Krise im Eisschnelllauf:Machtkampf eskaliert: DESG verschiebt wichtige Versammlung
Die DESG verschiebt ihre Verbandsversammlung mitten im Machtkampf mit dem Thüringer Eisschnelllauf-Verband Terv. Wie geht es jetzt weiter?
Bei der für Samstag geplanten, inzwischen abgesagten außerordentlichen Mitgliederversammlung sollte über die Zukunft des DESG-Präsidiums entschieden werden. Von links: Clarissa Forster, DESG-Schatzmeisterin, DESG-Präsident Matthias Große und Stefanie Fuchs.
Quelle: Britta Pedersen / dpaInmitten eines heftigen Machtkampfs hat die Deutsche Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft (DESG) ihre für diesen Samstag geplante außerordentliche Verbandsversammlung kurzfristig verschoben. Nach Angaben des Präsidiums soll sie nun am 13. Februar 2027 stattfinden.
Hintergrund seien ausstehende Entscheidungen der Fördermittelgeber zur geplanten Strukturreform sowie ein Rechtsstreit mit dem Thüringer Eis- und Rollsport-Verband (Terv), hieß es.
"Eine Verbandsversammlung ist keine Bühne für persönliche Konflikte, juristische Scharmützel oder verbandspolitische Machtkämpfe. Sie ist das oberste Forum unserer Mitglieder, um gemeinsam über die Zukunft unseres Sports zu beraten", erklärte die umstrittene DESG-Führung in einem Schreiben.
Er ist 18, Junioren‑Weltrekordhalter und schon ganz nah an der Weltspitze: Finn Sonnekalb gilt als größte deutsche Medaillenhoffnung Deutschlands im Eisschnelllauf.
27.01.2026 | 3:38 minOpposition schaltet Gericht ein
Der Terv hatte kürzlich eine Abwahl der Verbandsführung um den umstrittenen DESG-Präsidenten Matthias Große beantragt und am 13. Oktober ein eigenes Kandidatenteam vorgestellt. Das DESG-Präsidium begründete die Verschiebung unter anderem mit dem gerichtlichen Vorgehen des Landesverbands gegen die Durchführung der Versammlung. Eine abschließende Entscheidung stehe noch aus.
Die DESG kritisierte zudem, dass der Terv den amtierenden Vizepräsidenten Shorttrack, Christoph Zepernick, ohne dessen Zustimmung als Mitglied des Kandidatenteams benannt habe. Dies sei "ein schwerwiegender Vorgang, der mit einem respektvollen und vertrauensvollen Umgang innerhalb unseres Verbandes nicht vereinbar ist", hieß es weiter.
Staatsminister fordert schnelle Konfliktlösung
Das Präsidium wies zudem die Behauptung zurück, der Stützpunkt Erfurt solle geschlossen werden. Das "entspricht nicht der Zielsetzung der DESG und trägt nach unserer Auffassung zur unnötigen Verunsicherung von Athletinnen und Athleten, Trainern und Vereinen bei".
Bei den deutschen Eisschnellläufern brodelt es: Neun Erfurter werfen der DESG vor, sie zu einem Wechsel des Trainingsorts zu zwingen, andernfalls flögen sie aus dem Kader.
14.07.2026 | 3:55 minDer Terv wirft der DESG-Führung indes unter anderem vor, Beschlüsse der Verbandsversammlung zu ignorieren und Sportler respektlos zu behandeln. Auch mehrere Athleten hatten mehrfach ihre Kritik an Entscheidungen der DESG-Spitze öffentlich gemacht. Eine Athletenvereinbarung unterschrieben die in Thüringen trainierenden Sportlerinnen und Sportler nur unter Protest. Jungstar Finn Sonnekalb drohte sogar mit einem Wechsel ins Ausland.
Rauhe: "Sehe hier ganz klar den autonomen Sport gefordert"
Ronald Rauhe, Staatsminister für Ehrenamt und Sport, appellierte an den Spitzenverband und die Landesverbände, gemeinsam Lösungen zu erarbeiten. "Ich sehe hier ganz klar den autonomen Sport gefordert", sagte er der Deutschen Presse-Agentur unmittelbar vor der Absage der Verbandsversammlung.
Zugleich kündigte Rauhe an, zeitnah über die Anerkennung der Bundesstützpunkte zu entscheiden und die DESG mit Blick auf die Einhaltung der Fördervoraussetzungen weiter eng zu beobachten und zu begleiten.