Skisprung-Bundestrainer:Horngacher geht: So steht es um seine Nachfolge
von Lars Becker
Stefan Horngacher gibt seinen Posten als Skisprung-Bundestrainer zum Saisonende nach sieben Jahren auf. Wer sind die Favoriten auf seinen Posten?
Der scheidende Skisprung-Bundestrainer Stefan Horngacher blickt im Interview mit Andreas Kürten auf seine Amtszeit zurück. Für die Zukunft hat er noch keine Pläne.
02.01.2026 | 0:40 minStefan Horngacher wirkt in diesen Tagen als Bundestrainer der deutschen Skispringer noch angespannter als sonst. Das hat aber nicht vordringlich damit zu tun, dass es wohl auch bei seiner siebten und letzten Vierschanzentournee als deutscher Chefcoach nicht mit dem ersten Gesamtsieg klappen wird. Sondern vor allem mit der Krise der einstigen Überflieger Andreas Wellinger, Karl Geiger und Pius Paschke.
Horngacher zieht gemischte Bilanz
"Wir müssen sie wieder auf Vordermann bringen, schließlich gehören sie zu den besten Skispringern der Welt. Wir müssen Schritt für Schritt gehen, wir wollen bei der Skiflug-WM in Oberstdorf eine Teammedaille und dann steht ja auch noch Olympia an", so Horngacher, der schon Ende Oktober seinen Rücktritt zu Saisonende angekündigt hatte.
Wenn der Österreicher zurückblickt, ist die Bilanz gemischt. "Wir haben in meiner Trainerzeit viele schöne Dinge erlebt, Siege und Medaillen gewonnen. Aber auch schwierige Zeiten gehabt, wie jetzt gerade", sagt Horngacher im ZDF-Interview.
Zu den bemerkenswerten Erfolgen unter Horngacher gehörten seit seinem Amtsantritt 2019 die drei Goldmedaillen bei der Heim-WM 2021 in Oberstdorf. Es gab aber auch Enttäuschungen wie Olympia 2022 in Peking mit nur einer Team-Bronzemedaille. Größter Makel ist, dass die deutschen Skispringer nunmehr seit 24 Jahren auf einen Gesamtsieg bei der Vierschanzentournee warten. Das war ein wichtiges Ziel für Horngacher - schließlich war ihm das als polnischer Cheftrainer mit Kamil Stoch gelungen.
Nachfolger-Suche nimmt Fahrt auf
Während Felix Hoffmann und Philipp Raimund die letzten Hoffnungen auf einen Podestplatz bei der laufenden 74. Vierschanzentournee sind, sucht der Deutsche Skiverband (DSV) im Hintergrund schon den Nachfolger für den Österreicher.
Die eine oder andere Bewerbung aus dem In- und Ausland ist schon reingeflattert.
DSV-Sportdirektor Horst Hüttel
"Wir werden uns nach der Tournee intensiver mit dem Thema beschäftigen und bis Olympia Gespräche führen", verrät der fürs Skispringen zuständige DSV-Sportdirektor Horst Hüttel.
Skisprung-Bundestrainer Stefan Horngacher hat seinen Rücktritt nach der Saison bekannt gegeben. ZDF-Experte Severin Freund mit einer Einschätzung.
29.10.2025 | 1:11 minHüttel: "Substanz verloren"
Der neue Mann solle die Topathleten wieder in Form bringen, aber auch die jüngeren Springer einbinden. "Wir haben Substanz in der zweiten und dritten Reihe verloren. Es muss uns gelingen, da über die nächsten Jahre die Lücke zu den Besten zu schließen", so Hüttel. Bei der Besetzung des Bundestrainer-Postens werde man ausschließlich nach "Qualität und nicht Nationalität" entscheiden.
Skisprung-Bundestrainer Stefan Horngacher zieht ein Zwischenfazit der Vierschanzentournee. Mit Blick auf Olympia und die Skiflug-WM wartet noch jede Menge Arbeit.
02.01.2026 | 1:36 minIm Kandidaten-Poker fällt häufig der Name Thomas Thurnbichler, der vom DSV vor der Saison als B-Kader-Trainer verpflichtet wurde. Weder die schwachen deutschen Ergebnisse im Continentalcup noch seine glücklose Amtszeit als polnischer Cheftrainer sind jedoch aktuell gute Argumente für eine Beförderung des Österreichers.
Assistent Mitter hat gute Chancen
Anders sieht das beim derzeitigen Horngacher-Assistenten Andreas Mitter aus - er war schon Cheftrainer in Finnland und ist ein wichtiger Faktor hinter dem Aufstieg von Felix Hoffmann. Der Österreicher Mitter dürfte gute Chancen haben, wenn sich nicht ein Topkandidat aus dem Ausland wie Österreichs Cheftrainer Andreas Widhölzl für den lukrativen Posten in Deutschland interessiert - oder Horngachers erfolgreicher Vorgänger Werner Schuster, derzeit Nachwuchs-Chef im DSV, ein Comeback wagen will.
Domen Prevc dominiert auch das zweite Tourneespringen und siegt mit großem Vorsprung. Felix Hoffmann und Philipp Raimund überzeugen in Garmisch-Partenkirchen ein weiteres Mal.
01.01.2026 | 2:59 minDer letzte deutsche Tourneesieger Sven Hannawald nennt noch einen anderen Kandidaten: Martin Schmitt, seinen einstigen Weggefährten aus den Glanzzeiten des deutschen Skispringens. Schmitt firmiert aktuell beim DSV als Talentscout und "Leitender Trainer Nachwuchs". Seinen Trainerschein hat der viermalige Weltmeister und Team-Olympiasieger mit einem Schnitt von 1,0 gemacht.
Noch zu früh für Martin Schmitt?
Schmitt ist zwar prinzipiell interessiert ("Könnte in der Zukunft ein Thema werden"), aber es könnte noch zu früh für den Sprung auf den Chefposten sein: Seine drei Kinder sind wohl noch zu jung.
Horngacher selbst ist in die Suche nach seinem Nachfolger nicht eingebunden. Der DSV würde ihn gern im "System halten", wie es Hüttel formuliert. Denkbar wäre zum Beispiel eine Funktion als Nachwuchstrainer. Horngacher hält sich derweil alle Optionen offen, auch einen Wechsel auf einen Cheftrainer-Posten im Ausland.
Meine Zukunft ist offen, ich habe noch keine genauen Pläne.
Stefan Horngacher
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