Tennis: Deutsche Männer im Final-Turnier:Erfolgreiche Charmeoffensive von Zverev beim Davis Cup
von Jannik Schneider
Trotz aller Belastungen rund um den US-Open-Sieg hat Alexander Zverev beim Davis Cup auf und abseits des Centre Courts überzeugt. Sein Auftreten in Halle wirkt befreit.
US-Open-Champion Alexander Zverev hat die deutsche Davis-Cup-Auswahl furios in das Finalturnier im November geführt.
20.09.2026 | 1:30 min"Wir haben eine sehr gute Nummer zwei, ein sehr starkes Doppel. Unsere Nummer eins muss noch ein bisschen an seinem Tennis arbeiten, aber gut", sagte Alexander Zverev in seiner ganz eigenen ironischen Art und brachte am Sonntagnachmittag mehr als 6.000 deutsche Tennisfans auf dem Centre Court in Halle/Westfalen zum Lachen.
Die Zuschauer beim Davis-Cup-Achtelfinale gegen Kroatien hatten wenige Minuten vor Zverevs launiger Rede dessen zweiten Einzelsieg und die damit verbundene Qualifikation für die Davis-Cup-Finals, das Finalturnier der besten acht Teams Ende November in Bologna sowie Zverevs bloße Anwesenheit bejubelt.
Zverev poliert Image auf
Der zweimalige Grand-Slam-Sieger hatte trotz Werbeverpflichtungen in New York, Reisestrapazen, gegen den Rat seines Umfelds und nur knapp zweitägiger Vorbereitung für das deutsche Team zugesagt und auf- und abseits des Platzes abgeliefert. Damit hat er in rund 48 Stunden auf natürliche Art und Weise mehr für sein Image getan als das frühere PR-Berater über Jahre hinweg versuchten.
"Ihr macht daraus, glaube, ich ein bisschen mehr Belastung, als es sich für mich anfühlt", sagte Zverev noch am Mikrofon, angesprochen auf die Strapazen dieser Woche seit seinem US-Open-Triumph vergangenen Sonntag. Ob Zverev seine Energieleistung bewusst herunterspielte oder er wirklich exakt so fühlt, ist nicht überliefert.
Das deutsche Tennisteam jubelt nach dem Sieg gegen Kroatien in Halle über den Einzug in das Finalturnier.
Quelle: Christoph Reichwein / dpaFakt ist: Die aus seiner Sicht "oke" Leistung am Samstag gegen das kroatische Talent Matej Dodig nach zwei Trainingseinheiten auf dem deutlich langsameren verlegten Hardcourt übertraf er an diesem Sonntag gegen die gegnerische Nummer eins, Dino Prižmić, die am Samstag Daniel Altmaier und in Rom 2026 Novak Djokovic besiegt hatte.
Perfekte Vorlage vom Doppel
Aufschlag und Offensivpower lagen bei Zverev nahe am Optimum, der von seinem Doppel Kevin Krawietz und Tim Pütz die perfekte Vorlage geliefert bekam. Die US-Open-Finalisten besiegten die Olympiasieger Pavic/Mektic mit ihrer laut eigener Aussage vom Niveau her besten Davis-Cup-Leistung ihrer Karriere.
Kevin Krawietz und Tim Pütz holen gegen die kroatischen Olympiasieger den zweiten Punkt und sprechen am ZDF-Mikrofon über die entscheidenden Momente des Matches.
20.09.2026 | 3:05 minDie deutschen Fans bestaunten Zverevs starke Leistung, den 3:1-Erfolg über Kroatien und die Charmeoffensive, die Zverev aber auch das gesamte Team fuhren. Fast eine Stunde blieb das gesamte Team noch auf dem Centre Court, ehrte den eigenen Besaiter für 35 Jahre Arbeit, spielte Showballwechsel mit Fans und gab Autogramme. Zur Wahrheit gehört: Der neue Hauptsponsor des Teamwettbewerbs hatte die Aktivitäten eingefädelt und durchgeführt.
Erfolgreiche Teamleistung erfreut Zuschauer
Doch die durchweg positiven Gesichter der Zuschauer beim Verlassen der Anlage sprachen für sich. Sie hatten bekommen, was sie sich erhofft hatten: Eine geschlossene, erfolgreiche Teamleistung, in die sich Zverev ohne Allüren und mit guter Laune einfügte. Applaus erhielt Zverev für seine wiederholte Generalkritik an dem Finals-Konzept. "Das hier, mit der Heim- und Auswärtsatmosphäre, ist der richtige Davis Cup."
Nach starker Einzelleistung und dem Gesamtsieg gegen Kroatien blickt Alexander Zverev am ZDF-Mikrofon auf seine Leistung und eine mögliche Teilnahme bei den Davis-Cup-Finals.
20.09.2026 | 1:05 min"Mir macht Tennisspielen Spaß. Es ist mein Job, aber auch mein Hobby", bekräftigte Zverev am ZDF-Mikrofon, dass ihm sein Einsatz diese Woche trotz Abratens seines Umfelds nicht schwergefallen sei.
Keine Einsatzgarantie für Finals
Eine Einsatz-Garantie für die nun Ende November folgenden Davis-Cup-Finals stellt Zverev, mit 29 Jahren mittlerweile medienerfahrener, nicht aus. "Das Ziel ist, mit der Mannschaft dabei zu sein. Bis dahin sind es aber noch zwei Monate mit viel Tennis. Wir werden sehen, wo die Reise hingeht." Der Kontext: Zverevs größtes Individualziel ist das Erreichen der Spitze der Weltrangliste. Im Liveranking führt Zverev bereits vor dem noch verletzt fehlenden Jannik Sinner. Zverev will bei den folgenden Masters-Turnieren in Asien eifrig Punkte sammeln.
Davis-Cup-Kapitän Michael Kohlmann im ZDF-Interview über die starke Leistung des deutschen Teams gegen Kroatien, eine mögliche Zverev-Teilnahme bei den Finals sowie Formatänderungen.
20.09.2026 | 6:13 minWenn die Gesamtumstände passen, das weiß Teamkapitän Michael Kohlmann, bliebe noch Zeit für den ersten Daviscuptitel seit 1993. "Die Leistung, die er gebracht hat, auch mit dem Druck umzugehen, da kann man den Hut vor ziehen." Mit Blick auf die Finals erklärte Kohlmann: "Er weiß, was er an diesem Team hat, sonst wäre er nicht nach Halle gekommen." Man bleibe angesichts seines vollen Spielplans stetig im Austausch. "Dann werden wir zu gegebener Zeit sprechen."