Olympische Winterspiele 2026:Abfahrt der Männer: Alle gegen Odermatt und Franzoni
von Elisabeth Schlammerl
Dem Schweizer Marco Odermatt fehlt in seiner Titelsammlung noch Abfahrts-Gold bei Olympia. Er ist in Bormio Favorit, aber er hat mit Giovanni Franzoni einen starken Herausforderer.
Die derzeit besten Abfahrer im Weltcup: Marco Odermatt (li.) und Giovanni Franzoni
Quelle: dpaMarco Odermatt hätte sich zuletzt eine gute Ausrede zurechtlegen können. Zum ersten Mal stand er in Crans-Montana in dieser Saison in der Abfahrt nicht auf dem Siegerpodest. Platz vier - beziehungsweise nur Platz vier für den aktuellen Dominator des alpinen Skirennsports muss man fast sagen.
Aber diesem letzten Weltcup-Rennen vor den Olympischen Spielen gehörte nicht der Fokus, er konnte das Ergebnis verschmerzen. Sein Blick richtete sich schon im Wallis Richtung Bormio. Da hat er vielleicht nicht mehr alles riskiert so kurz vor dem Saisonhöhepunkt, um topfit, das große Ziel in Angriff nehmen zu können.
Odermatt schon mit zwei Siegen auf der "Stelvio"
Der 28 Jahre alte Schweizer will bei der olympischen Abfahrt am Samstag eine der letzten Lücken in seiner Titelsammlung schließen. Vor vier Jahren in Peking, bei seinen ersten Winterspielen, hat er bereits Gold gewonnen, im Riesenslalom, "deshalb würde ich Gold in der Abfahrt natürlich am liebsten nehmen, weil sie nach wie vor einfach die Königsdisziplin ist“, sagt er.
Marco Odermatt hat die erste Abfahrt der Saison gewonnen. Der Schweizer dominierte auf der verkürzten "Raubvogel"-Piste in Beaver Creek. Die DSV-Starter kamen nicht in die Top 20.
05.12.2025 | 7:49 minDie "Stelvio" in Bormio gilt als einer der schwierigsten Pisten im Weltcup, vor allem im Dezember, wenn dort regelmäßig der Weltcup gastiert. Dann ist es dunkel, eisig, viele Schläge. Jetzt im Februar ist die Sicht besser. Odermatt ist das egal, er kam bisher auch im Weltcup, wenn es finsterer war, gut zurecht. Zweimal hat er dort bereits gewonnen, aber im Super-G, nicht in der Abfahrt. "Ich bin gerne hier."
Franzoni ist der Senkrechtstarter vom Gardasee
Die größte Konkurrenz kam für Odermatt bisher aus dem eigenen Land. Vor allem Franjo van Almen, der ihm im vergangenen Winter auch die Goldmedaille bei der WM in Saalbach weggeschnappt hatte. Aber in dieser Saison war es nicht der Teamkollege, der ihm am nächsten kam, sondern Giovanni Franzoni.
Der 24-jährige Italiener erlebt einen märchenhaften Aufstieg zum Siegfahrer. Nach dem Super-G in Wengen gewann er auch die Abfahrt in Kitzbühel. Dieses prestigeträchtige Weltcup-Rennen, das für so manch einen Athleten auf einer Stufe mit dem Olympiasieg steht, fehlt Odermatt noch in seiner Rekord-Laufbahn, genauso wie eben Abfahrts-Gold bei Winterspielen.
Giovanni Franzoni gewinnt die Abfahrt in Kitzbühel vor Marco Odermatt. Der junge Deutsche Luis Vogt wird überraschend Achter.
21.03.2025 | 0:24 minFranzoni verlor Freund Franzoso bei Trainingsunfall
Franzoni stieg außerdem mit zwei weiteren Podestplätzen in den beiden schnellen Disziplinen in den Favoritenkreis auf. Diese Geschichte des jungen Mannes vom Gardasee, der in Madonna di Campiglio das Skifahren lernte, wäre aber vermutlich gar nicht so besonders, hätte sie nicht auch eine sehr traurige Komponente.
Der im vergangenen September nach einem Trainingsunfall in Südamerika verstorbene Weltcup-Fahrer Matteo Franzoso war mehr als ein Teamkamerad für Franzoni. Der ein Jahr Ältere war Freund, Zimmerkollege und auch ein bisschen Vorbild.
Franzoni will sich nicht mit Odermatt vergleichen
Auch deshalb ist Italiens größte Gold-Hoffnung für die Abfahrt nah am Wasser gebaut. Er weinte in Kitzbühel, als er auf dem Sitz für den Führenden im Zielraum Platz nahm, er weinte bei der Siegerehrung, er weinte bei fast jedem Interview. Gerührt, überwältigt vom eigenen Erfolg, aber auch traurig.
Schon den dritten Platz in Gröden vor Weihnachten, der erste auf dem Podest, widmete Franzoni dem verstorbenen Kumpel. Und auch in Kitzbühel erinnerte er an Franzoso. "Ich werde ihn immer im Herzen tragen. Er wäre stolz auf mich gewesen."
Mit Odermatt mag er sich noch nicht vergleichen. Im Gegensatz zu ihm habe der "Kristallkugeln, WM-Titel und Gold bei den Olympischen Spielen gewonnen", sagte Franzoni. "Aber mit ihm jetzt konkurrieren zu können, macht mich wirklich stolz."
Schreckmoment auf der Streif in Kitzbühel: Adrian Smiseth Sejersted verliert beim Super-G die Kontrolle, kann aber einen Sturz vermeiden.
23.01.2026 | 0:17 minOlympische Spiele:Olympische Winterspiele 2026
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