Brushing: Warum unbestellte Pakete eine Betrugsmasche sein können

Dubiose Lieferungen im Online-Handel:Paket ohne Bestellung: Was bei Brushing zu tun ist

von Thilo Hopert

|

Wenn Sie Ware erhalten, die Sie nicht bestellt haben, könnten Sie von Brushing betroffen sein. Was hinter der Masche steckt und wie Sie richtig reagieren, erklärt eine Expertin.

Geöffnetes Paket das durch Betrugsmasche "Brushing" versendet wurde.

Wurde Ihnen ein Paket geliefert, dass Sie nie bestellt haben? Dahinter könnte die Betrugsmasche "Brushing" stecken, bei der Nutzerdaten missbraucht werden. So sollten sich Betroffene verhalten.

28.05.2026 | 0:44 min

Der Paketbote hat ein Paket für Sie - aber Sie haben gar nichts bestellt. Bevor Sie das als Irrtum abtun, lohnt ein kurzer Check. Denn ein Gratispaket gibt es im Online-Handel selten ohne Haken. Dahinter kann die Betrugsmasche Brushing stecken.


So funktioniert die Betrugsmethode Brushing

Dabei verschicken Online-Händler Pakete mit Billigwaren an nichtsahnende Verbraucher. Dafür legten betrügerische Händler laut Stefanie Kahnert, Juristin bei der Verbraucherzentrale Brandenburg, falsche Accounts mit echten Adressen an, etwa bei Amazon. Der Handelsgigant ist besonders von der Masche betroffen.

"Über diese Fake-Accounts bestellen die Händler dann die eigenen Produkte und senden diese an die echten Adressen", erklärt Kahnert. Im Anschluss werde eine positive Bewertung für das eigene Produkt abgegeben, um die Sichtbarkeit der Ware und die Verkaufschancen zu erhöhen.

Es geht den Händlern also darum, die eigenen Bewertungen zu verbessern beziehungsweise glatt zu bürsten (englisch "to brush"). Denn Shops mit vielen positiven Bewertungen werden auf großen Online-Marktplätzen in der Regel besser platziert und häufiger angezeigt. Die echten Adressen sorgen dafür, dass die Plattformen die Bewertungen eher als authentisch einstufen.

Mann hält eine Kreditkarte in der Hand und ist nebenbei am Laptop.

Nach dem Bundestag hat auch der Bundesrat ein neues Gesetz gebilligt, das die Rechte von Verbrauchern stärken soll: Online-Shopping-Händler müssen künftig einen Widerrufsknopf anbieten.

30.01.2026 | 0:21 min

Unbestelltes Paket bekommen: So sollten Sie reagieren

Wichtig zu wissen:

Grundsätzlich muss man für Päckchen, die man nicht bestellt hat, auch nichts zahlen.

Stefanie Kahnert, Verbraucherzentrale Brandenburg

Die bloße Zusendung lasse der Rechtsexpertin zufolge keinen Kaufvertrag entstehen. Dies regelt Paragraf 241a BGB (Bürgerliches Gesetzbuch).

Auf keinen Fall solle man sich bedanken, auch nicht in ironischer Art und Weise. Das könne unter Umständen als Annahmeerklärung ausgelegt werden und einen Kaufvertrag begründen, so Kahnert.

Der Versandhändler Amazon gibt auf seiner Website ebenfalls Verhaltenstipps zum Thema Brushing. Dort heißt es zu den Richtlinien der Plattform: "Verkaufspartnern ist es untersagt, unaufgefordert Pakete an Kunden zu senden."

Wer ein Paket erhält, sollte dies über das Formular "Unerwünschtes Paket melden" mitteilen. Im Zweifel helfe auch der Kundenservice bei einem solchen Anliegen, heißt es auf der Website.


Eine Seite auf booking.com

Bei Booking.com sind infolge eines Hackerangriffs Kundendaten wie Namen und Telefonnummern abgeflossen. Das Unternehmen warnt vor Phishing-Versuchen.

16.04.2026 | 0:40 min

Absender und Empfängeradresse genau prüfen

Der Rechtsexpertin zufolge sollten Sie zunächst klären, ob die Ware tatsächlich nicht bestellt wurde. Manche Käufe tätigt man nebenbei und sie gehen im Alltag unter. Kahnert rät, sich das Paket ganz genau anzuschauen: Ist es wirklich an Sie adressiert oder gehört es einem Nachbarn? Oder ist es an einen Ihnen unbekannten Empfänger adressiert?

"Wenn Sie das geprüft haben, sollten Sie schauen, von wem das Paket stammt", sagt Kahnert. Schauen Sie sich dafür den Shop an und bewerten Sie, ob er Ihnen seriös erscheint oder nicht. Prüfen Sie etwa, ob es ein Impressum gibt - ein solches haben Shops auch bei Amazon.

Erscheint der Shop seriös, kontaktieren Sie diesen und teilen Sie den Sachverhalt mit. "Dazu sind Sie zwar nicht verpflichtet, es kann aber helfen, späteren Ärger zu vermeiden", so Kahnert. Wenn der Absender vertrauenswürdig ist, lässt sich oft schnell klären, dass keine Bestellung vorliegt und es gar nicht erst zu unberechtigten Zahlungsforderungen, Mahnungen oder Rücksendeaufforderungen kommt.

LKA warnt vor Fake-Shops

Nicht jedes Schnäppchen in Online-Shops ist echt. Verbraucherschützer und Polizei erklären, woran man Fake-Shops erkennt, welche Warnsignale ernst zu nehmen sind und wie ein sicherer Online-Einkauf gelingt.

19.11.2025 | 2:33 min

Müssen Sie unbestellte Ware zurückschicken?

Falls Sie die Ware zurücksenden, sollte dies Kahnert zufolge nur auf Kosten des Anbieters erfolgen. "Sie können sich Geld für Verpackung und Versand vorab überweisen lassen oder fordern ein Retourenlabel an", so die Juristin.

Eine Rücksendung auf eigene Kosten sollten Sie nicht veranlassen - bei einem unseriösen Händler müssten Sie damit rechnen, auf den Kosten sitzen zu bleiben.

Reagiert der Shop gar nicht auf die Anfrage, empfiehlt die Verbraucherzentrale, die Ware zu behalten und circa sechs Monate aufzubewahren, falls sich der Absender später meldet oder sich ein Zustellfehler herausstellt. Eine gesetzliche Pflicht, die Ware so lange aufzubewahren, gibt es jedoch nicht.

Cyberkriminallität in Deutschland: Frau tippt auf Tastatur

Der aktuelle Cybersicherheitsmonitor zeigt, dass jeder neunte Online-Nutzer in Deutschland 2025 von Cyberkriminalität betroffen war. Das BSI nimmt die Industrie in die Pflicht.

15.05.2026 | 0:42 min

Passwörter ändern und Plattform kontaktieren

Wenn Sie von Brushing betroffen sind, rät die Verbraucherschützerin zu weiteren Schritten: Prüfen Sie zunächst Ihr Konto beim Online-Shop, von dem das Paket kam - wenn Sie dort eines haben - und ändern Sie Ihr Passwort. Denn Brushing zeigt, dass Ihre persönlichen Daten ohne Ihr Wissen verwendet und missbraucht wurden.

Ist der beteiligte Händler auf einer Plattform aktiv, melden Sie dort zudem den Fall. Und: "Wenn persönliche Daten missbraucht werden, ist es auch immer empfehlenswert, eine Strafanzeige zu erstatten", rät Stefanie Kahnert.

Unbestellt gelieferte Ware kann der Verbraucherzentrale zufolge auch andere Gründe haben: Unseriöse Unternehmen versuchen beispielsweise auf diese Weise, Verbrauchern einen Kaufvertrag unterzuschieben. Zudem ist es möglich, dass ein missglückter Identitätsmissbrauch vorliegt. Dabei sollen Verbraucher eigentlich nur die Rechnung erhalten. Die Ware selbst fangen Betrüger ab. Es kann auch sein, dass einfach ein Zustellungsfehler vorliegt.

Weitere Informationen und Verhaltenstipps gibt es bei der Verbraucherzentrale.


Schuldenspirale beim Online-Shopping
:Wie durch "Buy Now, Pay Later" das Schuldenrisiko steigt

Klamotten, Handys, Konzertkarten: Mit der Bezahlmethode "Buy Now, Pay Later" landen immer mehr Verbraucher beim Online-Shopping in der Schuldenfalle. Wie man den Überblick behält.
von Karsten Uwe Witt
mit Video0:43
Das Logo der Firma Klarna ist auf einem Smartphone zu sehen, das von einer Person gehalten wird.

Wichtiger Hinweis in eigener Sache

Wer bei Google etwas sucht, bekommt neben den Suchergebnissen auch eine Box mit Schlagzeilen angezeigt.

Mit ZDFheute als hinterlegter Quelle bekommen Sie unsere Inhalte häufiger in die Schlagzeilen-Box gespielt - geprüfte Inhalte, direkt in Ihrem Überblick.

→ Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen


Quelle: dpa-Custom Content
Über dieses Thema berichtete das ZDF in der Sendung "Volle Kanne" am 28.05.2026 ab 09:05 Uhr.

Mehr zum Thema Sicherheit im Netz

  1. "In den Warenkorb-Button" in einem Fakeshop

    Vorsicht vor Fakeshops:Gefälschte Fußballtrikots: Risiken beim Kauf von Plagiaten

    von André Tebbe
    mit Video0:40

  2. Ein Brief der Deutschen Rentenversicherung zur Renteninformation mit Bargeld und Kugelschreiber.

    Teure Informationen zur Rente:Vorsicht vor unnötigen Kosten bei der Rentenauskunft

    von Nicole Wehr
    mit Video3:43

  3. Auf dem Bildschirm eines Smartphones sind die App-Icons von ARD, ZDF und Deutschlandfunk im Ordner "Rundfunk" zu sehen.

    Vorsicht vor neuen Phishing-Mails:So erkennen Sie Betrugs-E-Mails zum Rundfunkbeitrag

    von Josua Schwarz
    mit Video0:48

  4. Ein Wlan-Router steht auf einem Tisch vor einer am PC arbeitenden Person.

    WLAN-Router vor Cyberangriffen absichern:So schützen Sie Ihren Router vor Hackern

    von Arta Ramadani
    mit Video1:07

Weitere Ratgeber-Themen

  1. Einer Frau, die in einem Mietwagen sitzt, wird durch das offene Fahrerfenster der Autoschlüssel ausgehändigt.

    Kostenfalle Mietwagen:So vermeiden Sie Ärger mit dem Mietwagen im Urlaub

    von Alexandra Scholz
    mit Video5:35

  2. Kind sitzt mit einer Tüte Salzbrezeln auf einer Parkbank.

    Verbraucherzentrale prüft Kindersnacks:Zu salzig? Darauf sollten Eltern bei Knabbersnacks achten

    von Kiana Klingberg
    mit Video0:45

  3. Frau gibt Nahrungsergänzungsmittel in ein Glas Wasser.

    Nahrungsergänzung mit Magnesium:Öko-Test: Magnesium-Präparate häufig überdosiert und unnötig

    von Florence-Anne Kälble
    mit Video0:52

  4. Frau beim Ausmisten ihres Kleiderschranks

    Psychologie des Ausmistens:Aufräumen: Wie man es angeht und warum es vielen schwerfällt

    von Cornelia Petereit
    mit Video6:03