Mit zehn Teams bei Fußball-WM:Afrika zwischen Titel-Hoffnung und Konflikten
von Andreas Morbach
Bei der WM 2022 war Afrika mit fünf Teams vertreten, nun sind es zehn. Die besten Chancen werden Marokko und dem Senegal eingeräumt, Kamerun-Bezwinger Kap Verde debütiert derweil.
Fans feiern auf der Tribüne, nachdem Kap Verde sich erstmals für eine Fußball-WM qualifiziert hat. (Archivbild)
Quelle: dpaAuf der Prophezeiung der vor dreieinhalb Jahren verstorbenen Fußball-Legende Pelé liegt längst eine dicke Staubschicht. 1990 mutmaßte Brasiliens dreimaliger Weltmeister, bald werde der Titelträger bei dem globalen Turnier aus Afrika kommen. Bei der WM 2026 gibt es gute Chancen dafür.
Die Fußball-WM 2026 in den USA, Mexiko und Kanada ist die größte aller Zeiten. Vier Nationen werden ihr Debüt feiern. Die Neulinge im Überblick.
06.05.2026 | 2:05 minAfrika-Cup-Sieger und 2022 im Halbfinale: Marokko
In der Endrunde in Italien hatte es Kamerun gerade unter die besten Acht geschafft, als erstes Team vom zweitbevölkerungsreichsten Kontinent der Erde. Doch Pelés Weissagung kam bisher Marokko am nächsten, das es vor vier Jahren in Katar bis ins Halbfinale schaffte.
Die konstitutionelle Monarchie im Nordwesten des Kontinents ist auch amtierender Afrika-Cup-Sieger. Den Titel erhielten die Gastgeber Mitte März allerdings am grünen Tisch. Der sportliche Sieger beim Skandal-Finale in Rabat im Januar hieß Senegal.
Nach der Aberkennung des Titels beim Afrika Cup herrscht im Senegal Fassungslosigkeit. Beim Endspiel war es zu Tumulten gekommen. Ob Marokko den Titel behalten kann, ist offen.
18.03.2026 | 0:49 minMarokkos Elf kündigt Angriff auf WM-Titel 2026 an
Diesen beiden Ländern trauen bei der anstehenden Fußball-WM viele auch am ehesten einen Überraschungscoup zu. An großspurigen Vorab-Kommentaren aus Afrika jedenfalls mangelt es nicht.
Für Marokko, in vier Jahren Co-Gastgeber, erledigt das Mohamed Ouahbi. Der Nachfolger des Anfang März zurückgetretenen Walid Regragui tönt:
Wir wollen nicht bis zur WM 2030 warten, um Weltmeister zu werden. Marokko wird es 2026 versuchen.
Marokko-Trainer Mohamed Ouahbi
Afrikas beste WM-Erfolge: Einzüge ins Viertelfinale
Bei ihrem von Kontrolle und schnellem Umschalten geprägten Spiel setzen die "Atlaslöwen" vor allem auf ihre Spitzenkräfte Achrif Hakimi (Paris Saint-Germain) und Brahim Diaz (Real Madrid). Beim Senegal füllen der frühere Münchner Sadio Mané oder Rekordnationalspieler Idrissa Gueye vom FC Everton die Führungsrolle aus.
Obwohl Afrika doppelt so viele WM-Fahrer wie beim letzten Turnier hat, fehlt in der Zehner-Riege der Rekordteilnehmer Kamerun. Dem Premieren-Viertelfinale der "Unbezähmbaren Löwen" von 1990 folgten außer Marokko (2022) nur noch der Senegal (2002) und Ghana (2010).
Stars, Talente, Infrastruktur: Marokkos Fußball verfolgt nach dem historischen WM-Halbfinale 2022 weiter große Ambitionen. Können die Nordafrikaner die Fußball-WM gewinnen?
22.01.2026 | 14:18 minAfrikanische Teams setzen bei WM auf starke Defensive
Gestoppt wurde Kamerun, acht Mal bei WM-Turnieren vertreten, vom Mini-Inselstaat Kap Verde. Am 13. Oktober 2025 fiel der entscheidende Sieg über Eswatini.
In sieben von zehn Qualifikationsspielen hielten die "Blauen Haie" ihr Tor sauber. Kap Verde lag damit voll im kontinentalen Defensivtrend - angeführt vom deutschen Gruppengegner Elfenbeinküste und Tunesien, die es jeweils ohne Gegentor zur Endrunde schafften.
Afrikanische Teams wiederholt bei Weltmeisterschaften dabei
Die größte Erfahrung unter Afrikas jetzigen Vertretern weist Marokko mit bislang sechs WM-Teilnahmen auf, gefolgt von Tunesien (sieben) sowie Algerien und Ghana (jeweils vier).
Wie Südafrika - WM-Gastgeber von 2010 - ist nun zum vierten Mal Ägypten dabei. Bis 1970 in Mexiko war das Land der Pharaonen der einzige Vertreter Afrikas bei einer Endrunde. Für die Demokratische Republik Kongo ist es erst das zweite WM-Erlebnis.
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Prämienstreit überschattet Afrikas WM-Geschichte
Ein Land schrieb besondere WM-Geschichte. Bei seiner Premiere 1974 in Deutschland hieß das vom Äquator durchzogene Land noch Zaïre. Und das im heutigen Landhotel Jagdschlösschen im münsterländischen Ascheberg untergebrachte Team schrieb WM-Geschichte - auf negative Art.
Dem 0:2 zum Auftakt gegen Schottland folgte ein 0:9 gegen Jugoslawien. Vorangegangen waren eine Nacht mit - bei afrikanischen WM-Teilnehmern keine Seltenheit - Debatten um ausstehende Prämien. Einige Spieler drohten mit Streik.
Am Abend des Jugoslawien-Desasters übermittelten drei Offizielle der Mannschaft den Furor des diktatorisch regierenden Präsidenten Sese Seko Mobutu: "Ihr seid Hurensöhne. Wenn ihr gegen Brasilien mehr als drei Tore bekommt, werdet ihr Zaïre und eure Familien nie wieder sehen."
Zaïre unterlag 0:3. Ein halbes Jahrhundert später trifft das Land, das seit 1997 Demokratische Republik Kongo heißt, bei der WM auf Portugal, Kolumbien und Usbekistan. Nachdem das Team seine Vorbereitung wegen des Ebola-Ausbruchs in der Heimat über den Haufen werfen musste.
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