"Doping-Spiele" in Las Vegas:Warum die Enhanced Games so umstritten sind
In Las Vegas finden in diesem Jahr erstmals die sogenannten Enhanced Games statt. Fragen und Antworten zu dem umstrittenen Showevent, bei dem Doping ausdrücklich erwünscht ist.
Zum ersten Mal finden die Enhanced Games statt. Medizinische Unterstützung in Form von leistungssteigernden Substanzen ist erlaubt. Rekorde werden purzeln. Auch zwei Deutsche sind am Start.
22.05.2026 | 2:18 minDie Ansage von den Machern der sogenannten Enhanced Games lässt keine Zweifel an den Zielen. "Das menschliche Potenzial in Übermenschlichkeit verwandeln", heißt es. Leistungssteigerung ohne Limit und vor allem ohne Doping-Verbote. Sonst untersagte Substanzen sind nicht nur erlaubt, sondern erwünscht. Ausreizen, was geht.
Nach aktuellem Stand wollen 42 Athletinnen und Athleten in neue Sphären der Leistungsfähigkeit vordringen. Gelockt wurden die Sportler mit Prämien von bis zu einer Million US-Dollar.
Wer steckt hinter den Enhanced Games?
Gründer der Spiele ist Aron D'Souza. Der Australier findet den Kampf gegen Doping heuchlerisch, 99 Prozent der Sportler würden ohnehin zu Doping greifen, behauptete er.
Milliardär Christian Angermayer, der als Vorstandsvorsitzender und Mitbegründer geführt wird, ist unter anderem auch Mitgründer eines Biopharma-Unternehmens. Der Oberpfälzer investierte schon in Kryptowährungen, Psychedelika, Gehirnimplantate und Longevity (Langlebigkeit). Auch US-Präsidentensohn Donald Trump Jr. ist in die Spiele investiert.
Eigentlich waren die Enhanced Games als mehrtägige Veranstaltung geplant, nun wird das Event in einer provisorischen Arena binnen dreieinhalb Stunden durchgezogen. Rund 40 Athleten und Athletinnen aus Leichtathletik, Schwimmen und Gewichtheben sind am Start. Die meisten Wettbewerbe gibt es im Schwimmen (neun), in der Leichtathletik werden 100-Meter-Sprints ausgetragen. Für das Rahmenprogramm gibt sich die US-Band "The Killers" her.
Zwei: Schwimmer Marius Kusch (33), 2022 Kurzbahn-WM-Dritter über 100 m Schmetterling, und Leichtathlet Mike Bryan (33), 2017 deutscher Hallen-Meister über 60 m. Der wegen seiner Teilnahme in Deutschland scharf kritisierte Kusch sagte der Süddeutschen Zeitung: "Der finanzielle Aspekt spielt sicherlich eine Rolle. Es wird kompensiert, was ich mein Leben lang aufgebaut habe."
Viel. Als Gesamtpreisgeld nennen die Veranstalter 25 Millionen US-Dollar. Jedes Event ist mit 500.000 Dollar dotiert, 250.000 davon für den Sieger. Für die Schwimmer, die jeweils zweimal starten, bedeutet dies eine Mindest-Prämie von 100.000 Dollar. Wer einen Weltrekord unter- bzw. im Gewichtheben überbietet, kassiert zusätzlich 250.000 Dollar. Ausnahme: Wer über 50 m Freistil im Schwimmen oder 100 m in der Leichtathletik unter dem Weltrekord bleibt, erhält eine Million.
Normalerweise im Sport streng verbotenen Mittel gehören bei den Enhanced Games zum Standard. Die Gabe von Testosteron, Wachstumshormon oder Steroiden sollte von den Veranstaltern kontrolliert und öffentlich einsehbar protokolliert werden - letzteres geschah letztlich kaum. Erlaubt sind allerdings nur von den US-Medizin- und Ernährungsbehörden zugelassene Mittel.
Hier kommen wir in den Bereich des Perfiden: Die Substanzen, die von den Sportlern genutzt werden, können auch vom Normalvolk erworben werden - um den Freizeitsportler zu "optimieren". Über den eigenen Shop verkaufen die Organisatoren Produkte der Marke "Enhanced". Auf Ticketverkäufe oder Fernsehgelder sind die Enhanced Games nicht angewiesen: Die 2500 Zuschauer in Las Vegas sind handverlesen, die Wettkämpfe werden kostenlos gestreamt.
In welchen Sportarten wird angetreten?
Drei Sportarten haben die Macher vorgesehen: Schwimmen, Leichtathletik, Gewichtheben - hier gibt es auch noch die Kategorie Strongman. Über 50 und 100 Meter wird geschwommen, jeweils Freistil und Schmetterling. Bei der Leichtathletik geht's über 100 Meter sowie 100 und 110 Meter Hürden, im Gewichtheben sollen in drei Kategorien bisher nicht erreichte Lasten bewältigt werden.
Wer startet?
In der Regel Sportler, die ihre Karriere hinter sich haben und damit nicht mehr dem regulären Dopingtest-Reglement unterliegen. 13 Athleten waren noch bei Olympia 2024 in Paris am Start, drei gewannen Medaillen: Schwimmer Hunter Armstrong (25) wurde Olympiasieger mit der US-Staffel, der Brite Ben Proud (31) holte Silber über 50 m Freistil, US-Leichtathlet Fred Kerley (31) Sprintbronze über 100 m - Kerley ist derzeit wegen verpasster Dopingtests regulär gesperrt.
Wie steht der DOSB zu den Enhanced Games?
Der Deutsche Olympische Sportbund übt deutliche Kritik. "Wir lehnen die Enhanced Games ab. Jeder Mensch hat das Recht, frei über seinen Körper bestimmen zu können", teilte der DOSB mit.
Wer sich wissentlich gesundheitsgefährdenden Projekten wie den Enhanced Games anschließt, nimmt wissentlich in Kauf, sich damit außerhalb der Gemeinschaft des Sports zu positionieren.
Stellungnahme des DOSB
Die Enhanced Games seien mit den Werten des Sports nicht vereinbar, hieß es weiter. "Sie verstoßen durch den Einsatz von Doping gegen in Deutschland geltendes Recht und stehen in ihrer Ausrichtung auf Leistungsoptimierung mit Hilfe verbotener Substanzen dem entgegen, wofür sich der Sport in Deutschland und weltweit einsetzt: faire und saubere Wettkämpfe."
Schwimmer Marius Kusch hat mit seiner Entscheidung, an den "Enhanced Games" teilzunehmen, für viel Aufruhr gesorgt. Im ZDF-Interview erklärt er seine Beweggründe für die Teilnahme.
08.10.2025 | 17:08 minWas sagen andere Verbände?
Die Vereinigung Athleten Deutschland lehnt die Enhanced Games ebenfalls ab. "Sie stehen für ein System, das gesundheitliche Risiken ökonomisch belohnt - und damit Anreize zur Ausbeutung von Athletinnen und Athleten schafft." Gleichzeitig fordert die Vereinigung eine bessere Athleten-Förderung durch die Bundesregierung und eine angemessene Beteiligung an den Einnahmen des IOC.
Nur so lässt sich gewährleisten, dass sie sich ohne existenzielle Sorgen auf ihren Sport konzentrieren können. Das stärkt Leistung und Erfolg - und entzieht Initiativen wie den Enhanced Games den Sauerstoff.
Vereinigung Athleten Deutschland
Als "gefährliches und unverantwortliches" Konzept verurteilte die Welt-Anti-Doping-Agentur die Spiele. "Die Macher der Enhanced Games wollen vielleicht schnelles Geld verdienen, aber dieser Gewinn geht auf Kosten von Kindern auf der ganzen Welt, die glauben, dass sie Dopingmittel nehmen müssen, um ihre Träume zu verwirklichen", erklärte der Chef der amerikanischen Anti-Doping-Agentur, Travis Tygart.
Schwimmer Marius Kusch sorgt mit seiner Teilnahme an den "Enhanced Games" für Kontroverse. Einige alte Weggefährten üben deutliche Kritik.
08.10.2025 | 2:35 minLars Mortsiefer, Vorstandsvorsitzender der Nationalen Anti-Doping-Agentur Deutschland, betonte: "Ein Wettbewerb, der gezielt auf den Einsatz von Dopingmitteln setzt, ist ethisch und moralisch absolut verwerflich."
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