Paketbranche unter Druck: Gehetzte Zusteller, geringer Lohn

Branche unter Druck, Kunden genervt:Warum der Paketbote nur einmal klingelt

von Kristina Schlömer

|

Kurz geklingelt und schon wieder weg: Paketzusteller sind häufig unter Druck. Dabei spielen Subunternehmen, aber auch die Erwartungen der Konsumenten eine Rolle.

Ein Paketzusteller der DHL liefert Pakete aus. (Archiv)

Milliarden Pakete pro Jahr sind unterwegs, weil wir gerne online shoppen. Die Paketbranche boomt. Aber nicht alle auf dem Markt profitieren davon. Deals zeigt, wer gewinnt - und wer verliert.

24.07.2026 | 17:13 min

Gehetzte Zusteller, die Pakete im Hausflur stehen lassen oder direkt in die nächste Annahmestelle bringen. Solche Situationen kennen viele, die online bestellen, und der Frust wächst: Bei der Bundesnetzagentur gehen immer mehr Beschwerden gegen Post- und Paketdienstleister ein. Schaut man aber auf die Arbeitsbedingungen der Zustellerinnen und Zusteller, verwandelt sich dieser Frust womöglich in Verständnis.

Immer mehr Pakete in der gleichen Zeit

Onlineshopping boomt und Kundinnen und Kunden erwarten günstige und schnelle Lieferungen. Laut einer Studie im Auftrag der Gewerkschaft Verdi vom letzten Jahr fühlen sich 90 Prozent der Zustellkräfte sehr häufig gehetzt oder stehen unter erheblichem Zeitdruck. Fast genauso viele haben den Eindruck, immer mehr Arbeit in der gleichen Zeit schaffen zu müssen.

paketzusteller

Oliver Ziemer ist 29 Jahre alt und arbeitet seit zehn Jahren als Paketzusteller bei DHL. Cherno Jobatey begleitet ihn einen Tag bei seiner Arbeit – 192 Pakete müssen zugestellt werden.

31.07.2026 | 5:55 min

Tatsächlich sind die Sendungsmengen in den letzten Jahren laut Bundesnetzagentur gestiegen - von 2019 bis 2024 um knapp 50 Prozent auf 4,73 Milliarden Kurier-, Express- und Paketsendungen.

DHL ist Marktführer in Deutschland

Marktführer DHL konnte 2025 im Unternehmensbereich Post & Paket Deutschland seinen Gewinn vor Zinsen und Steuern um 25,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr steigern. Hermes, drittgrößter Paketzusteller in Deutschland, erzielte von März 2025 bis März 2026 einen Umsatz von circa 1,7 Milliarden Euro, hat allerdings operativ Verluste zu verzeichnen.

Paketzustellung

Haustür, Treppenhaus, Nachbar: Wenn der Paket-Empfänger nicht zu Hause ist, landet die Sendung oft woanders. Welche Regeln gelten? Und worauf sollten Verbraucher achten?

06.02.2026 | 2:18 min

Die meisten Paketboten arbeiten für Subunternehmen

Viele Zustellerinnen und Zusteller arbeiten allerdings nicht direkt bei einem Paketdienstleister, sondern sind bei Servicepartnern beschäftigt. Hermes, DPD, GLS und Amazon setzen bei der Zustellung auf der "letzten Meile", dem Weg vom letzten Verteilzentrum bis zum Endkunden, komplett auf Subunternehmen. Hier sei der Kostendruck besonders hoch, betonen etwa Hermes und auch DHL.

Hermes gibt an, dass deutlich über 50 Prozent der Kosten für die Paketzustellung auf die letzte Meile entfielen, weil dort die meiste Zeit pro Mitarbeitendem anfalle.

Symbolbild: Ab 1. Juli: Neue Zollgebühr für Pakete von Temu, Shein & Co

Für Waren außerhalb der EU fällt eine neue Zollgebühr von drei Euro pro Produkttyp an. Die EU reagiert auf täglich rund 16 Millionen Pakete von Billiganbietern wie Shein, Temu oder AliExpress.

01.07.2026 | 1:40 min

Deutlich höherer Lohn für Zusteller mit Tarifvertrag

UPS beschäftigt rund 50 Prozent seiner Zusteller selbst, DHL als einziger Paketdienstleister fast alle. Wer direkt angestellt ist, für den gilt ein Tarifvertrag. Den gibt es bei Subunternehmen in der Regel nicht. Mit messbaren Folgen: Zusteller mit Tarifvertrag verdienen laut einer Verdi-Studie von 2025 im Schnitt 500 Euro mehr pro Monat als Beschäftigte ohne Tarifvertrag. Der Tarif-Stundenlohn für DHL-Paketboten startet beispielsweise je nach Region bei circa 17 bis 19 Euro.

Gleichzeitig arbeiten Zusteller ohne Tarifvertrag im Schnitt elf Stunden länger pro Woche. Teilweise wird diese Mehrarbeit nicht angerechnet oder bezahlt, sodass Zusteller laut Verdi nicht selten weniger als den Mindestlohn verdienen.

Saisonale Spitzen machen Paketgeschäft schwierig

Hermes-CEO Dennis Kollmann begründet die Auslagerung an Subunternehmen mit Mengenschwankungen. Man habe im Weihnachtsgeschäft fast die doppelte Paketmenge wie im Sommer. "Ich kann solche Phasen viel flexibler abdecken, wenn ich mit eigenständigen Servicepartnern zusammenarbeite, die zum Beispiel über komplementäre Geschäfte solche Phasen gut mitabdecken können", erklärt Kollmann.

Hermes' Servicepartner seien auch in anderen Geschäftsfeldern tätig und könnten vorhandene Personal- und Fahrzeugkapazitäten bei saisonalen Spitzen flexibel einsetzen. Gleichzeitig betont Kollmann, Hermes kalkuliere intensiv, was man den Subunternehmern zahlen müsse, damit gesetzliche Vorgaben wie der Mindestlohn eingehalten werden und Unternehmer dauerhaft bestehen könnten.

Geöffnetes Paket das durch Betrugsmasche "Brushing" versendet wurde.

Unbestellte Pakete werden plötzlich geliefert? Dahinter steckt die Betrugsmasche "Brushing", bei der Nutzerdaten missbraucht werden. So sollten sich Betroffene verhalten.

28.05.2026 | 0:44 min

Paketversand bisher "deutlich zu günstig"

Trotz steigender Umsätze durch mehr Sendungen steht die Paketbranche aufgrund steigender Lohn- und Transportkosten unter großem Druck. Logistik-Experte Christian Kille schätzt die Margen als eher gering ein.

Es ist wirklich ein schweres Geschäft für die Paketdienste. Tendenziell sind die Margen in der Logistik im unteren, einstelligen Bereich.

Christian Kille, Institut für angewandte Logistik, TH Würzburg-Schweinfurt

In der Vergangenheit sei der Paketversand "deutlich zu günstig" gewesen, so Hermes-CEO Kollmann. Deshalb habe Hermes die Preise in den letzten Jahren massiv gesteigert, um den gestiegenen Kosten Rechnung zu tragen.

Ob sich höhere Versandkosten auf die Shoppinglust von Kundinnen und Kunden auswirken werden, bleibt abzuwarten. Die Paketbranche rechnet jedenfalls mit weiter steigenden Sendungszahlen. Der Druck für viele Zustellerinnen und Zusteller könnte also bleiben.

DHL-Paketzentrum Aschheim bei München (Archivfoto)

Die Deutsche Post wird umbenannt: Künftig soll der Konzern an der Börse als DHL AG auftreten. Die Tochterfirma, die für das Briefgeschäft zuständig ist, soll den Namen jedoch beibehalten.

05.05.2026 | 0:23 min

Über dieses Thema berichtete WISO in dem Beitrag "Die Deals mit Paketen" am 24.07.2026 um 9 Uhr.

Mehr zum Thema Wirtschaft

  1. Symbolbild: Menschen sind in Frankfurt am Main im Hauptbahnhof unterwegs.

    Erstmals seit 2019:Deutsche Bahn schreibt wieder schwarze Zahlen

    mit Video1:58

  2. Ein roter Kugelschreiber auf einem Papierdokument. Darauf lesbar "§10 Kündigung"

    Wiedereinstieg nach Kündigung:Wie Transfergesellschaften nach Jobverlust helfen können

    von Christian Hauser
    mit Video0:45

  3. Eingang zum Jobcenter in Berlin

    Über drei Millionen Arbeitslose im Juli:Schwache Entwicklung am Arbeitsmarkt "setzt sich fort"

    mit Video0:21

  4. Symbolbild: Containerschiff im Hamburger hafen