Nach 0:0 in WM-Quali gegen Österreich:DFB-Frauen plötzlich unter Zugzwang
von Frank Hellmann
Nach dem blamablen 0:0 gegen Österreich dürfen die deutschen Fußballerinnen in der WM-Qualifikation gegen Norwegen nicht verlieren. Bundestrainer Wück kritisiert Grundsätzliches.
Nicht zu fassen diese Leistung in Österreiche: Janina Minge und Sjoeke Nüsken (beide links).
Quelle: Imago / Branislav RackoAls der Schuss von Linda Dallmann in der letzten Minute der Nachspielzeit am Pfosten vorbeiflog, ballte Mariella El Sherif die Fäuste. Dann schrie die Torhüterin des SV Werder Bremen ihre Freude heraus.
Kurz darauf versank die 21-Jährige in einem Knäuel jubelnder Österreicherinnen, die das 0:0 gegen Deutschland in der WM-Qualifikation ausgiebig zelebrierten.
Die deutschen Fußballerinnen lassen in der WM-Qualifikation erstmals Punkte liegen. Die DFB-Frauen kommen in Unterzahl gegen Österreich nicht über ein Unentschieden hinaus.
18.04.2026 | 4:52 minNichts ist auch im Frauenfußball offenbar schöner als den großen Nachbarn zu ärgern. Auf einmal ist für Deutschland die Qualifikation für die Endrunde 2027 in Brasilien keine Formsache mehr.
Entsprechend bedient wirkte der Bundestrainer. "Es ist immer wieder das Gleiche, wir haben so viele leichte Fehler gemacht", sagte Christian Wück:
Heute war es ein kleiner Rückschritt.
Bundestrainer Christian Wück
Gute Ausgangslage verspielt
Nach diesem Patzer in Ried am Fuße des beliebten Skigebiets Serfaus-Fiss-Ladis ist die gute Ausgangsposition für den direkten Weg an den Zuckerhut dahin. Verlieren ist im nächsten WM-Qualifikationsspiel gegen Norwegen am 5. Juni in Köln definitiv verboten.
Für den Ticketverkauf mag diese Konstellation gut sein, aber die DFB-Frauen hätten darauf sicher locker verzichtet. Womit sich Wück tröstete: "Es ist aber noch nicht viel passiert; wir sind noch Erster in der Gruppe und haben weiterhin alles in der Hand."
Elisa Senß kritisiert den Platz in Ried
Der 52-Jährige hatte nach dem Hinspiel in Nürnberg (5:1) vergleichsweise harsch die Mängel bei Passqualität oder Positionierung angesprochen, um keine Selbstzufriedenheit aufkommen zu lassen. Derlei Warnungen waren offenbar auf taube Ohren gestoßen.
Warum ging bei Leistungsträgerinnen wie Jule Brand so viel schief? Warum misslangen einfache Zuspiele?
"Ich bin kein Freund davon, irgendwie Ausreden zu suchen, aber ich glaube, Platz und Ball hätten besser sein können", sagte Mittelfeldspielerin Elisa Senß. Der Ball sei schon "sehr doll gehoppelt", man habe kaum einen Druckball spielen können.
Österreicherinnen mit Mauer-Taktik
In der Gemeinde im Oberinntal ging die Verhinderungstaktik von Österreichs Coach Alexander Schriebl ("Die Freude ist riesig, weil es historisch ist") voll auf.
Barbara Dunst vom FC Bayern sagte: "Ich glaube, man hat gesehen, dass wir defensiv diszipliniert spielen wollten." Heraus kam für die ÖFB-Auswahl das erste Erfolgserlebnis im neunten Vergleich.
Wück kritisiert grundsätzlich: "Die Spielerinnen müssen verstehen, dass wir unser Basispotenzial auf den Platz bringen müssen. Wir müssen als Mannschaft einfach zusammen funktionieren - und das geht nur mit den Basics."
Das 5:1 im Hinspiel:
Die deutschen Fußballerinnen stürmen weiter erfolgreich durch die WM-Qualifikation. Gegen Österreich siegte das Team von Bundestrainer Christian Wück mit 5:1 (1:0).
14.04.2026 | 8:45 minIrgendwie wirkte das Spiel der deutschen Frauen träge, berechenbar, teilweise fahrig, woran auch drei Umstellungen - Larissa Mühlhaus für Dallmann, Sarai Linder für Franziska Kett und Camilla Küver für die angeschlagene Rebecca Knaak - nicht verantwortlich sein können.
Rot für Janina Minge - ab 79. Minute in Unterzahl
Sjoeke Nüsken gestand: "Damit habe ich nicht gerechnet, ehrlich gesagt. Es hat heute vorne und hinten nicht gepasst."
Die Mittelfeldspielerin vom FC Chelsea hatte in der Schlussphase die Kapitänsbinde von Janina Minge übernommen, die wegen Notbremse mit Roter Karte runter musste (79.). Die Abwehrchefin fehlt gegen Norwegen.
Bundestrainer Wück: Noch immer lernen
Und was der Bundestrainer auch noch sagen wollte: "So eine Entwicklung geht nicht nur steil nach oben. Heute sind wir die Treppenstufe, die wir schon oben waren, wieder runtergefallen. Aber wir nehmen Anlauf und wollen weiter nach oben gehen."
Solche Spiele sind große Lehrmomente für uns, um die nächste Entwicklungsstufe zu erreichen.
Bundestrainer Christian Wück
Was nur niemand braucht: zwei mühsame Playoff-Runden im Herbst, um die WM zu erreichen. Denn es sieht danach aus, dass auch Weltmeister Spanien - in einer Gruppe mit Europameister England - auf diesen Pfad geschickt wird. Zudem drohen auch Frankreich und Schweden die Playoffs.