Programm für mehr Recycling bleibt hinter Erwartungen zurück

Analyse

Kritik an Umweltministerium:Programm für mehr Recycling bleibt hinter Erwartungen zurück

Johannes Lieber

von Johannes Lieber

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Der Umweltminister will, dass mehr recyelt wird. Schon heute lassen sich so Milliarden verdienen. Mit einem neuen Programm soll es noch attrativer werden - ohne konkrete Maßnahmen.

Eröffnung einer Batterierecyclinganlage

Die NKWS ist die erarbeitete Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie der Bundesregierung. Diese soll dazu beitragen, dass Rohstoffe recycelt werden und Abfall gar nicht erst entsteht.

03.06.2026 | 2:03 min

Monatelang wurde das neue Programm der Bundesregierung für die Kreislaufwirtschaft verschoben. Ausgearbeitet hat es das Umweltministerium von Minister Carsten Schneider (SPD), doch andere Ressorts hatten immer wieder Einwände.

Was jetzt vorgestellt wurde, ist deutlich weniger als das, was Schneider eigentlich als Ziel hatte.

Was Recycling der Wirtschaft bringt

Kreislaufwirtschaft bedeutet kurz gesagt: Recycling. Im Gegensatz zur linearen Wirtschaft werden alte Geräte und Rohstoffe nicht einfach entsorgt, sondern wiederverwendet.

Batterien werden recycelt

Rohstoffe sind unverzichtbar für die Wirtschaft und den technologischen Fortschritt. Um unabhängiger zu werden, hat das Bundeskabinett eine Strategie für eine stärkere Kreislaufwirtschaft beschlossen.

03.06.2026 | 1:46 min

Das ist nicht nur unter dem Aspekt Umweltschutz wichtig, sondern hat auch strategische Bedeutung für die Wirtschaft. Deutschland besitzt zu wenig eigene Rohstoffe, um den Hunger nach neuen Technologien zu stillen.

Besonders wichtig ist beispielsweise Lithium für die Batterieproduktion. Je mehr Rohstoffe recycelt werden, desto unabhängiger ist die Wirtschaft von den schwankenden Preisen oder Engpässen auf dem Weltmarkt.

Schneider will mehr Recycling

Schon heute wird in Deutschland jedes Jahr ein Wert von rund 60 Milliarden Euro durch Recycling geschaffen. Das geht aus einer Studie der Boston Consulting Group hervor. Die Experten rechnen damit, dass sich dieser Wert bis 2045 mehr als verdoppeln wird. Ziel des Aktionsprogramms von Minister Schneider ist es jetzt, das noch zu beschleunigen. Er zeigt sich überzeugt:

Das Aktionsprogramm für die Kreislaufwirtschaft, das ich heute vorstellen kann, ist gut für die Umwelt, aber auch für die Wirtschaft und macht uns unabhängiger und krisenfester.

Carsten Schneider, Bundesumweltminister

Unter anderem sollen rund 260 Millionen Euro zur Verfügung gestellt werden, um Start-Ups und Pilotanlagen zu fördern. Nach welchen Maßnahmen diese ausgewählt werden sollen, ist allerdings offen.

Mit einer neuen Umsetzungsplattform sollen verschiedene Unternehmen zusammengebracht werden, um gemeinsam Recycling-Lücken zu schließen. Schneider nennt hier beispielsweise den Einsatz von Stahlschrott bei der Produktion neuer Schienen.

Symbolbild: Müllsammler sammeln wiederverwertbares Plastik auf einer Mülldeponie.

Im vergangenen Jahr scheiterten die Verhandlungen für ein globales Abkommen gegen Plastikmüll.

15.08.2025 | 1:35 min

Wurde das Vorhaben entkernt?

Das Programm definiert zwar viele Ziele: Rohstoffverbrauch halbieren, mehr Recycling, weniger Abfall. Doch wie genau die erreicht werden sollen, bleibt laut Kritikern größtenteils offen. Medienberichten zufolge hatte das Umweltministerium eigentlich vorgesehen, dass es für öffentliche Aufträge eine Pflicht geben sollte, mehr recycelte Materialien zu verwenden.

Dagegen stellten sich wohl das Wirtschafts- und Verkehrsministerium, aber auch die Kommunen, die große Teile des öffentlichen Geldes ausgeben. Ihr Argument: Durch zusätzliche Regeln und Bürokratie könnte die Beschaffung noch weiter verlangsamt werden.

In Zukunft soll der Einsatz von recyceltem Material bei öffentlichen Aufträgen nur kontinuierlich gesteigert werden, heißt es. Eine Pflicht ist vom Tisch. Eine weitere Schlappe für Schneider, der schon die Abkehr vom Verbrenner-Aus und der Wärmepumpen-Pflicht bei Neubauten verkraften musste.

TST Logistics

Strom aus der eigenen Solar-Anlage für Lkw - und recyceltes Plastik statt neuem aus Rohöl: Diese beiden Unternehmen in Rheinland-Pfalz wollen unabhängiger werden von Rohöl.

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Was die Wirtschaft kritisiert

Auch aus der Wirtschaft kommen kritische Stimmen. Holger Lösch vom Bundesverband der Deutschen Industrie nennt das Programm des Umweltministeriums auf ZDFheute-Anfrage unambitioniert.

Wir würden uns mehr Anreize für Innovation wünschen, mehr Anreize für Investitionen und vor allen Dingen würden wir uns auch wünschen, dass die Bundesregierung die Unternehmen dabei unterstützt, wirklich in die Märkte hinein zu wachsen.

Holger Lösch, stellvertretender BDI-Hautgeschäftsführer

Auch der Bundesverband für Sekundärrohstoffe und Entsorgung, der für Recycling-Firmen lobbyiert, ist enttäuscht vom Programm. Mit einer Recycling-Pflicht hätten die Unternehmen des Verbands stärker von den kommenden Milliarden-Investitionen durch das Sondervermögen profitieren können.

Wir recyceln ja nicht des Spaßes wegen, sondern damit das Material auch wieder eingesetzt wird. Gerade der Straßenbau, aber auch der Tiefbau, der Hochbau, eignet sich hervorragend, diese Materialien in größeren Mengen einzubauen.

Eric Rehbock, Hautgeschäftsführer BVSE

Umweltminister Schneider hat trotz der fehlenden Pflicht angekündigt, nicht nur beobachten zu wollen, sondern den verstärkten Einsatz von recycelten Materialien zu "koordinieren". Ob das Programm wirke, werde man daran sehen, wie sich der Markt entwickle. Auch hier: Keine konkreten Zahlen.

Johannes Lieber ist Redakteur im ZDF-Hauptstadtstudio.

Über dieses Thema berichteten mehrere Sendungen, unter anderem das gemeinsame Mittagsmagazin von ARD und ZDF am 03.06.2026 ab 12:00 Uhr und die heute-Nachrichten ab 19:00 Uhr.

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