Vor der Volleyball-EM:DVV-Herren: Im Kollektiv Leitwolf Grozer ersetzen
von Ullrich Kroemer
Bei der Volleyball-Europameisterschaft müssen die DVV-Männer ohne ihren verletzten Anführer Georg Grozer auskommen. Doch es gibt Alternativen, die den Ausfall auffangen könnten.
Die deutschen Volleyballer gehen ohne ihren verletzten Führungsspieler Georg Grozer in die EM. Das Turnier findet in Rumänien, Finnland, Bulgarien und Italien statt.
10.09.2026 | 0:50 minAls klar war, dass er es nicht zur Europameisterschaft schaffen würde, richtete Georg Grozer einige Worte an sein Team. Der auf Klubebene mit Abstand erfolgreichste deutsche Spieler der vergangenen zwei Jahrzehnte schwor die deutsche Volleyball-Nationalmannschaft auf die Situation ein, beim EM-Turnier (9. bis 26. September) erstmals seit Jahren auf ihn als Fixpunkt verzichten zu müssen.
Der 41-Jährige ist wie ein großer Bruder für viele im Team. Allein seine Anwesenheit hebt viele Spieler auf ein anderes Level.
Eingeklemmter Nerv setzt Grozer außer Gefecht
Doch wegen eines eingeklemmten Nervs kann der Routinier diesmal nicht helfen. "Wir haben die ganze Zeit geprüft, ob er in der Lage ist, dem Team zu helfen. Letztlich bin ich traurig, diese Entscheidung treffen zu müssen, weil er ein bedeutender Teil der Geschichte dieses Nationalteams ist", erklärte der neue Bundestrainer Massimo Botti.
Bei der Europameisterschaft in der Türkei schieden die deutschen Volleyballerinnen im Viertelfinale gegen die Gastgeberinnen aus. Die DVV-Auswahl musste sich dem großen Favoriten mit 1:3 geschlagen geben.
04.09.2026 | 1:01 minDoch es macht angesichts der gesundheitlichen Probleme, die Grozer aus der Klubsaison mit ins Nationalteam schleppte, offenbar keinen Sinn, auf den Topscorer zu setzen. "Es war notwendig, diese Entscheidung für das Team zu treffen", sagte der Bundestrainer.
Meiner Meinung nach ist die beste Lösung, Yann Böhme ins Aufgebot zu berufen, weil er uns den gesamten Sommer über geholfen hat.
Massimo Botti, Volleyball-Bundestrainer
Böhme und Röhrs sollen Grozer ersetzen
Der 2,04-Meter-Mann Böhme ist ein Späteinsteiger, begann erst mit 18 Jahren mit Volleyball und arbeitete sich in den vergangenen zehn Jahren Station für Station nach oben. Zwar ist Böhme bereits 29 Jahre alt und spielt beim französischen Klub Saint-Nazaire Volley-Ball Atlantique auch international. Doch natürlich fehlt ihm mit 49 Länderspielen im Vergleich zu Grozers 218 Einsätzen die Erfahrung - vor allem bei großen Turnieren. Auch Botti weiß:
Niemand kann Georg Grozer eins zu eins ersetzen, denn er ist einer der besten Diagonalspieler in der Geschichte des Volleyballs. Niemand kann die gesamte Verantwortung übernehmen.
Massimo Botti, Volleyball-Bundestrainer
Daher zählt Botti neben dem einzigen nominellen Diagonalangreifer Böhme auch auf Erik Röhrs. Der nominelle Außenangreifer hat aufgrund seiner Athletik und Schlaghärte das Potenzial für die Königsposition, wo häufig die meisten Punkte erzielt werden. Doch Röhrs muss eigens dafür umlernen, andere Bewegungsabläufe vor allem im Hinterfeld-Angriff einstudieren.
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19.11.2025 | 0:18 minGenügend Reife auch ohne Grozer
Und natürlich ist es auch eine Gelegenheit für die deutsche Mannschaft, ohne den Leitwolf neue Hierarchien zu entwickeln. "Es ist auch eine Chance, das nicht nur mit einer Persönlichkeit, sondern mit mehreren aufzufangen", sagte der erfahrene Zuspieler Jan Zimmermann.
Ich glaube, dass wir genug Spieler haben, die inzwischen in einem fortgeschrittenen Alter sind und genug Erfahrung haben, um das aufzufangen.
Jan Zimmermann, Zuspieler im deutschen Team
In der Tat haben die Mittelblocker Anton Brehme, Tobias Krick und Florian Krage-Brewitz, die Außenangreifer Tobias Brand und Moritz Karlitzek, Libero Ruben Schott und eben Team-Senior Zimmermann jede Menge Reife, um Grozers Absenz aufzufangen. Zwar umgibt keinen die Aura des Ausnahmespielers, doch das kann dazu führen, dass jeder mehr Verantwortung übernimmt.
Anspruchsvolle Vorrundengruppe
In der anspruchsvollen Vorrundengruppe mit dem Auftaktgegner Türkei (Donnerstag, 19 Uhr MESZ) und den Gruppengegnern Lettland, Gastgeber Rumänien, der Schweiz und Olympiasieger Frankreich geht es für die DVV-Männer darum, sich die bestmögliche Ausgangsposition für das Achtelfinale zu erspielen, wo dann unter anderem Polen, Bulgarien oder die Ukraine warten könnten.
Gegen die besser in der Weltrangliste platzierten Türken und Franzosen sowie den Achtelfinalgegner sei sein Team "sicher nicht der Favorit, aber ich glaube an das Potenzial und die Einstellung meiner Mannschaft, im richtigen Moment das Beste aus sich herauszuholen", betonte Botti. "Wir sind in einer guten Form." Auch ohne Fixpunkt Grozer.