Energiekrise und die Folgen:Unabhängiger vom Öl: Wie Unternehmen durch die Krise kommen
von Luisa Houben
Strom aus der eigenen Solar-Anlage für Lkw - und recyceltes Plastik statt neuem aus Rohöl: Diese beiden Unternehmen in Rheinland-Pfalz wollen unabhängiger werden von Rohöl.
Hohe Preise für Rohöl und Gas belasten viele Unternehmen. Firmen, die auf alternative Energien gesetzt haben, kommen anders durch diese Krise. Beispiele aus Rheinland-Pfalz.
16.04.2026 | 1:35 minDiese Krise sollte anders laufen. Anders als 2022. Damals gingen nach Beginn des Ukraine-Kriegs die Öl-Preise und damit die Spritpreise durch die Decke. Und Frank Schmidt hatte als Logistiker keine andere Wahl als zu zahlen.
Das hat mich getrieben, unabhängiger werden zu wollen – von Geopolitik und Mineralölkonzernen.
Frank Schmidt, TST Logistics
Schmidt ist Inhaber und Geschäftsführer von TST Logistics, einem Logistikunternehmen mit Hauptsitz in Worms. Sein Ziel: umrüsten auf Elektro.
Vor drei Jahren ließ er 500 Quadratmeter einer Hallen-Fassade mit Solar-Anlage decken, dann schaffte er den ersten Elektro-Lastwagen an und begann E-Ladesäulen zu bauen.
Solarstrom zu erzeugen, ist sinnvoll. Doch was passiert, wenn ein Solarmodul ausfällt? Wer übernimmt die Rücknahme und wie lassen sich die verbauten Rohstoffe wiederverwerten?
15.04.2026 | 4:53 minLeichter durch die Sprit-Krise dank E-Lkw
Jetzt ist wieder Krise. Wieder sind die Spritpreise hoch. Diesmal aber kann Schmidt diese etwas abfedern. Denn mittlerweile fahren 25 Prozent seiner Flotte rein elektrisch, das sind 31 Fahrzeuge. Tanken können sie die Fahrerinnen und Fahrer an zwei firmeneigenen Tankstellen, weitere drei sollen dazukommen.
So will er unabhängiger werden und das nicht allein:
"Die Idee ist, dass wir in großen Ballungsgebieten zum Beispiel oder in Großstädten Kollegen finden, die mit uns E-Ladenetze aufbauen, dass wir einfach unabhängig sind von dem, was im Iran passiert, was überhaupt in der Geopolitik passiert," sagt Schmidt ZDFheute.
Recyceltes Plastik statt neuem aus Rohöl
Was bei TST Logistics vor drei Jahren begann, hat bei Werner und Mertz schon Tradition. Der Reinigungsmittelhersteller aus Mainz hat sich vor Jahrzehnten aufgemacht zu mehr Unabhängigkeit. Ihre Verpackungen sind aus recyceltem Plastik aus dem Gelben Sack – statt aus neuem aus Erdöl.
Dass sie hier auf teureres recyceltes Plastik und damit die Kreislaufwirtschaft setzen, zahle sich in der gegenwärtigen Preiskrise aus, sagt Geschäftsführer Reinhard Schneider.
"Jetzt sind wir in einer Zeit, in der Recyclingmaterial kaum mehr teurer ist als das prekäre Rohölplastik", sagt er ZDFheute. Man unterläge zwar auch Mischkalkulationen der Lieferanten, die pflanzenbasierte Rohstoffe mitverteuern. Dieser Effekt aber sei deutlich kleiner.
Wenn man rechtzeitig auf erneuerbare Rohstoffe, auf pflanzenbasierte und Recycling gesetzt hat, dann hat man nicht so große Sorgen wegen des Preisschocks.
Reinhard Schneider, Werner und Mertz
Das Unternehmen setzt auf Nachhaltigkeit – bei seinen Produkten, deren Verpackung und im Betrieb. Über die Hälfte des gesamten Energieverbrauchs kommt aus erneuerbaren Quellen.
Durch den Iran-Krieg sind die Spritpreise stark gestiegen, die Lage ist trotz Waffenruhe weiter angespannt. Wie wirkt sich das auf die Spritkosten und den Ölpreis aus?
22.04.2026 | 8:38 minAbhängigkeit von Öl als Risikofaktor
"Unternehmen müssen sich auf das Risiko steigender Energiepreise eigentlich kontinuierlich einstellen", sagt Klaus Helling. Er ist Professor am Umweltcampus Birkenfeld der Hochschule Trier.
Zu betriebswirtschaftlichem Risikomanagement gehöre, von fossilen Energien unabhängiger zu werden, Energie zu sparen und erneuerbare Energien im eigenen Betrieb zu generieren und zu nutzen – besonders bei energieintensiven Unternehmen.
Steigende Spritpreise infolge des Iran-Kriegs zeigen Wirkung: Das Interesse an Elektroautos wächst spürbar. Kommt die Energiewende jetzt auch im Autohaus an?
07.04.2026 | 2:33 minRahmenbedingungen hemmen Investitionen
Doch wer umrüsten will, muss erstmal investieren. Viele seien gehemmt.
Das liegt vor allem daran, dass Unternehmen den Rahmenbedingungen oftmals nicht trauen und dass sie höhere Anfangsinvestitionen haben.
Klaus Helling, Umweltökonom
Zu unsicher sei vielen, wie die Förderung von erneuerbaren Energien oder der Kreislaufwirtschaft in Zukunft ausgestaltet sein werde oder welche Preisgestaltungen bei der CO2-Abgabe zu erwarten seien. Dabei seien die laufenden Kosten nach einer Umrüstung sehr wahrscheinlich geringer, so der Experte.
Geht es nach Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) birgt die Energiekrise neben Risiken auch Chancen für klimapolitsichen Fortschritt. "Die zentrale Erkenntnis ist: Wir müssen unabhängiger werden von teurem und unsicherem Öl und Gas", sagte er im Vorfeld des internationalen Petersberger Klimadialogs in Berlin. Die Klimapolitik liefere Lösungen, damit die nächste fossile Energiekrise weniger weh tue.
Bei den hohen Öl- und Gaspreisen lohnt es sich für die Unternehmen besonders, auf erneuerbare Energien zu setzen. Einige Unternehmen gehen diesen Weg bereits.
16.04.2026 | 1:37 minLaut Experte Helling brauche es neben verbesserten Rahmenbedingungen für nachhaltige Ideen und weniger Subventionen für fossile Energieträger vor allem Mut zur Veränderung.
Den hatte Frank Schmidt. Er steckt Millionen in seine E-Lkw-Flotte – in der Hoffnung, dass sich sein Investment langfristig auszahlt.
Luisa Houben berichtet für das ZDF aus Rheinland-Pfalz.
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