Protest, Einspruch, Nachtreten: Eine WM der schlechten Verlierer?

Proteste, Beschwerden, Nachtreten:Ist das die WM der schlechten Verlierer?

von Peter Mayer

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Der ägyptische Trainer wittert eine Verschwörung, mehrere Teams legen Protest ein und eine Politikerin wird beschämend ausfällig. Eine WM mit viel Unzufriedenheit.

WM-Achtelfinale: Paraguay - Frankreich

Paraguay gegen Frankreich entwickelte sich zu einer überharten Auseinandersetzung.

Quelle: Witters

Sport ist an sich eine einfache Sache. Es gibt zumeist einen Gewinner und einen Verlierer. Im besten Fall erkennt der Verlierer die Überlegenheit des Gewinners an und gratuliert zum Erfolg. Respekt vor dem sportlichen Widersacher, Fair Play.

Bei dieser Fußball-WM allerdings fallen einige Verlierer damit auf, ihre Niederlage nicht akzeptieren zu wollen. Es hagelt Proteste, körperliche Auseinandersetzungen und - besonders beschämend - rassistische Anfeindungen. Es geht um viel, aber die Bedeutung einer sportlichen Veranstaltung rechtfertigt kein solch unangebrachtes Verhalten. Es ist eine WM der schlechten Verlierer.

Beschämende Worte einer paraguayischen Senatorin

Die unrühmliche Rangliste führt die paraguayische Senatorin Celeste Amarilla an. Sie diskreditierte Frankreichs Top-Fußballer Kylian Mbappé nach der Niederlage Paraguays mit rassistischen und abfälligen Äußerungen. Mittlerweile ein Fall für die Staatsanwaltschaft.

Michael Olise und Junior Alonso am 04.07.26

Mehr Außenseiter geht kaum. Als krasser Underdog will Deutschland-Bezwinger Paraguay auch den Topfavoriten Frankreich ärgern - und das nicht immer mit fairen Mitteln.

05.07.2026 | 8:09 min

Das Spiel gegen den Titelfavoriten war zuvor von einem extrem engagierten Auftreten des paraguayischen Teams geprägt. Einsatz bis an die Grenzen zur Unsportlichkeit - im Übrigen ohne Gelbe Karte für einen paraguayischen Spieler, obwohl mehrere Spieler Tätlichkeiten begingen.

Gibt es die "Amerika-Verschwörung"?

Gleich eine ganze Verschwörung wittert Ägyptens Trainer Hossam Hassan. Nach der bitteren Niederlage, bei der sein Team der Genialität eines Lionel Messi erlegen war, aber auch durch eigene Fehler einen 0:2-Vorsprung verspielt hatte, sprach er offen von Betrug.

"Das war ein manipuliertes Spiel", wetterte Hassan und erhob schwere Vorwürfe in Richtung FIFA: "Vielleicht wollte man, dass Messi weiter im Rennen bleibt!" Selbstkritik und Respekt vor Argentiniens Leistung in der Schlussphase sucht man hier vergebens.

Messi feiert sein Tor am 07.07.26

Ägypten ist im WM-Achtelfinale gegen Argentinien der klare Außenseiter. Doch die "Pharaonen" ärgern Argentinien dank Keeper Shobeir lange.

07.07.2026 | 10:41 min

Über dem Turnier schwebt das Gerücht der "Amerika-Verschwörung". Teams wie Brasilien, Argentinien und selbstverständlich die USA hätten bisher eine Vorzugsbehandlung der Schiedsrichter genossen, heißt es aus den Reihen der zumeist unterlegenen Mannschaften. Bewiesen ist diese Theorie jedoch nicht. Zumal zwei der drei genannten Teams ausgeschieden sind.

Schiedsrichter tragen zur Unzufriedenheit bei

Auf der anderen Seite muss man konstatieren, dass die Schiedsrichter aus aller Herren Länder bisher nicht überzeugen konnten. Mit etlichen diskussionswürdigen Entscheidungen, die auch von ihren Kollegen an den Monitoren nicht gesehen oder korrigiert wurden, sorgen die zum Teil auf dieser Ebene unerfahrenen Referees für Unzufriedenheit.

Es ist keine klare Linie bei der Spielführung erkennbar. Reaktionen folgen da zwangsläufig, offizielle Verbandsbeschwerden häufen sich. Ägypten, Kroatien und Algerien haben Protestnoten bei der FIFA hinterlegt. Offizielle Beschwerden sind legitim, hinterlassen nicht selten aber einen faden Beigeschmack.

Jonathan Tah

Das vermeintliche Tor von Jonathan Tah zur 2:1-Führung für die DFB-Elf wurde nach einem VAR-Einsatz aberkannt. ZDF-Schiedsrichterexperte Torsten Kinhöfer ordnet die Szene ein.

30.06.2026 | 0:12 min

Auch die deutsche Mannschaft war von den wankelmütigen Schiedsrichterleistungen betroffen, positiv wie negativ, hinterfragte nach dem schlechten Abschneiden zumindest auch das eigene Auftreten kritisch.

Trump und Infantino stoßen in neue Dimension vor

Meisterhaft beherrscht der Präsident eines der Gastgeberländer die Kunst des schlechten Verlierens. Donald Trump hat mit seinem Anruf bei FIFA-Präsident Gianni Infantino wegen der Roten Karte für US-Stürmer Folarin Balogun Maßstäbe gesetzt.

Das Duo ist in eine neue Dimension der politischen Einmischung und der Untergrabung des Fair Play vorgedrungen. Die Folgen für den Fußball insgesamt sind noch nicht absehbar. Für den weiteren Verlauf des Turniers ist sicherlich mit weiteren Protesten, Einsprüchen und Auseinandersetzungen zu rechnen. Es kann sich ja lohnen - und das ist inzwischen bewiesen.

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