Kosten und viel Aufwand. Die ersten haben ihren Auslandsversand bereits eingestellt.

19.08.2026 | 2:29 min

Weniger Plastik und Schadstoffe, mehr Recycling: Hinter die Grundidee der neuen Verpackungsverordnung der EU können sich wahrscheinlich die meisten Menschen stellen. Doch die wohlmeinende Verordnung birgt neue bürokratische und finanzielle Hürden für Unternehmen, die Waren ins EU-Ausland verschicken.

Neue EU-Verpackungsverordnung



Neue Verordnung trifft Kleinstunternehmer

Die neuen Regeln treffen gerade kleine Unternehmen wie das von Lisa Adam. Die gelernte Goldschmiedin hat vor acht Jahren begonnen, online Materialien und Anleitungen für Häkelkuscheltiere zu verkaufen. Heute betreibt sie ihren eigenen Online-Shop. Die Verpflichtung, für jedes EU-Land eigene Registrierungen und Regeln zu beachten und Bevollmächtigte zu finden und zu bezahlen, hat sie geschockt.

Für uns in der Handmade-Branche ist das katastrophal, sowohl finanziell als auch vom Aufwand.

Lisa Adam, Goldschmiedin und Unternehmerin

Seit dem 12. August hat sie den Versand ins EU-Ausland eingestellt. Zwar kämen rund 80 Prozent ihrer Bestellungen aus Deutschland, aber der Wegfall der ausländischen Kunden macht bei ihr Umsatzeinbußen in vier- bis fünfstelliger Höhe pro Jahr aus. Sie wird sich jetzt auf Deutschland beschränken. "Die EU sollte sich mehr in die Menschen und kleinen Versandhändler hineinversetzen, wir sind ja keine Riesenonlinehändler", sagt Adam.

Sortierte Verpackungsabfälle stehen gepresst neben einer Halle.

Unternehmen müssen für die neue EU-Verpackungsverordnung einen höheren bürokratischen Aufwand erbringen. Zu aufwendig, klagen vielen Händler.

14.08.2026 | 1:29 min

Noch offene Fragen zu PPWR

Bei der Verordnung besteht zudem noch Rechtsunsicherheit, wer gewährleisten muss, dass eine Verpackung recycelbar ist - die Produzenten des Kartons oder der Versandhändler, der darin Produkte verschickt. Eva Behling vom Bundesverband E-Commerce und Versandhandel (BEVH) sieht hier die größte offene Frage für Online-Händler.

Es hätte der Verordnung gutgetan, wenn man noch etwas länger diskutiert hätte.

Eva Behling, Leiterin Recht & Compliance beim Bundesverband E-Commerce & Versandhandel

Die Verordnung betreffe die gesamte Wirtschaft, aber offensichtlich seien nicht alle Wirtschaftsakteure angehört worden. Dass Unternehmen für die Entsorgung der Verpackungen im Ausland verantwortlich sind, ist nicht neu. Bislang war dies aber wegen fehlender Daten nicht nachvollziehbar und vielen Unternehmen nicht bewusst. Mit den neuen Registern könnten mehr Sanktionen kommen.

Ich gehe davon aus, dass es durch die bessere Datenerfassung auch zu mehr Abmahnungen kommen wird.

Eva Behling, Leiterin Recht & Compliance beim Bundesverband E-Commerce & Versandhandel

Schaltgespräch zwischen Sina Mainitz

Die neue EU-Verpackungsverordnung sorge auch für mehr Bürokratie und höhere Kosten, so ZDF-Wirtschaftsexpertin Mainitz. Dennoch herrsche dringender Handlungsbedarf.

12.08.2026 | 1:25 min

EU plant Nachbesserungen

Die EU-Kommission und das Parlament betonen die Wichtigkeit der neuen Verordnung, um den wachsenden Müll in Europa zu bekämpfen und giftige Chemikalien in Verpackungen zu verhindern. Es gebe aber auch noch Nachbesserungsbedarf, sagt Erik Marquardt, Mitglied im EU-Parlament für Bündnis90/Die Grünen:

Wir können uns sehr gut vorstellen, dass man jetzt auch eine kleine Änderung direkt nach der Sommerpause auf den Weg bringt, die dafür sorgt, dass besonders kleine Unternehmen erstmal etwas Luft haben.

Erik Marquardt (Bündnis90/Die Grünen), Mitglied des EU-Parlaments

Die Regeln sollen dafür nochmal auf Bürokratie überprüft werden, so Marquardt. Ziel sei es schließlich nicht, Unternehmen zu überfordern, sondern gleiche Wettbewerbsbedingungen zu schaffen und Müll zu reduzieren.

Überfüllte Mülltonnen für Plastikmüll

Illegal entsorgter Müll, ausgelaufenes Öl im Naturschutzgebiet: In Mönchengladbach verfolgen Mülldetektive jede Spur. Sie durchwühlen Abfälle nach Hinweisen und stoßen auf Umweltschäden mit Folgen.

13.07.2026 | 2:47 min

Online häufen sich die Beschwerden

Auf sozialen Medien beschweren sich viele kleine Unternehmen über die neuen Regeln. Auf der Feedback-Seite der EU-Kommission zum PPWR gibt es über 5.000 kritische Kommentare (Stand 19.08.2026). Die Petition einer slowakischen Kleinunternehmerin hat seit Anfang des Monats mehr als 69.000 Unterschriften (Stand 19.08.2026) gesammelt.

Die Petition fordert die sofortige Aussetzung der Verordnung, Ausnahmen für kleine Auftragsmengen und ein europaweites Register.

Lukas Klepsch steht rechts im Bild und blickt mit leicht fragender Geste in die Kamera, die Hände geöffnet. Links ist ein Paketbote zu sehen, der mehrere gestapelte Kartons trägt.

Milliarden Pakete pro Jahr sind unterwegs, weil wir gerne online shoppen. Die Paketbranche boomt. Aber nicht alle auf dem Markt profitieren davon. Deals zeigt, wer gewinnt - und wer verliert.

24.07.2026 | 17:13 min

Ein solches Register fordert der BEVH bereits seit 2019. Der Verband hofft auf den Circular Economy Act, ein Rechtsrahmen für Kreislaufwirtschaft, den die EU im Herbst vorstellen will. Ob dieser tatsächlich Änderungen der PPWR enthält, ist aber noch ungewiss.

Helge Hoffmeister ist Redakteur im Team Wirtschaft und Finanzen.

Über dieses Thema berichtete das gemeinsame Morgenmagazin von ARD und ZDF am 19.08.2026 ab 5:30 Uhr.

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